Brexit: 7 Konsequenzen für die Premier League nach dem EU-Ausstieg

Der Brexit kommt, der Austritt von Großbritannien aus der Europäischen Union (EU) ist nicht mehr aufzuhalten. Die Premier League wird nicht verschont bleiben. Die scheinbar attraktivste Fußball-Liga der Welt wird sich verändern. Eine Einschätzung der Konsequenzen, Probleme, Meinungen.

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"Ich glaube, die Welt wird nur überleben, wenn wir versuchen, alle zusammen zu arbeiten. Das ist das, was ich glaube", hat Arsenal-Coach Arsène Wenger vor dem Referendum gesagt.
Jetzt ist es beschlossen. Die Mehrheit der Briten hat sich für einen Austritt aus der EU ausgesprochen.
Die Ausstiegsverhandlungen werden nun vielleicht Jahre andauern, der finale Ausstieg dann 2019 oder 2020 vollzogen.
Manche Folgen werden bis dahin kaum zu spüren sein, andere hingegen schon. Hier ist unsere Einschätzung zur unsicheren Zukunft des Fußballs im "Mutterland".

1. Transfers und Gehalt

Fußballer werden mehr kosten für britische Vereine und weniger für "Übersee"-Klubs: Der Wert des britischen Pfundes fällt dramatisch, effektiv werden britische Vereine einen Zehn-Prozent-Bonus zahlen müssen, damit sie bei Transfer- und Gehaltszahlungen mit Vereinen aus aller Welt mithalten können.
Die großen Klubs können sich das wohl leisten, doch die kleineren werden die Konsequenzen brutal zu spüren bekommen.

2. Probleme für Jugend-Akademien

Momentan sind Spieler glücklich, wenn sie nach England kommen. Das Umfeld stimmt, das Leben in Metropolen wie London und Manchester ist angenehm. Das wird sich ändern. Für Vereine wird es grundsätzlich schwieriger, junge Talente von einem Wechsel auf die Insel zu überzeugen.

3. Zurück zum FIFA-Gesetz: Wechsel erst ab 18 Jahren

Mit den jetzigen Bestimmungen ist es für junge Spieler sehr einfach, nach England zu kommen. Doch wie viele werden noch folgen? Mit Mitte 20 ist ein Wechsel nicht schwer, doch für das Umfeld von Teenagern sind teilweise noch die Eltern und Geschwister wichtig. Diese würden nun schwieriger Arbeit finden oder bekämen erst gar keine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Viele Barrieren verbauen den Weg.
Und noch etwas wiegt schwer: Spieler können von britischen Vereinen künftig erst mit 18 oder 19 Jahren verpflichtet werden. Die FIFA verbietet Transfers von jüngeren Spielern. In der europäischen Gesetzgebung ist dieses wiederum erlaubt. Britische Klubs werden von diesem Schlupfloch also nicht mehr profitieren.

4. Arbeitserlaubnis als Knackpunkt

In der EU gibt es nahezu keine Grenzen für einen Wohnortwechsel und Beschäftigungen. Das hat es englischen Vereinen bei der Suche nach Talenten sehr einfach gemacht.
Wenn der Brexit irgendwann komplett durch ist, müssen ausländische Spieler denselben Regeln eines normalen Arbeitnehmers folgen und haben dadurch die klassischen Probleme als Nicht-EU-Ausländer. Sie brauchen unter anderem eine Arbeitserlaubnis. Diese zu erlangen, wird strenger gehandhabt. Klauseln für außergewöhnliches Talent wie es sie bisher gab, werden wohl schon bald der Vergangenheit angehören.
Würde Cristiano Ronaldo, der einst als Teenager zu ManUnited kam, in Zukunft wieder ohne Probleme eine Arbeitserlaubnis bekommen? Vielleicht ja, vielleicht nein. Allein weil der Fakt, dass daran Zweifel bestehen, existiert, wird der Spieler sich eher für ein Angebot eines Konkurrenten entscheiden.

5. Alles wird teurer

Noch sind nicht alle Folgen absehbar, doch eine Rezession scheint nicht unwahrscheinlich. Allein das Reisen zu den Spielen wird kostspieliger. Der Benzinpreis basiert auf dem Dollarkurs, Schätzungen zufolge wird Treibstoff bald mindestens zehn Prozent teurer. Erfahrungswerte zeigen, dass solch ein Effekt automatisch zu einem Rückgang des allgemeinen Interesses führt.
Die Existenz der Premier League ist durch den Mega-TV-Vertrag mit Geldern gesichert. Die kleineren Vereine werden straucheln und viele letztlich wohl Insolvenz anmelden müssen.

6. Schottland massiv, Nordirland kaum betroffen

Auch Schottland ist massiv betroffen. Keiner (!) der derzeit 53 "Europäer" hätte dort einen Arbeitsvertrag bekommen. Nordirland ist kaum involviert, gleiches gilt für Wales. In Schottland allerdings könnte sich die Lage verändern, wenn es bei einer erneuten Volksbefragung zu einer Mehrheit für den Austritt aus dem Vereinigten Königreich käme. Beim Brexit-Votum hatte sich eine klare Mehrheit von 62 Prozent für die EU entschieden.

7. Ein kleines Plus

Englische Vereine werden sich nicht mehr nur auf die Stars aus dem Ausland verlassen können. Die Briten werden sich wieder mehr auf ihre eigenen Kräfte berufen müssen.
Sol Campbell, langjähriger Verteidiger beim FC Arsenal, beispielsweise, unterstützte den "Brexit", weil er glaubt, dass dieser dabei hilft, junge britische Talente zu fördern.
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