Wimbledon 2023 - Novak Djokovic klarer Favorit?! Mats Wilander nennt die Gefahren

Novak Djokovic setzt seine historische Grand-Slam-Titeljagd in Wimbledon fort. Nach dem Gewinn der Australian Open im Januar und der French Open im Juni steht der Serbe bei 23 Major-Erfolgen. Djokovic gilt auch im All England Club als Favorit, wo am 3. Juli das berühmteste Turnier der Welt beginnt. Tennis-Legende Mats Wilander erklärt bei Eurosport, welche Gefahren Djokovic im Auge behalten muss.

Novak Djokovic bereitet sich auf Wimbledon vor

Fotocredit: Getty Images

Vor wenigen Tagen fand im Londoner All England Club eine ganz besondere Trainingseinheit statt. Roger Federer spielte ein paar Bälle mit Catherine, Princess of Wales. Ein royales Vergnügen, denn auch der Schweizer trägt einen - zumindest sportlichen - Titel: den des Rekordsiegers von Wimbledon.
Allerdings deutet vieles darauf hin, dass er sich seinen Thron in gut zwei Wochen mit Novak Djokovic teilen muss, der seinen Vorjahrescoup wiederholen und mit dem achten Triumph zu Federer aufschließen will.
"Novak geht als großer Favorit ins Turnier. Der Grund? Ich habe noch niemanden gesehen, der von der Grundlinie so solide ist wie er und so gut aufschlägt", sagt Mats Wilander im Eurosport-Interview.
Der Serbe habe sich im Laufe der Jahre enorm verbessert, sei es beim Service, bei der Slice-Rückhand, beim Serve-and-Volley-Spiel oder dem dosierten Einsatz von Stops.

Wilander staunt über Rasen-Dominanz von Djokovic

Wilander kann nur staunen. "Ich hätte nie gedacht, dass Novak auf Rasen so dominant sein würde", so der Schwede, der insgesamt sieben Grand-Slam-Titel gewann, in Wimbledon aber nie über das Viertelfinale hinauskam.
Darüber hinaus spreche ein weiterer Aspekt für den Routinier, der es zum Auftakt mit dem Argentinier Pedro Cachín zu tun bekommt. "Ich glaube, Novak fühlt sich auf Rasen auch deshalb so wohl, weil er weiß, dass es seine Gegner nicht tun. Wenn man sich die US Open oder Australian Open anschaut, dann gibt es da viel mehr Spieler, die zwei großartige Wochen haben und das Turnier gewinnen können. Nicht so in Wimbledon, wo sich eigentlich niemand auf dem Belag wirklich wohl fühlt", erläutert Wilander.
Das liegt zum einen daran, dass mit Roger Federer der vielleicht beste Rasenspieler seine Laufbahn beendet hat und sich hervorragende Gras-Spezialisten wie Andy Murray, Nick Kyrgios, Matteo Berrettini oder Milos Raonic aus verschiedenen Gründen nicht in bester Form befinden.

Alcaraz? Noch nicht auf Niveau von Djokovic

Bleibt Carlos Alcaraz. "Natürlich ist Carlos mit seinem Sieg im Queen's Club sehr gefährlich, aber kann er in nur einem Jahr und mit nur wenigen Matches auf Rasen genug gelernt haben, um Novak zu gefährden? Ich glaube nicht", stellt Wilander klar. Der 20-jährige Spanier bringt es in der gesamten Laufbahn gerade einmal auf elf Partien auf dem grünen Belag, gewann aber dennoch das Vorbereitungsturnier im Londoner Queen's Club.
picture

Schett exklusiv zu Zverevs Wimbledon-Chancen: Darauf kommt es an

Quelle: Eurosport

Findet Djokovic also die sprichwörtliche "gmahde Wiesn" vor? Nicht ganz, denn zwei Gefahren muss der Weltranglistenzweite einkalkulieren. Zum einen, so Wilander, traue er einem kleinen Kreis an Konkurrenten durchaus zu, den Serben an einem schwachen Tag zu schlagen - auch wenn es aus seiner Sicht niemanden gibt, der das dafür notwendige Level über volle zwei Wochen halten kann.

Wilander traut Tiafoe eine Menge zu

Generell traue er vor allem Frances Tiafoe und Holger Rune im All England Club viel zu. "Ich denke, dass Tiafoe mit seinem Sieg in Stuttgart allen gezeigt hat, dass er gerne auf Rasen spielt und einen ausreichend starken Aufschlag hat. Er bewegt sich gut, seine Rückhand ist perfekt für den Belag, weil sie sehr tief bleibt."
Rune habe im Queen's Club gute Ansätze gezeigt und sei in der Lage, "sich in den zwei Wochen in Wimbledon als Rasenspieler unbegrenzt weiterzuentwickeln", glaubt Wilander.
Der frischgebackene Halle-Champion Alexander Bublik sei indes "ein absoluter Albtraum" für seine Kontrahenten. Der Haken an der Sache: "Ich traue ihm das in einem Match, vielleicht in zweien zu. Aber kann er Wimbledon gewinnen? Das bezweifle ich doch sehr", führt Wilander aus. Schlussendlich laufe es darauf hinaus, dass die Rolle des Topfavoriten klar an Djokovic vergeben sei, dahinter sehe er Alcaraz.

Historische Dimension - (k)ein Problem für Djokovic

Abgesehen von der Klasse der Konkurrenz kommt bei Djokovic ein weiterer Faktor zum Tragen: die historische Dimension.
Es geht um die Einstellung des Federer-Rekords und perspektivisch um den Kalender-Grand-Slam in dieser Saison. Letzteres wäre ihm 2021 fast gelungen, es fehlte nur ein Sieg im Endspiel der US Open. Das allerdings verlor Djokovic nach einer ungewöhnlich schwachen Vorstellung gegen Daniil Medvedev.
picture

Nadal adelt Djokovic: "Schien vor Jahren unmöglich"

Quelle: Perform

"Ich bin der Meinung, dass Novak aus dieser Niederlage, als buchstäblich Geschichte auf dem Spiel stand, eine Menge gelernt hat", betont Wilander.
Möglicherweise gehe es dem Mann aus Belgrad in erster Linie darum, sich in diesem Jahr mit dem 24. Grand-Slam-Titel weiter von seinen ewigen Rivalen Rafael Nadal (22) und Federer (20) abzusetzen - und damit seinen Status als größter Tennisspieler der Historie zu zementieren.
Der Gewinn aller vier Major-Wettbewerbe in einer Saison käme dann erst an zweiter Stelle. "Deshalb denke ich, dass Wimbledon dieses Mal etwas entspannter für Novak ist", unterstreicht Wilander. Für die Herausforderer ist das keine gute Nachricht ...
picture

Kerber analysiert Swiatek: "Präsent und selbstbewusst"

Quelle: Eurosport

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung