Als Erik Lesser wieder zu Kräften gekommen war, wollte er nur noch weg. Minutenlang hatte er völlig ausgepumpt im Zielraum gelegen. Die Enttäuschung schien ihn zusätzlich zu lähmen. Nur mit Hilfe der Betreuer kam er wieder auf die Beine - und verschwand wortlos aus Pokljuka. Der frühere Medaillengarant der deutschen Biathleten erlebte in Slowenien eine niederschmetternde Katastrophen-WM.
Bei seinem persönlichen Tiefpunkt am Samstag zog Lesser als Startläufer auch seine Staffelkollegen in den Schlamassel. Die Medaillenchancen waren nach seinem unerklärlichen Einbruch dahin. Fast 52 Sekunden verlor der Thüringer auf der Schlussrunde, Läufer aus Bulgarien, Japan oder der Republik Moldau flogen an Lesser vorbei. "Eine wirkliche Erklärung habe ich nicht", sagte auch DSV-Arzt Jan Wüstenfeld ratlos.
Trost bekam Lesser von seinen Teamkollegen. Er habe schon "beim Einlaufen nicht gut ausgesehen. Er ist explodiert. Es ist natürlich bitter, dass es am Höhepunkt passiert. Das tut mir wahnsinnig leid für ihn", sagte Zimmerkollege Arnd Peiffer.
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Lesser war aber untröstlich. Mit hängendem Kopf verließ der 32-Jährige den Zielraum, in den Sozialen Medien schwieg er genauso wie vor den TV-Kameras. Hätte er überhaupt eine Erklärung für diese Horror-WM auf der slowenischen Hochebene gehabt? Schon an den Tagen zuvor war er hart mich sich ins Gericht gegangen.

Lesser: "Den anderen den Tag versaut"

Zum WM-Auftakt habe er in der Mixed Staffel "den drei anderen den Tag versaut", Platz sieben sei ein "Griff ins Klo" gewesen. Nach dem Debakel im Sprint als 66. habe er sich gefragt, "warum ich Teil der WM-Mannschaft bin". Der dreimalige Olympiamedaillengewinner sagte deutlich: "Ich schäme mich wirklich."
Auch die Denkpause nach dem verpassten Verfolger brachte dem früheren Verfolgungs-Weltmeister nicht den erhofften Umschwung. Im Gegenteil. In der Single-Mixed-Staffel habe er "den Haufen ins Klo gemacht, und die Franzi hat dann runtergespült". Statt der angepeilten Medaille mit Franziska Preuß wurde es wieder der enttäuschende siebte Platz.
Zum Abschluss das Fiasko in der Staffel. Er wisse ja, dass er es "eigentlich drauf habe", hatte Lesser nach den ersten Rennen gesagt. Das hatte er auch beim Saisonstart in Kontiolahti mit Platz drei im Einzel gezeigt. In Pokljuka passte jedoch nichts zusammen.

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In der Vergangenheit bewies Lesser häufig, dass er nach Rückschlägen stärker zurückkommt. Auch im vergangenen Winter erlebte er eine Saison zum Vergessen, nur um bei der WM in Antholz mit zwei Staffel-Medaillen nach Hause zu fahren. Und nun?
An den Rücktritt, den sein langjähriger Weggefährte Simon Schempp vollzogen hat, hatte Lesser gedacht, vor der Saison war er "nah dran am Karriereende", wie er dem SID verriet. Der Glaube an seine Comeback-Qualitäten ließ ihn weitermachen. Ob dieser Glaube ihn auch zu den Olympischen Spielen 2022 in Peking und zur Heim-WM 2023 in Oberhof trägt, bleibt abzuwarten. Äußern wollte er sich in Pokljuka nicht mehr dazu. Erik Lesser wollte nur noch nach Hause.
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(SID)

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