Deutsches Biathlon vor dem Umbruch: Was passiert nach den Rücktritten von Denise Herrmann-Wick und Mark Kirchner?

Neben Denise Herrmann-Wick tritt auch Männer-Bundestrainer Mark Kirchner ab. Damit steht nach einer komplizierten Saison in beiden deutschen Biathlon-Teams ein großer Umbruch bevor. Während bei den Damen vielversprechende und goldbehangene Talente aus dem Nachwuchs in den Weltcup stoßen, hofft man bei den Männern auf den Einfluss des neuen Trainer-Duos. Aber reicht dieser?

Denise Herrmann-Wick wird nach ihrem Karriereende verabschiedet

Fotocredit: Getty Images

Die Abschiedstränen von Trainer-Urgestein Mark Kirchner und Olympiasiegerin Denise Herrmann-Wick waren noch gar nicht getrocknet, da richteten sich die Blicke im deutschen Biathlon schon auf den bevorstehenden Umbruch.
Eine der neuen Hoffnungsträgerinnen zeigte schon mal heimlich, still und leise, wie die Zukunft aussehen könnte. Bis sie wieder eine Ausnahmefigur bejubeln können, müssen sich die erfolgsverwöhnten Fans aber wohl noch gedulden.
Am Tag der großen Goodbyes war etwa Hanna Kebinger trotz ihres hauchdünn verpassten ersten Weltcup-Podests nur eine Randfigur. Doch schon bald liegt auch auf ihr der Fokus. "Ich werde auch in Zukunft mit am Streckenrand stehen und das Team anfeuern", versprach Herrmann-Wick noch im Zielraum.
Die Unterstützung der langjährigen "Team-Mami" dürfte bei der Zeitenwende nach dem emotionalen Saisonfinale für den Deutschen Skiverband (DSV) förderlich sein. Neben Herrmann-Wick gibt in Kirchner einer der wertvollsten Trainer der vergangenen Jahre seinen Posten bei den Männern auf. Wenn in acht Monaten der Weltcup-Zirkus seine nächste Tournee startet, wird es neue Kräfteverhältnisse geben.

Junioren-Weltmeisterin Selina Grotian als große Hoffnung

Vielleicht hat sich Herrmann-Wick ja bis dahin an ihre Zuschauerrolle gewöhnt. "Richtig realisiert man es erst, wenn nächsten Winter alle zum Alltag zurückkehren und man selbst allein auf der Couch sitzt", sagte sie. Von dort aus oder eben am Streckenrand wird sie vor allem Kebinger, Sophia Schneider und Vanessa Voigt beobachten - also das Trio, mit dem sie bei der Heim-WM in Oberhof Staffel-Silber gewonnen hatte.
Zu einer Sieg-Kandidatin dürfte sich kurzfristig noch keine der drei 25-Jährigen aufschwingen, die Anlagen sind aber vorhanden. Noch mehr gilt das für die viermalige Junioren-Weltmeisterin Selina Grotian (18), die in Oslo erstmals Weltcup-Luft schnupperte.
Anders als das etablierte WM-Trio kann sie nicht mehr hinter Herrmann-Wick reifen, und wie fit die zuletzt ständig angeschlagene Franziska Preuß (29) nach ihrer Seuchensaison zurückkehren wird, ist völlig unklar.

Männer stehen vor dem Umbruch

Neu aufstellen werden sich auch die Männer. Der dreimalige Olympiasieger Kirchner gibt nach insgesamt drei Jahrzehnten im Weltcup, davon zuletzt 13 als Leitender Disziplintrainer der Männer, das Bundestrainer-Amt auf. Sein "Co" Uros Velepec übernimmt, unterstützt vom ehemaligen Ski-Langläufer Jens Filbrich.
Auch Rekordweltmeister Ole Einar Björndalen wird gespannt mitverfolgen, wie es beim DSV weitergeht. Immerhin hatte der Norweger zuletzt scharfe Kritik geübt. Er sei "überrascht, dass die Deutschen nicht einen souveränen Athleten hervorbringen. Das ist lange her", sagte er in der "Sport Bild": "Irgendetwas läuft da falsch."
Worte wie Salz in der frischen Wunde einer historisch verkorksten WM: Erstmals seit 1969 gab es für die DSV-Männer keine einzige Medaille. Bei der anvisierten Wiedergutmachung in Nove Mesto im kommenden Februar wird Benedikt Doll ein letztes Mal mitmischen.

Doll geht in letztes Jahr

Ein Jahr hängt der Ex-Weltmeister, dem in Östersund der einzige Saisonsieg der Männer gelang, noch dran. Dann ist auch für Doll Schluss - und jemand Neues, der wie einst die zurückgetretenen Arnd Peiffer und Erik Lesser zumindest vorne mitläuft, ist nicht in Sicht.
Besonders die Lauf-Expertise von Filbrich wird gefragt sein, um das Team wieder halbwegs in Reichweite der außerirdischen Norweger zu bringen. Noch mehr als für die Frauen gilt: Bei der Zeitenwende wird vor allem Geduld gefragt sein.
(SID)
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Öberg holt letzten Sieg - Kebinger knapp an Podest vorbei

Quelle: Eurosport

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