Le Mans: Aston Martin überrascht sich mit gutem Debüt beim Klassiker selbst - "Hatten wir nicht unbedingt erwartet"

Der erste Auftritt für Aston Martin in Le Mans mit seinem neuen Hypercar hat sich bisher erfolgreicher als gedacht gestaltet. Selbst im Team zeigt man sich davon überrascht. Das liegt nicht nur daran, dass man mit der #009 auf Platz 15 der Startaufstellung steht. "Den Sprung in die Hyperpole hatten wir nicht unbedingt erwartet", erklärte Pilot Marco Sörensen nach der Session.

Aston Martin hat sich mit seinem starken Le-Mans-Debüt selbst überrascht

Fotocredit: Getty Images

Ian James, Teamchef von The Heart of Racing (THOR), dem Einsatzteam von Aston Martin, äußerte sich gegenüber "Motorsport-Total.com" ähnlich: "Das hätte ich nie für möglich gehalten."
Beide betonten jedoch, dass die Platzierung gerechtfertigt sei. Sörensen ist überzeugt, dass das Ergebnis auch ohne externe Unterstützung erreicht worden wäre: "Ehrlich gesagt bin ich überzeugt, dass wir es auch ohne die Disqualifikation des Porsche #6 geschafft hätten - wenn ich in der entscheidenden Runde mit dem zweiten Reifensatz eine freie Bahn gehabt hätte."
Der Verkehr auf der Strecke beeinflusste die Qualifikationszeiten erheblich. "Ich war zu diesem Zeitpunkt richtig im Flow. Bis dahin war ich vier Zehntel schneller", beschrieb Sörensen den kritischen Moment.
In der vierten Kurve wurde er von mehreren langsameren Fahrzeugen ausgebremst, was ihn wertvolle Zeit kostete. James bestätigte: "Marco wurde ein paar Mal aufgehalten, als wir am letzten Eck zwei oder drei Zehntel schneller waren. Das Tempo des Autos hatte die Hyperpole also auf jeden Fall verdient."

Le Mans als technische Herausforderung

Der Circuit de la Sarthe stellt spezielle Anforderungen an Fahrer und Material. "Le Mans ist in dieser Hinsicht eine fantastische Strecke - man kann unglaublich viel Rundenzeit gewinnen, einfach indem man anders denkt und fährt", erklärte Sörensen. Die langen Geraden, harten Bremszonen und Spurrillen erfordern ein anderes Fahren als auf anderen Rennstrecken.
Für den 34-Jährigen markierte die Qualifikation einen wichtigen Fortschritt: "Am Mittwoch war es das erste Mal in diesem Auto, wo ich wirklich dachte: Okay, jetzt vertraue ich dem Wagen. Es war das erste Mal, wo ich den Höhepunkt der Reifen richtig gespürt habe."
Das Aston-Martin-Team befindet sich im ersten Jahr in der Hypercar-Klasse, während die Konkurrenz bereits im dritten Jahr Erfahrungen sammelt.
"Dass wir jetzt schon so nah dran sind, ist mehr, als ich erwartet hätte", erklärte James. Sörensen räumte ein: "Die anderen Teams haben über die Jahre in so vielen Bereichen Fortschritte gemacht, während wir noch dabei sind zu lernen."

Fokus auf Elektronik

Seit Saisonbeginn konzentrierte sich Aston Martin auf die Weiterentwicklung der Elektronik. "Der größte Fortschritt war definitiv in diesem Bereich. Motorsteuerung, Traktionskontrolle, elektronische Bremsen - darauf lag unser Fokus", führte James aus. Die Stärken des Aston Martin liegen in schnellen Kurven, dem allgemeinen Fahrverhalten und auf glatten Streckenoberflächen.
Bei den Long Runs zeigte Aston Martin konkurrenzfähige Zeiten. James berichtete von einer 3:27er-Runde von Sörensen, die mit der Pace der etablierten Konkurrenz mithalten konnte.
Schon nach dem ersten Auftritt in Katar zeigte sich das Team um James zufrieden mit der eigenen Performance. "Dort waren wir schon sehr stark, das war ein guter Auftakt", betonte der Brite.
Doch die Euphorie bekam danach einen kleinen Dämpfer: "Dann kam Imola, das war ein kleiner Rückschlag." Auf die Frage, ob das Team damit gerechnet habe oder ob vor allem die Streckencharakteristik ausschlaggebend war, erklärte der 50-Jährige: "Ja, wir wussten, dass Imola für uns schwierig werden würde, einfach weil die Strecke so uneben und eng ist."

James blickt voraus

Sein Blick richtete sich auch auf die kommenden Rennen nach Le Mans. "Wir freuen uns auf Brasilien und den Rest der Saison. Besonders Fuji, das ist eine sehr glatte Strecke, das sollte unserem Auto liegen." Gleichzeitig blieb James realistisch: "Wir wissen aber auch, dass es Strecken gibt, die uns weniger entgegenkommen."
Das parallele IMSA-Programm in Nordamerika beschleunige die Entwicklung. "Wir arbeiten als ein Team, die Ingenieure besprechen sich nach jedem Event", beschrieb James die Zusammenarbeit. Der Austausch von technischen Daten und Set-ups zwischen beiden Programmen habe das gesamte Projekt vorangebracht.
Für das Rennen am Samstag formulierten James und Sörensen zurückhaltende Erwartungen. "Zunächst möchte ich ein sauberes Rennen ohne technische Probleme. Wenn wir das schaffen, ist schon viel gewonnen", sagte Sörensen. James ergänzte: "Wenn wir beide Autos ins Ziel bringen, wäre das schon ein riesiger Erfolg für das Programm."
Die Rennstrategie setze auf Stärken in der späteren Phase jedes Stints. "Wenn der Tank leerer wird, kommen wir vermutlich näher heran, als wenn wir vollgetankt sind", meinte Sörensen. Trotz des Qualifikationserfolgs blieb das Team realistisch.
"Wir werden auch im Renntrimm nicht das schnellste Auto sein - definitiv nicht", gab Sörensen zu. "Wir hinken den anderen Herstellern zwei Jahre hinterher. Sie haben alle Daten gesammelt, während wir noch dabei sind, unsere Erfahrungen zu machen."
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Quelle: Eurosport


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