Duell der Sprint-Giganten: Harrie Lavreysen mit Heimvorteil gegen Matthew Richardson und das bessere Momentum

Die UCI Track Champions League startet am Freitag in ihr zweites Wochenende und den ersten der zwei "Double Header" dieser Saison. In Apeldoorn, wo die Serie zum ersten Mal Station macht, steht vor allem das Duell der Sprint-Superstars Harrie Lavreysen und Matthew Richardson im Fokus. Der bisherige Sprint-Dominator wird daheim zum Herausforderer des durch Querelen angestachelten Auftaktsiegers.

Knallharte Duelle und schnelle Briten: Die Highlights aus Paris

Quelle: Eurosport

Harrie Lavreysen ist der erfolgreichste Fahrer in der noch jungen, dreijährigen Geschichte der UCI Track Champions League.
Zweimal gewann der Niederländer die Sprint League bereits und sicherte sich in den vergangenen drei Jahren in 14 Sprint-Turnieren der Champions League elf Mal den Sieg. Im Keirin gewann er bei ebenfalls 14 Events sechs Mal und wurde sechs Mal Zweiter.
Der 16-fache Weltmeister und fünffache Olympiasieger war die feste Größe der vergangenen drei Champions-League-Saisons und ging auch in diesem Jahr als Top-Favorit in die Serie. Allerdings warnte er schon vor dem ersten Event auf der Olympiabahn von Paris am vergangenen Wochenende:
"Es wird speziell dieses Jahr, denn es war viel los im Sommer und ich war sehr beschäftigt mit unterschiedlichen Dingen. Erst vor vier Wochen war die WM und danach hatte ich eine zweiwöchige Pause. Ich bin also noch nicht lange wieder im Training. Es wird interessant, wie meine Form ist."

Richardson bezwang Lavreysen in Paris gleich doppelt

In Saint-Quentin-en-Yvelines, wo die Olympiabahn von Paris genau genommen liegt, fuhr er trotzdem ein starkes Event und wurde sowohl im Sprint als auch im Keirin Zweiter. Seine beeindruckende Serie konnte also in gewisser Weise fortgesetzt werden.
Trotzdem aber führt ein anderer die Sprint League an und reist im hellblauen Führungstrikot zu Lavreysens erstem Champions-League-Heim-Event in Apeldoorn: Matthew Richardson. Der große Dauerrivale hat vor den Toren von Paris seine Chance genutzt und Lavreysen gleich zwei Mal bezwungen, was ihm nun bei der Maximalausbeute von 40 Punkten sechs Zähler Vorsprung auf den Niederländer beschert.
"Ihn zwei Mal an einem Abend zu schlagen, habe ich noch nie geschafft. Das war toll, vor allem im Sprint, wo ich ihn wenn dann bisher nur ganz knapp bezwingen konnte – diesmal deutlich."
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Richardson düpiert Olympiasieger: Lavreysen nur Zweiter im Sprint

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Richardsons Vorbereitung auf die Track Champions League war eine andere, als die von Lavreysen. Weil der 25-Jährige nach den Olympischen Spielen die Radsport-Nationalität wechselte und fortan nicht mehr für Australien, sondern für Großbritannien fährt, ließ er die Weltmeisterschaften aus, pausierte nach Olympia ausgiebiger und baute dann in Richtung Track Champions League für mehr als zwei Monate neu auf, was ihm einen Form-Vorteil gegenüber Lavreysen verschafft zu haben scheint.

Umzug und Querelen mit Ex-Verband beschäftigen Richardson

Allerdings merkte der in Großbritannien geborene und in Australien mit doppelter Staatsbürgerschaft aufgewachsene Richardson auch an: "Perfekt war die Vorbereitung trotzdem nicht, denn ich hatte durch den Wechsel viel zu tun. Ich habe ein paar Monate aus dem Koffer gelebt", sagte er. Erst in dieser Woche zwischen dem TCL-Start und dem Apeldoorn-Event richtete er seine neue Wohnung in England ein.
Hinzugekommen ist in dieser Woche auch noch eine Auseinandersetzung mit seinem ehemaligen Verband. AUS Cycling hat zu Wochenbeginn ein Statement veröffentlicht, indem man sich über das Verhalten von Richardson rund um den Nations-Wechsel beschwerte und dem 25-Jährigen außerdem vorwarf, er habe geistiges Eigentum des australischen Radsports mit nach Großbritannien genommen.
Konkret ist damit gemeint, dass er exklusives Material des australischen Sprint-Teams mit nach Manchester zu British Cycling gebracht habe, so dass man dort nun davon profitieren könne.
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Erst Sieg, dann Kotztüte: Richardson ringt Lavreysen nieder

