Wimbledon 2023 - Der Herr der Zeit: Djokovic läuft der neuen Generation um Alcaraz und Sinner davon

Novak Djokovic dreht in Wimbledon einmal mehr die Zeit zurück und spielt mit 36 Jahren das vielleicht beste Tennis seiner Karriere. Während die junge Generation verzweifelt versucht, die Lücke zum Rekord-Grand-Slam-Champion zu schließen, lernt dieser auch im Herbst seiner Karriere stetig dazu und passt sein Spiel an. Im Finale gegen Carlos Alcaraz kommt es zum nächsten Duell der Generationen.

Es ist vollbracht! Djokovic und Alcaraz machen Traumfinale perfekt

Quelle: Perform

"36 ist das neue 26."
Spätestens mit diesem Satz hatte Novak Djokovic das Publikum auf dem Centre Court wieder auf seiner Seite, nachdem es in den drei Stunden zuvor frostig zwischen dem Serben und den englischen Tennis-Fans zugegangen war.
Die Herzen im Halbfinale flogen klar dem 21-jährigen Jannik Sinner zu, doch es war einmal mehr der 15 Jahre ältere Djokovic, der die Zeit zurückdrehte und sein neuntes Wimbledon-Finale buchte.
Wer genau hingehört hat, weiß, dass Djokovic eine solche Formulierung nicht zum ersten Mal benutzte. Nach dem Einzug ins Achtelfinale der Australian Open im vergangenen Januar war "35 das neue 25". Nun ist der Rekord-Grand-Slam-Sieger eben ein halbes Jahr älter - verändert hat sich jedoch nichts.
"Ich versuche, das Alter nicht als eine Behinderung oder einen Faktor zu sehen, der über den Ausgang von Matches entscheidet", sagte Djokovic, dessen aktueller Run an der Church Road einmal mehr verdeutlicht, dass er der jungen Generation noch immer einen Schritt voraus ist. Viel mehr noch: Die Lücke wird wieder größer.

Wimbledon: Djokovic besser als je zuvor?

Es gibt sogar Stimmen, die dem Weltranglistenzweiten attestieren, aktuell das beste Tennis seiner Karriere zu spielen. "Ich möchte glauben, dass das der Fall ist, ja", antwortete Djokovic auf eine dementsprechende Frage bescheiden.
Eurosport-Experte Mats Wilander sieht das etwas differenzierter. Djokovic sei nicht unbedingt besser als in den epischen Schlachten mit Roger Federer und Rafael Nadal, er habe sich nur der Next Generation angepasst.
"Er (Djokovic, Anm. d. Red.) hat realisiert, dass diese Jungs richtig gut sind. Sie schlagen den Ball deutlich härter als Roger, Rafa oder Andy. Viel härter", so der Schwede.

Djokovic lernt auch mit 36 Jahren noch dazu

Deshalb habe auch Djokovic sich umgestellt. 2022 hatte Sinner dem siebenmaligen Wimbledon-Champion im Viertelfinale noch zwei Sätze abgenommen und ihn am Rande einer Niederlage. In diesem Jahr war er chancenlos.
"Sinner hat dieses Jahr nicht so sehr diktiert wie letztes Jahr. Liegt das daran, dass er schlechter war als letztes Jahr? Nein, Sinner ist besser", so Wilander: "Novak hat also etwas verändert. Nur einen oder zwei Prozentpunkte. Sein Aufschlag ist besser. Seine Vorhand ist definitiv härter."
Die jungen Stars verbessern sich zwar kontinuierlich, "aber Novak hat sich sogar NOCH mehr verbessert. Und er ist 36 anstatt 21 Jahre alt. Das ist eigentlich nicht möglich, es ist unglaublich", schwärmt der siebenmalige Grand-Slam-Champion: "Ich fand es super, dass er gesagt hat, er liebt es, Teil dieser Generation zu sein. Sie sollten sich besser anstrengen, denn Novak geht nirgendwohin. Er läuft ihnen sogar davon!"

Djokovic vs. Alcaraz: "Lasst uns ein Fest feiern"

Im Finale wartet mit Carlos Alcaraz nun ein weiteres Mitglied dieser sogenannten Next Gen. Der 20-jährige Spanier hat nach seiner bitteren, durch Krämpfe bedingten Niederlage im Halbfinale der French Open noch eine Rechnung mit Djokovic offen.
Zudem hat der Weltranglistenerste spätestens mit dem US-Open-Titel im vergangenen Jahr bewiesen, dass er mindestens eine Kategorie höher als Sinner einzuordnen ist.
Auch weil er ein kompletterer Spieler und Djokovic gar nicht so unähnlich ist.
"Ich sehe es als eine meiner größten Stärken, dass ich mein Spiel während meiner Karriere konstant weiterentwickelt, angepasst und umgestellt habe. Das macht er bereits sehr früh in seiner Karriere“, lobte Djokovic seinen jungen Kontrahenten: "Er ist hungrig, ich bin auch hungrig. Also lasst und ein Fest feiern."

Alcaraz will Djokovics Rekordjagd stoppen

Tennis-Fans dürften in diesem Traum-Finale (Sonntag, 15:00 Uhr im Liveticker) definitiv auf ihre Kosten kommen, denn es geht nicht nur um die Nummer eins, sondern für Djokovic auch um die nächsten Rekorde. Mit einem Sieg kann er die Bestmarke von Roger Federer (8 Titel) im All England Club einstellen. Zudem könnte er wie der Schweizer und Björn Borg zum fünften Mal in Serie siegen.
Und dann wäre da ja auch noch der Kalender-Grand-Slam, den Djokovic 2021 in New York nur knapp verpasste.
"Ich denke, wir können jetzt darüber reden", meint Wilander: "So wie er in Australien gespielt hat, wie er in Paris gespielt hat. Man kann diese Turniere auf verschiedene Art und Weise gewinnen, aber er hat die anderen deklassiert. Er hat auch hier (in Wimbledon, Anm. d. Red.) bisher alle deklassiert. Ich weiß nicht, warum es am Sonntag anders sein sollte. Novak verdient es, der Favorit zu sein, der große Favorit."
Für Alcaraz eine besondere Motivation, dies zu verhindern. "Jeder weiß, was er für eine Legende ist. Es wird sehr, sehr schwer. Aber ich werde kämpfen. Ich glaube, dass ich ihn schlagen kann, ich glaube an mich", gab sich der Spanier selbstbewusst.
Das Tennis-Festmahl ist angerichtet - und sicher ist nur eines: Der Altersunterschied zwischen dem 36-jährigen Djokovic und dem 20-jährigen Alcaraz dürfte den geringsten Einfluss auf den Ausgang des Matches haben.
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Quelle: Perform

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