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Olympia 2024: Bahnrad-Star Emma Hinze im Exklusiv-Interview über Vorbereitung, Ziele und Erinnerungen an Paris
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Update 25/07/2024 um 12:37 GMT+2 Uhr
Bahnrad-Star Emma Hinze hat bereits zahlreiche EM- und WM-Medaillen im Trophäenschrank, in Tokio 2021 kam Silber im Team-Sprint dazu. In Paris soll der Traum vom Olympia-Gold endlich wahr werden. Im Exklusiv-Interview mit Eurosport spricht sie über die spezielle Vorbereitung auf das große Highlight, gewährt private Einblicke und erzählt von einer besonderen Erinnerung an das Pariser Publikum.
Goldsammlerin Hinze exklusiv: "Diese drei Dinge dürfen nie fehlen"
Quelle: Eurosport
Die Wochen und Monate vor den Spielen seien völlig anders als auf Welt- oder Europameisterschaften, erzählt Hinze im Interview mit Eurosport-Reporter Matthias Sandten. "Alle sind engagierter, Ausrüstung und Training werden erneuert und angepasst."
Nach der Silbermedaille vor drei Jahren will sie in Paris nach Gold greifen - im Zeitfahren und im Sprint sowie im Teamsprint an der Seite von Pauline Grabosch und Lea Sophie Friedrich.
Die Cottbusserin reist in Topform an: "Ich kann gesund trainieren, das ist wichtig, weil ich genau das machen kann, was im Plan steht. Ich muss keine Rücksicht nehmen oder umplanen. Das macht einen auf dem Weg zum Saisonhöhepunkt natürlich stärker."
Frau Hinze, was verbinden Sie ganz persönlich mit den Olympischen Spielen?
Emma Hinze: Die Olympischen Spiele sind für mich das größte Event, an dem ich teilnehmen kann, mit den meisten Emotionen, vielleicht auch mit den meisten Überraschungen. Es ist nicht nur für mich als Sportlerin von größter Bedeutung, sondern auch in der Gesellschaft. Unsere Sportart bekommt auch viel mehr Aufmerksamkeit als in den vier Jahren davor und danach. Wenn man dort eine Medaille gewinnt, dann ist das wahnsinnig schön, emotional und die größte Leistung, die ich mir vorstellen kann.
Ist das Krafttraining im Vergleich zu den vergangenen Jahren in einer neuen Intensität hinzugekommen?
Hinze: Es ist anders als früher. Da habe ich nicht so lange an einer Übung gearbeitet und bin nicht so dauerhaft ans Maximum gegangen. Darauf haben wir in den letzten Wochen hingearbeitet. Ich mache auch viel mehr Sätze an einer Übung als früher. Die Konzentration liegt komplett auf den Beinen, kein Oberkörper-Training.
Vor drei Jahren hat mich das Event total überrumpelt. jetzt weiß ich, was mich erwartet. Jetzt kann ich anders mit Druck und erwartungen umgehen.
Ist die Vorbereitung auf Paris anders als es die auf Tokio war?
Hinze: Es gibt zum Glück viel mehr Wettkämpfe. Auch das Krafttraining ist intensiver in Bezug auf die Schnellkraft. Die Abläufe in den Wettkämpfen sind das beste Training. Sprintläufe und Keirin zu fahren, das ist für mich am effektivsten.
Was macht diesen Trainingseffekt im Wettkampf genau aus?
Hinze: Sobald ich einen Gegner oder eine Gegnerin habe, kann ich mich voll darauf konzentrieren, dann denke ich nicht daran, ob die Beine schwer sind oder sowas. Dann will ich einfach als erste ins Ziel kommen. Ich kann dann viel mehr mobilisieren, als es mir im Training möglich ist. Ich will unbedingt gewinnen und mir ist egal, ob die Beine wehtun.
Können Sie das auch im Training erreichen?
Hinze: Wir haben eine Übung über 500 Meter, da fährt man so vor sich hin und versucht schneller zu werden. Das ist ein bisschen öde, aber sobald wir das zu zweit machen oder irgendwie spannender gestalten, dann ist es auch für meinen Kopf etwas ganz anderes. Ich kann im Training schon in einen Modus kommen und dann ans Maximum gehen. So würde ich mich im Alltag natürlich nie verhalten, da bin ich ganz anders.
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Emma Hinze zählt zu den besten Bahnsprinterinnen der Welt.
Fotocredit: Getty Images
Wodurch ist die Emma Hinze von heute besser als die von vor drei Jahren?
Hinze: Ich kann gesund trainieren, das ist wichtig, weil ich genau das machen kann, was im Plan steht. Ich muss keine Rücksicht nehmen oder umplanen. Das macht einen auf dem Weg zum Saisonhöhepunkt natürlich stärker. Vor drei Jahren hat mich das Event total überrumpelt. Jetzt weiß ich, was mich erwartet. Ich habe an mir gearbeitet und kann anders mit Druck und Erwartungen umgehen. Ich habe gelernt, dass ich als Mensch genug bin, auch wenn die Resultate nicht so sind wie ich sie mir vorstelle. Das war früher nicht ganz so, da habe ich die Dinge persönlicher genommen.
Inwiefern unterscheidet sich die Vorbereitung auf Olympia von der auf andere internationale Events?
