Bötticher ist damit aktuell Zweiter in der Gesamtwertung der Sprinter, die im Keirin und Sprint Punkte für das Spitzenreitertrikot sammeln. Nur vier Zähler trennen den Deutschen im Klassement vom Niederländer Harrie Lavreysen und seine Ausgangsposition möchte er unbedingt verteidigen.
"Das war ein super Einstand in so eine Premiere wie die Champions League mit einer solchen Fernseh-Präsenz", freut sich Bötticher im Exklusiv-Interview mit Eurosport über den Coup gegen den amtierenden Dreifach-Weltmeister. "Ich hoffe, ich kann meine Form bis zum Ende konservieren", blickt er gespannt auf die vier noch anstehenden Events bis zum 11. Dezember in Tel Aviv voraus - eine besondere Herausforderung in einer langen Saison mit Höhepunkten wie Olympia, WM und EM.
Der Auftakt der neu geschaffenen UCI Track Champions League war ein echtes Highlight für Bötticher: "Definitiv eine sehr coole Veranstaltung", schwärmt der Chemnitzer, "mich hat zum Beispiel die Lasershow direkt am Anfang begeistert, das war einfach nochmal eine andere Liga - gerade auch für die Zuschauer am Fernseher." Und auch deren Rückmeldungen fielen ähnlich aus.
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"Das Feedback bei allen, die wir danach gefragt haben, war sehr, sehr positiv. Das Event macht richtig was her, weil die Aufmachung einfach ganz anders war als alles, was wir davor hatten", berichtet Bötticher.

Bötticher gesteht: "Das tut schon ganz schön weh"

Die große Show dann auch sportlich zu krönen gelang dem Sprinter perfekt, als er die auf dem Papier favorisierten Oranje-Sprinter Jeffrey Hoogland und Lavreysen im Keirin schlug.

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"Ich habe schon gemerkt, dass die Niederländer nicht so frisch aussahen. Deshalb dachte ich, dass da was klappen kann, wenn ich den Lauf gut treffe", schildert er die Rennen in Mallorca: "Der Vorlauf lief schon top und ich bin dort trotz der kurzen Pause bis zum Finale "all in" gegangen. Im Finale hatte ich zwar eine richtig schlechte Nummer weit hinten, aber dann hat das ganz gut geklappt und als es in die letzte Runde ging und ich Lavreysen weiter nur hinter mir gesehen habe, wusste ich: das Ding gewinne ich!"
Ein Sieg, der sich für die Gesamtwertung als richtig wertvoll erwies: "Mein Ziel vor Mallorca war es, in der Gesamtwertung die Top fünf anzupeilen. Also ging's darum, im Sprint eine Runde weiter zu kommen, dann ist man da schon mal unter den sechs Besten. Und ich wusste, dass im Keirin die Chancen größer sind." Mit 75 km/h sorgte er für den Topspeed in den Rennen im Velodrom von Mallorca.
Allerdings ist das eng getaktete Format auch eine echte Herausforderung für die Fahrer. "Es war ein hartes Programm, ich konnte ja noch glücklich sein, dass ich keinen dritten Sprintlauf fahren musste - wie etwa Lavreysen: Da ist der Zeitplan dann wirklich straff und das tut schon ganz schön weh!"

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Gesamtklassement: "Da muss man rechnen können"

Im Kampf um die Gesamtwertung ist jetzt neben dem Körper auch der Kopf gefragt: "Das taktische Fahren auf Platzierungen und Punkte bei bestmöglicher Einteilung der Kräfte wird jetzt von Event zu Event immer wichtiger werden und es zusätzlich spannend machen. Da kommt es darauf an, ein bisschen rechnen zu können und ein Rennen auch mal etwas anders anzugehen", betont Bötticher.
Doch Siege locken ihn weiter: "Ich bin Rennfahrer genug, um zu sagen: Ich suche immer meine Chance und gehe nicht nur an den Start, um Zweiter oder Dritter zu werden. Das Ziel ist es, nach dem starken Auftakt jetzt dran zu bleiben."

Stefan Bötticher - UCI Track Champions League 2021

Fotocredit: SWPix

Champions League: "Weihnachtsgeld" winkt

Ein Highlight der UCI Track Champions League sind die Preisgelder, insbesondere in der Gesamtwertung. Ein lockendes "Weihnachtsgeld" bei der Abrechnung Mitte Dezember. Hat Bötticher schon einen Wunsch, den er sich damit erfüllen würde?
"Ich bin recht bodenständig und werde das wahrscheinlich in meine Altersvorsorge investieren. Ich bin da nicht der Typ, der sich da gleich ein Auto kauft", verrät er und sieht viele positive Effekte der neuen Rennserie auch über die reinen Prämien hinaus.
"Das ist schon ein großes Preisgeld, das da winkt. Was ich aber auch sehr gut finde, ist die massive TV-Präsenz - das macht für uns gegenüber Sponsoren viel aus und ist ein echter Gewinn. Dazu kommt das langfristige Engagement für die Champions League: Dass Eurosport da für acht Jahre investiert, ist ein riesiger Schritt, der uns Rückhalt gibt!"
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