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Richardson reagierte nun auf einer Pressekonferenz der Track Champions League auf die Vorwürfe. "Das Statement war ein kleiner Schock, damit hatte ich nicht gerechnet", gab er zu, betonte aber, dass es ihn nicht beunruhige und machte sich fast schon lächerlich darüber.
"Ich denke, sie wollten nur unbedingt noch das letzte Wort haben und nochmal etwas sagen. Ich bin vor drei Monaten gegangen und weiß nicht, woher die Verwirrung gekommen ist. Es war doch ziemlich klar, dass wenn ich den Rest meiner Karriere für Großbritannien fahren will, dass das gleichzeitig heißt, dass ich nicht mehr für Australien fahre. Es ist ein bisschen, als ob man seine Arbeitsstelle wechselt und sie drei Monate später kommen und sagen: Du bist gefeuert! Was soll ich da sagen? Ich bin doch schon weg. Für mich sind das nur Worte auf Papier, die wenig Gewicht haben."

"Nur Worte auf Papier, die wenig Gewicht haben"

Die Aussagen des australischen Verbands über mitgenommenes Material und geistiges Eigentum wies er ebenfalls entschieden zurück. "Ich weiß gar nicht, wo mein maßgeschneidertes Argon hergekommen sein soll. Es wäre toll gewesen, so eins zu haben, wenn es existiert hätte. Aber ich hatte leider einfach ein ganz normales, wie es jeder kaufen kann", so Richardson, und weiter:
"Natürlich hatte ich etwas dabei, als ich damals nach Europa gekommen bin (für die Olympia-Vorbereitung, Anm. d. Red.). Wenn ich da meinem Coach bei AUS Cycling gesagt hätte, dass ich ohne ein Rad rüberfliege, komplett ohne Material, hätte er mich sicher gefragt, was ich denn dann im Training machen wolle. Also hatte ich natürlich ein Rad und so, aber das habe ich alles längst zurückgegeben."
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UCI track Champions League: Promo of the 2024 season

Quelle: Eurosport

Im Statement von AUS Cycling wurde außerdem erwähnt, dass man von rechtlichen Schritten gegen Richardson absehe und darauf verzichte, eine zweijährige Sperre des Sprint-Stars anzustreben, die bei einem Nations-Wechsel laut Regularien möglich sei. Der australische Verband erklärte, dass er nach eingehender Beratung davon abgesehen habe, weil man wenig Aussichten sehe, damit vor Gericht durchzukommen. Richardson dazu:
"Das war nicht wirklich eine Erleichterung für mich, denn ich wusste schon lange, dass ich da nicht aufgehalten werden kann. Die UCI kann keine Regeln gegen mich durchsetzen, die ich nie unterschrieben habe. Auch das waren nur Worte auf Papier, die kein Gewicht haben. Und wie sie selbst ja auch zugegeben haben: Sie müssen sich ihre Klausel da nochmal anschauen und überarbeiten oder ganz löschen. Denn sie ist bedeutungslos."

Doppel-Events vor Heimpublikum für beide

Für ihn sei die Sache erledigt und so konzentriert sich Richardson voll auf das Duell der Sprint-Giganten an den kommenden zwei Wochenenden in Apeldoorn und London. Vier Sprint-Turniere und vier Keirin-Turniere liegen vor ihm und Lavreysen.
"Es dreht sich jetzt natürlich alles darum, wie Harrie vor dem Heimpublikum fahren wird – und ich erwarte nichts anderes als sein Bestes. Er wird voll da sein! Natürlich hat er Druck zuhause, genau wie ich, der ihn schlagen will vor seinen Fans. Aber es ist 50:50: Er hat jetzt zwei Abende vor Heimpublikum, ich nächste Woche. Wir haben also die gleichen Voraussetzungen und es wird sicher sehr spannend, eng und hart."
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Der Kalender der UCI Track Champions League 2024

Fotocredit: Eurosport

Das wird es mit Sicherheit: Durch die "Double Header" mit Rennen am Freitagabend und Samstagnachmittag sind die Regenerationszeiten in Apeldoorn und London sehr kurz. Die Frage, ob Lavreysen zum dritten oder Richardson nach 2022, als er vier der fünf Keirin-Turniere sowie einmal auch im Sprint gewann, zum zweiten Mal Champions-League-Sieger werden wird, scheint völlig offen.
Seit Richardson 2022 sein Track-Champions-League-Debüt gab, hat von 22 Rennen nur eines ein anderer Fahrer gewonnen, als diese beiden. Es steht 12:9 für Lavreysen, aber das Momentum in der Saison 2024 hat ganz klar der Brite auf seiner Seite.
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