Hinze: Es ist der Höhepunkt überhaupt. Egal, was in diesem Jahr noch ist, ich will, dass im August einfach alles stimmt. Ich warte seit drei Jahren auf dieses Event, auf den Tag, dass es endlich losgeht. Man merkt es auch am Drumherum. Der Verband engagiert sich anders, Trainer arbeiten anders. Man bekommt andere Zeitfahranzüge, es gibt nochmal eine Anpassung. Es gibt neue Zeitfahrräder, man erhält Unterstützung bei der Ernährung, was sonst nicht unbedingt der Fall ist. Da mussten wir uns zuletzt viel selbst kümmern.
Das Publikum in Paris war vor zwei Jahren so laut und rücksichtslos, dass ich meinen eigenen Countdown von der Startmaschine nicht gehört habe.
Haben Sie einen persönlichen Bezug zu Paris oder zu Frankreich?
Hinze: Früher war ich mit meinen Eltern oft in Frankreich im Urlaub, ich habe es auch in der Schule etwas französisch gelernt. Vor zwei Jahren bei der WM in Paris hatte ich ein unschönes Erlebnis. Bei den 500 Metern fuhr eine Französin vor mir eine sehr schnelle Zeit. Das Publikum war so laut und rücksichtslos, dass ich meinen eigenen Countdown von der Startmaschine nicht gehört habe. Das habe ich mir gemerkt, dass so etwas passieren kann. Das war eine gute Generalprobe.
Denken Sie, dass sich so etwas wiederholen könnte?
Hinze: Ich kann es mir schon vorstellen, aber das Publikum wird internationaler sein. Einfach weil es Olympia ist und auch ich viel Freunde und Familie dabeihaben werde. Bei der WM waren 90 Prozent des Publikums Franzosen – ich denke schon, dass das einen Unterschied macht. Aber es kann passieren.
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Emma Hinze, Pauline Grabosch und Lea Sophie Friedrich wurden schon Weltmeisterinnen im Teamsprint.
Fotocredit: Getty Images
Sie treten im Team-Sprint an, gemeinsam mit Lea Sophie Friedrich und Pauline Grabosch, was macht das für Sie aus?
Hinze: Wenn man im Teamsprint gewinnt, dann ist das ein idealer Auftakt. Dann merken wir, dass wir alle drei so schnell waren, dass wir auch insgesamt die schnellsten waren und diesem Moment teilen können. Im Einzel mag ich dagegen, dass es nur auf mich und meine Leistung ankommt.
Wie harmonieren Sie mit Ihren Teamkolleginnen?
Hinze: Wir sind wirklich alle komplett verschieden. Aber es funktioniert – vielleicht auch deswegen – sehr gut zusammen. Jede bringt etwas ein ins Team. Lea ist witzig, macht mal einen Spaß, aber vergisst eben auch gerne mal etwas. Pauline denkt sehr viel nach und nimmt sich viel zu Herzen. Sie hat alles dabei und man kann sich Sachen leihen, wenn man sie selbst vergessen hat. Und ich halte das vielleicht ein bisschen zusammen. Ich bin sehr direkt und versuche uns dadurch weiterzubringen. Das ist nicht immer einfach, aber die beiden können damit gut umgehen mittlerweile. Nur wenn wir ehrlich miteinander sind, können wir auch weiterkommen. In dieser Rolle sehe ich mich.
Schätzen die anderen das an Ihnen?
Hinze: Ich hoffe doch! Prinzipiell ja, manchmal würde ich mir wünschen, dass sie mir das auch etwas öfter zeigen oder sagen würden. Aber wir wissen alle, was wir aneinander haben und könnten nicht so gut als Team zusammenarbeiten. Im Wettkampf spürt man die besondere Energie, die wir miteinander haben. Dann wissen wir auch, dass wir uns aufeinander verlassen können und jede unbedingt gewinnen will. Das gibt schon vorher richtig Feuer für das Rennen.
Zwischen zwei Läufen hat man ungefähr zehn Minuten Pause und versucht einfach nur klarzukommen. Oft steht man dann mit einem Puls von 150 oder 160 wieder am Start.
Was dürfen Sie nicht vergessen nach Paris mitzunehmen?
Hinze: Ich brauche auf jeden Fall Sitzcreme, sonst wird es eine schmerzhafte Woche. Ich brauche unbedingt Kopfhörer, Wettkampfnahrung und Sicherheitsnadeln für die Startnummer – und meine Stricksachen.
Was passiert im Wettkampf auf der Bahn, was wenigen Leuten auffällt?
Hinze: Es schmerzt am meisten, wenn man von der Bahn runter ist, ungefähr fünf Minuten später. Während man ausfährt, tut es richtig weh. Dann hat man zwischen zwei Läufen ungefähr zehn Minuten Pause und versucht einfach nur klarzukommen. Oft steht man dann mit einem Puls von 150 oder 160 wieder am Start. Auf der anderen Seite sitzen wir auch sehr viel herum und warten, aber man muss die Spannung aufrecht halten. Das ist auch eine schwierige Balance. Oft enden die Wettkämpfe spät. Bis wir dann im Hotel sind ist es oft nach Mitternacht.
Welche drei anderen Sportarten würdest du dir am liebsten anschauen?
Hinze: Turnen mit Simone Biles, die würde ich sehr gerne sehen. Außerdem Beachvolleyball, das finde ich richtig cool und Leichtathletik, vor allem die Sprintdisziplinen.
Vielen Dank für das Gespräch, Frau Hinze!
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