"Ich bin einfach glücklich, dass ich gewonnen habe, auch wenn ich nicht mein bestes Tennis zeigen konnte", sagte die 22 Jahre alte Dortmunderin: "Das Match wurde heute im Kopf entschieden, nicht spielerisch. Ich bin glücklich, dass ich mental stark geblieben bin."
Nach dem Arbeitssieg fürs Achtelfinale ließ Jule Niemeier entkräftet ihren Schläger fallen und vergrub das Gesicht in beiden Händen.
Beinahe so wie bei ihrem Überraschungssieg am Mittwoch, mit dem sie triumphal ins Rampenlicht der Tennisbühne Wimbledon getreten war. Und doch ganz anders. Niemeiers Erleichterung über das hart erkämpfte 6:4, 3:6, 6:3 gegen die zähe Lesia Zurenko war greifbar.
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Am Rande des Court 18, der durch viele Tenniskrimis in der Wimbledongeschichte Berühmtheit erlangt hat, atmete auch Niemeiers Trainer Christopher Kas nach der "emotionalen Achterbahnfahrt" auf - und fand bewundernde Worte. "Zum ersten Mal in Wimbledon, zum ersten Mal in der dritten Runde, nach dem Sieg über die Nummer 2: Bei all den Faktoren bin ich auch ein bisschen stolz auf sie", sagte Kas.

Niemeier zeigt Kampfgeist und Nervenstärke

Zwei Tage nach dem sensationell souveränen Sieg über die Estin Anett Kontaveit brauchte Niemeier an diesem kühlen Mittag im Londoner Südwesten vor allem Kampfgeist und Nervenstärke.
Sie musste sich etliche Fehler verzeihen, immer wieder aufstehen - und tat das über zwei Stunden mit Bravour. Die 22-Jährige zeigte dabei, wie schnell sie lernt.
"Wichtig ist, dass ich mich in allen Bereichen weiterentwickele, damit ich auch an Tagen, an denen nicht alles läuft, gewinnen kann", hatte sie nach dem Sieg über Kontaveit gesagt. Gegen die Ukrainerin Zurenko lief lange wenig, und dennoch reichte es fürs Achtelfinale.

Niemeier kassiert zehn Breaks

In dem trifft sie auf die Britin Heather Watson, zwar acht Jahre älter als Niemeier, aber auch noch ohne Erfahrung auf diesem Level bei einem Grand Slam. Als Nummer 109 der Welt liegt sie sogar noch zwölf Plätze hinter Niemeier. Und dennoch wird es ein Match für einen großen Court - womöglich sogar den Centre Court, den allerheiligsten Ort des Tennissports. Dort könnte Niemeiers Lauf weitergehen, zumal auch wieder bessere Tage und mehr Aufschläge kommen werden.
Elf Doppelfehler servierte Niemeier, und kassierte zehn Breaks, nachdem sie in ihren ersten beiden Wimbledonmatches nicht einmal ihren Aufschlag abgegeben hatte. Doch Kas lenkte den Blick auf Niemeiers Reaktion, "wie tough sie im Kopf geblieben ist. Sie hat sich nicht die ganze Zeit super gefühlt", sagte er, aber "das Entscheidende ist, trotzdem bereit zu sein". Trotzdem aktiv zu sein.
Das war Niemeier in zwei spielentscheidenden Phasen, in denen sie auch spielerisch zeigte, warum sie sich den Ruf einer deutschen Tennishoffnung erworben hat: Mit einem gefühlvollen Stopp und einem Passierball aus vollem Sprint holte sie sich den Satzball in Durchgang Nummer eins. Und als das Match auf des Messers Schneide stand nach dem Tief in Satz zwei, riss es Niemeier an sich.
Die Wildcard, die der Deutsche Tennis-Bund für das kleine Turnier im westfälischen Versmold in der kommenden Woche bereithielt, kann der Verband nun anderweitig vergeben. Niemeier bleibt auf der bedeutendsten Tennisbühne der Welt.
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