Wimbledon - Knifflige Lage für Alexander Zverev: Mammutprogramm vor der Brust - Carlos Alcaraz im Kopf

Alexander Zverev hat nach langem Warten die erste Hürde in Wimbledon genommen. Beim Auftaktsieg gegen Gijs Brouwer ging der Plan des Deutschen, der mit einem Auge schon auf die zweite Woche schielt, auf. Vor einem potenziellen Duell im Achtelfinale mit Carlos Alcaraz muss der Deutsche jedoch aufgrund der Verschiebungen erst einmal ein wahres Mammutprogramm bestehen. Ein kniffliger Spagat.

Alexander Zverev

Fotocredit: Getty Images

Einen kleinen Scherz und Seitenhieb konnte sich Alexander Zverev dann doch nicht verkneifen.
"Ich war bereit, das Turnier erst am Samstag zu beginnen. Aber zum Glück habe ich heute gespielt", sagte der Deutsche nach seinem Auftaktsieg (6:4, 7:6 [7:4], 7:6 [7:5]) gegen den niederländischen Qualifikanten Gijs Brouwer mit einem Lächeln auf den Lippen. Am Donnerstag wohlgemerkt, sage und schreibe zwei Tage später als ursprünglich geplant.
Der Londoner Regen und die daraus resultierenden Verschiebungen hatten den Olympiasieger zum Warten gezwungen. Dass die Turnierveranstalter dabei Zweitrunden-Matches anderer Spieler auf den überdachten Plätzen ansetzten, während der 26-Jährige beim Kartenspiel UNO Flip und Golf im Garten auf seinen ersten Einsatz hinfieberte, konnte Zverev zwar nicht so ganz verstehen, aber sei's drum.
Der Ärger war schnell verflogen und Zverevs Blick – das wurde in den folgenden Sätzen deutlich – ohnehin schon nach vorne gerichtet. Weit nach vorne sogar. "Wahrscheinlich werde ich morgen wieder spielen. Und den Tag danach auch", so der gebürtige Hamburger, der sich dann erst einmal selbst wieder einfangen musste: "Also wenn ich gewinne natürlich. Aber in meinem Kopf tue ich das."

Mischa Zverev: Bruder Alexander ist "gut drauf"

Arrogant? Vielleicht ein wenig. Aber die Aussage zeigt auch: Zverev ist mit einem Ziel an die Church Road gekommen. Und das heißt nicht zweite Runde.
"Normalerweise ist Wimbledon nicht so sein Turnier und er denkt von Runde zu Runde", sagte sein Bruder Mischa Zverev bereits vor dem Match bei "Sky": "Aber dieses Jahr fühlt er sich relativ selbstbewusst. Ich will nichts sagen sicher, aber er ist gut drauf."
Das untermauerte er in den folgenden 2:15 Stunden gegen Brouwer. Zu Beginn war ihm zwar die fehlende Match-Praxis der vergangenen Tage anzumerken. Zverev musste erst seinen "Rhythmus" finden, wie er später selbst bei "Sky" analysierte. Doch bereits nach kurzer Eingewöhnungszeit kam die Vorhand, die nicht immer die größte Stärke des Deutschen ist, ins Laufen. Auch bei eigenem Aufschlag hatte sich Zverev etwas überlegt.
"Ich habe ihm in den unwichtigen Momenten mehr in die Rückhand und in den wichtigen in die Vorhand serviert", so der 26-Jährige. Letztere sei zwar generell Brouwers besserer Schlag, aber beim Return eben auch "wilder" – und damit fehlerbehafteter.

Zverev mit eigener Leistung zufrieden

Zverevs Plan ging auf. Der French-Open-Halbfinalist hielt über die komplette Partie sein Service. Zwar nahm er auch dem Niederländer nur einmal den Aufschlag ab, behielt in Satz zwei und drei aber jeweils im Tie-Break die Nerven.
"Es war ein souveränes Match, ich habe meine Sachen gut gemacht", zeigte sich Zverev selbst zufrieden.
Dass er für die Auftakthürde nur drei Sätze brauchte, könnte für die Nummer 21 der Welt in den kommenden Tagen noch wichtig werden. Langweilig, immer vorausgesetzt die Wettergötter spielen mit, dürfte es Zverev ab nun nämlich nicht mehr werden.

Zverev schielt auf potenzielles Duell mit Alcaraz

Bereits am Freitag (ab ca. 15:00 Uhr im Liveticker) steht das Zweitrunden-Match gegen den Japaner Yōsuke Watanuki auf dem Programm. Bei einem Sieg nur einen Tag später dann die dritte Runde.
Solche Back-to-back-Matches sind die Spieler auf der ATP-Tour zwar gewöhnt, aber eben maximal über drei Sätze. Bei Best-of-five-Matches in Grand-Slam-Turnieren sieht das anders aus.
"Wenn es über die Länge geht, kann es physisch sehr schwer werden", weiß auch Zverev, der zumindest mit einem Auge bereits auf ein potenzielles Achtelfinale gegen den Weltranglistenersten Carlos Alcaraz schielt.
"Wenn ich gegen Alcaraz in der vierten Runde spielen muss, will ich natürlich fit und frisch sein und in den drei Tagen davor nicht drei Matches hintereinander gespielt haben", erklärt Bruder Mischa: "So denkt er halt."
Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Mit hoffentlich mehr Sonnenschein – und weniger UNO und Golf im Garten.
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Quelle: Eurosport

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