Die neue Achse des FC Bayern München - mit David Alaba und Jérome Boateng

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Lattenschießen, Teamabend, Besuch beim Tennis: Ein paar der Aktionen des FC Bayern München in Doha fallen klar unter „Teambuilding“. Ganz nebenbei kristallisiert sich beim Herbstmeister aber auch eine neue Achse heraus. Mit einem siebten Anwärter, der bald schon gerne dazu gehören würde.

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Fotocredit: Eurosport

Die Regeln sind ganz einfach. Wer die Latte trifft, kriegt einen Punkt. Wer es schafft, den Ball so an die Latte zu schießen, dass er zurück springt und man ihn mit einem Kontakt ins Tor schießt, kriegt drei.
Die "Crossbar Challenge" spielen sie beim FC Bayern München mittlerweile fast jeden Tag. Mit einem harten Kern. Thomas Müller, Philipp Lahm, Tom Starke, Sebastian Rode und Joshua Kimmich sind fast immer dabei. Der Verlierer muss sich am Ende mit dem Hintern zu den Schützen auf die Torlinie stellen. Und die anderen halten drauf.
"Das ist lustig, macht Spaß", sagt Philipp Lahm zum Jux nach Trainingsschluss. "Wichtig ist nur, dass man möglichst schnell Punkte sammelt, um am Ende nicht zum sogenannten Arschbolzen im Tor zu stehen."
Am Freitagabend hatte es den Kapitän selbst erwischt, nach einer Aufholjagd von Starke. "Eins der größten Comebacks der Sportgeschichte!", tönte Müller, der in Doha aber wie Starke und Lahm auch schon mal brennende Pobacken geschossen bekam.

Spaß muss sein: Wir sind ein Team!

Der Spaß kommt wahrlich nicht zu kurz im Trainingslager der Bayern. Ablenkung muss sein, damit kein Lagerkoller aufkommt. Aber die übergeordnete Message ist auch: Wir sind ein Team!
Am Freitagabend ging’s für die Spieler geschlossen vom Al-Shiokh-Hafen mit Booten zur vor Doha gelegenen "Banana Island" ins Anantara Resort & Spa. Insel und Hotelanlage – wie fast alles in Doha – künstlich, aber schön. Die Nacht kostet 1350 Euro. Hier verbrachten sie ihren Teamabend abgeschirmt, schwörten sich auf die Rückrunde ein.
Am trainingsfreien Samstag machten sich dagegen 17 Profis, angeführt von Manuel Neuer, Mario Götze, Robert Lewandowski und allen Spaniern, gemeinsam zum recht einseitigen Finale der Doha Open zwischen Novak Djokovic und Rafael Nadal (6:1, 6:2) auf. Spitzensport trifft Spitzensport.
Die wichtigen Sachen werden derweil auf den Pritschen der Physiotherapeuten besprochen. "Das ist immer der Treffpunkt im Trainingslager. Da sind immer viele Leute, da ist immer Unterhaltung", sagt Lahm.

Sechs Mann sind die neue Bayern-Achse

In Doha wird aber auch weiter an den Hierarchien im Team gefeilt. Nach dem Abgang von Bastian Schweinsteiger im Sommer galt es schließlich ein Vakuum im Mannschaftsrat zu füllen – das hat Thomas Müller übernommen (Eurosport berichtete).
"Er übernimmt gerne Verantwortung. Er ist jetzt noch mehr gefordert, die Truppe auf seine Art zu führen. Das macht er vorbildlich", sagt Kapitän Lahm über Müller. Nimmt man noch Vize-Kapitän Manuel Neuer dazu, hat man die oberste Führungsebene im Team. Das Wort des Weltmeister-Trios hat in der Kabine das meiste Gewicht.
Aufs Spielfeld übersetzt, kristallisiert sich diese Saison jedoch eine neue Achse heraus: Neuer im Tor, Jérôme Boateng in der Abwehr, Lahm und David Alaba zwischen Abwehr und Mittelfeld, Müller zwischen Mittelfeld und Angriff, Lewandowski im Sturm. Nicht zufällig haben fünf dieser sechs Spieler diese Saison die meiste Einsatzzeit angehäuft. Und der sechste, Alaba, wäre sogar ganz vorne gewesen, hätte er sich nicht auf Schalke verletzt.

Alaba und Boateng steigen auf

"Wir haben versucht, eine hierarchische Ausrichtung zu schaffen. Boateng und Alaba sind jetzt auch Bestandteil der internen Führung", sagt Sport-Vorstand Matthias Sammer, gewiss ein Liebhaber klarer Strukturen.
Dabei macht es gar nichts, dass Boateng kein Lautsprecher ist. "Jérôme meldet sich zu Wort, wenn’s sein muss. Manchmal muss er auch gar nichts sagen. Wenn er sauer ist, dann sieht man es ihm an", sagt Sammer.
Alaba hat sich seine Stellung dagegen mit konstant starken Leistungen, seiner coolen, pragmatischen Art und einer Prise Wiener Humor verdient. Als Linksverteidiger ist er mittlerweile das Nonplusultra im Weltfußball, nicht von ungefähr fuhr er bei der Wahl zur UEFA-Elf des Jahres die zweitmeisten Publikumsstimmen ein – einzig von Lionel Messi überboten.

Langfristige Verträge – Alaba fehlt noch

Wichtig für die langfristige Planung: Neuer (2019), Lewandowski (2019), Boateng (2021) und Müller (2021) haben alle noch mindestens dreieinhalb Jahre Vertrag. Lahm will dagegen 2018 mit 34 seine Karriere beenden.
Nur Alabas (2018) Unterschrift unter einem neuen Vertrag fehlt noch. Der Österreicher sieht sich dummerweise langfristig nicht als Linksverteidiger, ihn zieht’s ins Zentrum des Geschehens, wo er noch wichtiger fürs Spiel sein will.
Das wird Carlo Ancelotti ab Sommer zu klären haben – auch, wen er im so wichtigen Zentrum des Spielfeldes als zentrale Figur haben will; den ewig jungen Xabi Alonso (34) oder vielleicht doch schon dessen hypertalentierten Kronprinzen Joshua Kimmich (20)?

Mario Götze wäre gerne wichtiger

Ein anderer wäre derweil gerne schon Teil der neuen Achse, ist es aber nicht: Mario Götze. Nach zweieinhalb Jahren beim FC Bayern München ist der 23-Jährige aufgrund vieler Verletzungen immer noch ein uneingelöstes Versprechen mit Drang zu mehr Wichtigkeit. "Ich möchte Verantwortung übernehmen", sagte er am Samstag. Und:
Hier ist in erster Linie Götze selbst und ab Sommer dann Ancelotti gefragt – wenn er ihn überhaupt halten will.
Ein Tipp an Götze: Schafkopfen lernen! Denn die drei Granden Lahm, Neuer und Müller suchen derzeit noch einen vierten Mann.
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