Patrick Hausding ist ein Phänomen. Seit 13 Jahren verkörpert Deutschlands bester Wasserspringer konstant Weltklasse, in Europa ist er sogar unumstrittener "König". Bei den Europameisterschaften in Budapest gewann der Berliner im 1-m-Finale am Mittwoch das 16. EM-Gold seiner Karriere. "Das klingt ziemlich surreal", sagte Hausding kopfschüttelnd, "ich weiß nicht, wie viele Athleten dazu in der Zukunft fähig sein werden."
Vielleicht niemand. Vielleicht stellt Hausding in Budapest oder bei der kommenden EM gar einen Rekord für die Ewigkeit auf. Am Donnerstag hat der 32-Jährige im 3-m-Synchronspringen mit Partner Lars Rüdiger die Chance auf den nächsten Titel. Oder zumindest auf die insgesamt 36. Medaille. Was für beeindruckende Zahlen! "Wenn man darauf schaut", sagte Hausding, "ist das eine großartige Ausbeute."
Der Sieg vom 1-m-Brett war in mehrerer Hinsicht "sehr speziell", wie Hausding meinte. Zum einen lieferte der Olympiadritte eine blitzsaubere Leistung ohne größeren Wackler ab, sein Vorsprung auf den britischen Wassersprungstar Jack Laugher betrug satte 25 Punkte. Zum anderen bewies Hausding, dass ihn die lange Pause von 15 Monaten ohne Einzel-Wettkampf nicht aus dem Rhythmus gebracht hat. Und das macht vor allem für Olympia in zweieinhalb Monaten Hoffnung.
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Hausding wird von Bundestrainer Lutz Buschkow nicht umsonst als "Kampfschwein" bezeichnet. Wenn einer widrige Umstände ausschalten und sich auf den Punkt fokussieren kann - dann Hausding. "Ich bin jemand, den Herausforderungen eher stärken", hatte Hausding im Vorfeld der EM gesagt: "Was für viele ein Angstfaktor ist, sehe ich als Herausforderung."

Hausding nutzt die Corona-Pause für eine Anlauf-Veränderung

Die lange Corona-Pause nutzte der Rekord-Europameister daher auch zur Veränderung seines Anlaufs, um im Synchronspringen vom 3-m-Brett mit Partner Rüdiger mehr Punkte zu sammeln. Mit Erfolg: Bei der Olympia-Quali landete das Duo auf einem hervorragenden zweiten Platz und löste das Tokio-Ticket.
Angenehmer Nebeneffekt des veränderten Anlaufs: Das Problem-Knie meldet sich kaum noch. Auch bei der chronisch schmerzenden Schulter ist alles im grünen Bereich. "Körperlich geht es mir ziemlich gut", sagt der Mann, der einst Schmerzmittel "wie Gummibärchen" genommen hatte.
Doch natürlich weiß auch Hausding, dass er nicht ewig springen kann. Tokio werden seine letzten Olympischen Spiele, vielleicht hängt er dann noch ein Jahr dran. 2022 steht schließlich auch wieder eine EM an, bei der er seine Rekord-Jagd fortsetzen kann.

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