Der Fixstern fehlt im Damen-Tennis: Vorgeschmack für die Zeit ohne Serena Williams

Die launigen Pressekonferenzen in Singapur sind diesmal einzig und allein Maria Scharapowa vorbehalten. Während die formstarke Russin nach ihren Matches beim WTA-Finale locker-flockig über Steuern, TV-Abos und die gute Kinderstube plaudert, hat ihre Dauerrivalin Serena Williams auf der anderen Seite der Welt ganz andere Probleme.

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Die Branchenführerin aus den USA sieht sich Gerüchten über eine Schwangerschaft ausgesetzt. Diese soll auch der Grund für die Absage von Williams für das Saisonabschluss-Turnier gewesen sein. Wie auch immer: Das Fehlen der 34-Jährigen im pulsierenden und derzeit vom Smog belasteten Stadtstaat ist ein Vorgeschmack darauf, wie das Tennis-Universum ohne seine Nummer eins aussehen wird.
Nicht so glamourös vielleicht, aber immer noch faszinierend - das glaubt zumindest Chris Evert. "Als Björn Borg 1983 zurücktrat, dachte ich: Das ist das Ende dieses Sports. Aber es kamen junge Spieler nach, die die Lücke schon bald füllten", sagte die US-Ikone in Singapur und betonte: "So wird es auch sein, wenn Serena nicht mehr da ist. Frauen-Tennis wird immer seine Stars haben, egal was passiert."

Fehlen von Williams "extrem schade"

Die veranstaltende Profivereinigung WTA allerdings war nicht sonderlich erfreut über die Singapur-Absage ihres Zugpferdes, das seit 16 Jahren Major-Titel (insgesamt 21) gewinnt. Die mit US-Präsidenten-Gattin Michelle Obama befreundete Williams hatte ihre Saison nach dem überraschenden Halbfinal-Aus bei den US Open und dem damit verpassten Kalender-Grand-Slam vorzeitig beendet: frustriert und untröstlich.
"Es ist immer extrem schade, wenn Serena bei einem Turnier fehlt", sagte der neue WTA-Präsident Steve Simon, der hoffnungsfroh dem nächsten Masters 2016 entgegenblickt: "Ich drücke die Daumen, dass sie dann wieder hier ist."
Nicht nur in Sachen Strahlkraft, auch leistungsmäßig kann Williams momentan noch niemand so recht das Wasser reichen. Außer der extrovertierten Powerspielerin mit Wohnsitz Palm Beach Gardens/Florida hat 2015 nur ihre Erzrivalin Scharapowa mehr als ein Grand-Slam-Halbfinale erreichen können. "Einigen Top-Ten-Spielerinnen fehlt dieser absolute Erfolgshunger, den Serena und Maria haben. Auch eine Angie Kerber hat ihn", meinte die frühere Nummer eins Evert.

Muguruza als neuer Stern

Doch der Weg in den Tennis-Olymp ist weit. Bestes Beispiel: Eugenie Bouchard. Die bereits als künftige Nummer eins gehandelte Kanadierin, ausgestattet mit etlichen Millionen-Verträgen, stürzte mittlerweile von Rang fünf auf Position 48 ab.
Der neue Stern am Tennis-Himmel ist Garbine Muguruza. Die 22-jährige Spanierin erreichte in diesem Jahr in Wimbledon ihr erstes Major-Finale - und kommt wegen ihres Aussehens auch bei der Werbeindustrie bestens an. "Garbine bringt sehr viel mit, um es nach ganz oben schaffen zu können", lobte selbst Scharapowa die Weltranglistendritte mit venezolanischen Wurzeln.
Williams-Coach Patrick Mouratoglou machte den Fans seines Schützlings am Rande des WTA-Finals aber Mut. Ein baldiger Rücktritt der 34-Jährigen ist wohl kein Thema. Wenn sich die hartnäckigen Schwangerschaftsgerüchte nicht doch bewahrheiten sollten. "Vier Grand-Slam-Titel in einem Jahr bleiben weiter unser Ziel", sagte Mouratoglou. Gut möglich also, dass in zwölf Monaten die launigen Pressekonferenzen in Singapur nicht mehr nur Scharapowa vorbehalten sind.
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