Simona Halep beendet ihre Karriere: Grand-Slam-Siegerin geht mir ruhigem Gewissen - Abschied durch die Hintertür
Publiziert 07/02/2025 um 16:25 GMT+1 Uhr
Simona Halep hat nach ihrer Erstrundenniederlage beim WTA-Turnier in Cluj-Napoca ihre Karriere beendet. Die rumänische Ausnahme-Athletin erlebte einst einen kometenhaften Aufstieg, der in zwei Grand-Slam-Titeln und insgesamt 64 Wochen als Nummer eins gipfelte. Die vergangenen Jahre werfen jedoch einen unglücklichen Schatten auf ihre Laufbahn - dennoch verabschiedet sie sich mit ruhigem Gewissen.
Halep verkündet Rücktritt mit emotionaler Rede
Quelle: Perform
Simona Halep atmete einmal tief durch - als würde eine Last von ihren Schultern gehoben werden. Dann richtete sie sich auf dem Center Court von Cluj-Napoca an die heimischen Fans.
"Ich weiß nicht, ob ich traurig oder glücklich sein soll", erklärte sie nach ihrer Niederlage gegen Lucia Bronzetti (1:6, 1:6) mit einem sanften Lächeln. "Aber ich treffe diese Entscheidung mit einem ruhigen Gewissen. Ich war immer realistisch mit mir selbst."
Nichts weniger als ihr Karriereende verkündete die zweimalige Grand-Slam-Siegerin aus Rumänien am Dienstagabend. Ruhig, stilvoll, mit sich im Reinen. "Ich möchte nicht weinen, es ist eine schöne Sache, ich war die Nummer eins der Welt, ich habe Grand Slams gewonnen, das ist alles, was ich wollte", so Halep.
Und dennoch mutete die Rede der 33-Jährigen wie ein Abschied durch die Hintertür an - der in das unglückliche Bild der vergangenen Jahre passt.
Haleps Stern geht in Nürnberg auf
"Mein Körper kann nicht mehr so viel aushalten, wie es nötig ist, um wieder dahin zu kommen, wo ich einmal war", stellte Halep fest. Wo war das noch einmal? Genau, an der Spitze der Welt.
Es war ein Märchen, wie es schon viele vor ihr gab. Im Alter von 21 Jahren tütete Halep ihren ersten Titel auf der WTA-Tour ein, im Finale von Nürnberg setzte sie sich auf Sand in zwei Sätzen gegen die deutsche Lokalmatadorin Andrea Petkovic durch (6:3, 6:3). Im selben Jahr stand sie noch in fünf weiteren Endspielen, in keinem davon sollte sie unterliegen.
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Simona Halep hat sich von der großen Bühne verabschiedet
Fotocredit: Getty Images
Nur elf Monate später kam Halep schließlich auf die ganz große Bühne. Im Finale der French Open musste sie sich jedoch Maria Sharapova geschlagen geben (4:6, 7:6, 4:6), wenige Wochen darauf war in Wimbledon erst im Halbfinale gegen die Kanadierin Eugenie Bouchard (6:7, 2:6) Schluss.
Nach zwei weiteren Major-Finals bei den French Open 2017 und Australian Open 2018, in denen sie den Kürzeren zog, schrieb sie schließlich Geschichte. Als erst zweite Spielerin ihres Landes nach Virginia Ruzici (French Open 1978) gelang ihr der große Wurf. Am 9. Juni 2018 schlug sie - als Nummer eins der Welt wohlgemerkt - die US-Amerikanerin Sloane Stephens im Finale der French Open (3:6, 6:4, 6:1).
Meisterwerk im Finale gegen Williams
Ein Jahr später folgte das "beste Match meiner Karriere", wie sie selbst schwärmte. Im Finale von Wimbledon behielt sie gegen Rasenkönigin Serena Williams nicht nur mit 6:2, 6:2 klar die Oberhand, sondern spielte die US-Amerikanerin regelrecht an die Wand.
Lediglich drei Unforced Errors leistete sich die Rumänin - ein Meisterwerk und Finalrekord in der Open Era der Damen und Herren. Mit einer Länge von 56 Minuten war es übrigens auch eines der kürzesten Wimbledon-Endspiele der Geschichte.
Derartige Perfomances hinterließen bleibenden Eindruck. So meldeten sich nach ihrem verkündeten Abschied Granden wie Boris Becker und Billie Jean King zu Wort und gratulierten Halep zu ihrer Karriere. "Gut gemacht, Simo! Was für eine erstaunliche Karriere", schrieb Becker. "Jetzt genieße den Ruhestand!"
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Halep geht gegen Bronzetti unter - und nimmt Abschied
Quelle: SNTV
Für den emotionalsten Beitrag sorgte aber wohl ihr ehemaliger Trainer Darren Cahill. "Eine Karriere, die durch harte Arbeit, Entschlossenheit, Belastbarkeit und Ehrlichkeit geprägt ist", unterstrich der australische Coach, mit dem sie insgesamt sechs Jahre zusammengearbeitet hatte.
"Nichts war jemals einfach, es gab viele Rückschläge. Du warst eine Inspiration auf und neben dem Platz", pries er Halep. "Und das Beste von allem: Du hast es auf deine Art gemacht!"
Ein Schatten bleibt
Für Cahill, der seit Juli 2022 Überflieger Jannik Sinner betreut und im Jahr 2009 ein Angebot von Roger Federer abgelehnt hat, sei es ein besonderes Erlebnis gewesen, Halep auf ihrem Weg nach oben zu begleiten.
"Es war für uns alle eine Ehre, viele wunderbare Momente auf deiner erstaunlichen Reise zu erleben und zu sehen, wie du die nächste Generation junger Sportlerinnen inspirierst", so der 59-Jährige.
Die positiven Erinnerungen scheinen bei Halep zu überwiegen - die erwähnten Rückschläge hinterlassen jedoch einen großen Schatten. Bei einem Test im Rahmen der US Open 2022 wurde bei Halep der auf der Dopingliste stehende Wirkstoff Roxadustat nachgewiesen. Im September 2023 wurde sie schließlich für vier Jahre gesperrt.
Nach einem langen Hin und Her reduzierte der Internationale Sportgerichtshof ihre Strafe im März 2024 auf neun Monate, wodurch sie sofort wieder auf die WTA-Tour zurückkehren konnte. Halep feierte ein emotionales Comeback, geriet dann aber wieder in den Doping-Fokus. Dieses Mal als Klägerin.
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Simona Halep
Fotocredit: Instagram
"Ich denke, es ist ganz klar, dass über meinen Fall in einer ganz anderen Art geurteilt wurde und ich glaube, dass das überhaupt nicht fair ist", prangerte sie im Fall rund um die positiven Tests von Superstar Jannik Sinner an. "Ich habe in dieser Zeit viel gelitten und denke, dass es nicht fair war, dass ich so lange nicht antreten durfte."
An der Vergangenheit konnte Halep aber nichts mehr ändern, biss sich also durch diese Leidenszeit. Oder um es in den Worten von Cahill auszudrücken: "Du bist immer wieder aufgestanden und hast dich jeder Herausforderung gestellt wie der Champion, der du bist."
Der Abschied in Cluj-Napoca war für Halep schließlich eine Herzensangelegenheit, sich noch einmal vor ihren Fans zu präsentieren. Und vielleicht auch bewusst den Ausgang durch die Hintertür zu nehmen - der ihrer Karriere eigentlich nicht gerecht wird.
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