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Anschlag auf Borussia Dortmund: Polizei fasst Tatverdächtigen

Anschlag auf Borussia Dortmund: Polizei fasst Tatverdächtigen
Von SID

21/04/2017 um 10:14

Zehn Tage nach dem Bombenattentat auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen. Dies teilte die Bundesanwaltschaft mit. Dabei handelt es sich um den 28-jährigen deutschen und russischen Staatsangehörigen Sergej W.. Spezialkräfte der GSG 9 haben den mutmaßlichen Täter am frühen Freitagmorgen im Raum Tübingen gefasst.

Der Beschuldigte steht in dem Verdacht, am 11. April 2017 den Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verübt zu haben. Ihm wird versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt.

"Insgesamt sind an den Ermittlungen mehrere hundert Beamte des Bundeskriminalamtes sowie der nordrhein-westfälischen und der baden-württembergischen Polizei beteiligt", heißt es in einem Schreiben des Generalbundesanwalts beim Bundesgerichtshof (GBA), der um 12:30 Uhr über den aktuellen Stand der Ermittlungen informieren wird.

Borussia dankt den Behörden

Der BVB dankte den ermittelnden Behörden. "Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft, des Bundeskriminalamts und der nordrhein-westfälischen Polizei wurden sehr intensiv und mit Hochdruck geführt. Dafür bedanken wir uns in aller Form und hoffen, dass in dem Tatverdächtigen nun der Verantwortliche für den niederträchtigen Anschlag auf unsere Spieler und Staff-Mitglieder gefasst werden konnte", hieß es in einer Stellungnahme von Klub-Boss Hans-Joachim Watzke und Präsident Reinhard Rauball.

Marcel Schmelzer äußerte im Namen der Mannschaft die Hoffnung, "dass wir die tatsächlichen Hintergründe des Anschlags erfahren. Für alle, die im Bus saßen, wären diese Informationen wichtig, denn sie würden den Verarbeitungsprozess deutlich erleichtern".

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger nannte die Festnahme auf Twitter eine "gute Nachricht für den Fußball dank intensiver Ermittlungen von GBA, BKA und NRW-Polizei".

Tatmotiv Habgier?

Das Motiv des Verdächtigen soll nach Berichten von "Spiegel online" und "Bild"-Zeitung Habgier gewesen sein. Mit dem Anschlag habe er einen Kurssturz der BVB-Aktie erzwingen wollen. Noch am Tag des Anschlags erwarb er 15.000 Verkaufsoptionen - sogenannte Put-Optionen - in Bezug auf das Dortmunder Wertpapier und hätte bei starken Verlusten der Aktie an der Börse einen Gewinn von bis zu 3,9 Millionen Euro erzielen können.

"Der Beschuldigte war wie die Mannschaft von Borussia Dortmund auch Gast des Hotels L'Arrivée. Er hatte dort bereits am 9. April 2017 ein Zimmer im Dachgeschoss des Hotels mit Blick auf den späteren Anschlagsort bezogen", erklärte der GBA.

Tatverdächtiger wohnte im Mannschaftshotel

Der Tatverdächtige habe "bereits Mitte März ein Zimmer für den Zeitraum vom 9. bis 13. April 2017 sowie für den Zeitraum vom 16. bis 20. April 2017 gebucht". Die Termine umfassten beide Begegnungen zwischen Borussia Dortmund und AS Monaco. Zum Zeitpunkt der Buchung stand allerdings noch nicht fest, an welchem der beiden Termine das Heimspiel im Dortmunder Signal Iduna Park stattfinden wird.

Die drei Sprengsätze waren der Mitteilung zufolge über eine Länge von 12 Metern in einer Hecke entlang der Fahrstrecke des Mannschaftsbusses angebracht. "Die Sprengwirkung der Sprengsätze war auf den Bus ausgerichtet. Die Sprengsätze wurden zeitlich optimal gezündet. Der vordere und der hintere Sprengsatz waren in Bodennähe platziert. Der Mittlere befand sich in einer Höhe von etwa einem Meter. Damit war er zu hoch angebracht, um seine Wirkung voll entfalten zu können", heißt es in der GBA-Mitteilung.

Sprengsätze wohl per Funk gezündet

Die Sprengsätze selbst waren mit 70 Millimeter langen Metallstiften bestückt. In der Kopfstütze des zweiten Sitzes in der hinteren Reihe wurde einer der in den Sprengsätzen verbauten Metallstifte aufgefunden, ein weiterer wurde noch in einer Entfernung von 250 Meter aufgefunden. Die Zündung sei nach derzeitigem Erkenntnisstand "für jeden Sprengsatz separat über eine funkausgelöste elektrische Schaltung" erfolgt. Zur Art des verwendeten Sprengstoffs liegen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor.

Bei dem Attentat vor dem Viertelfinalhinspiel der Champions League gegen AS Monaco war der BVB-Profi Marc Bartra am Handgelenk und Arm verletzt worden; der Spanier musste operiert werden. Ein Polizist, der den Bus auf dem Motorrad begleitete, erlitt ein Knalltrauma und einen Schock.

Die Begegnung war aufgrund der Vorkommnisse um einen Tag verlegt worden, die Westfalen unterlagen 2:3. Im Rückspiel in Monaco verlor Dortmund am vergangenen Mittwoch mit 1:3 und schied aus der Champions League aus.

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