Dorothea Wierer im Eurosport-Interview vor Biathlon-WM: "Ich brauchte die Pause - ich bin keine Maschine"
Die viermalige Weltmeisterin Dorothea Wierer greift nach einem schwierigen Jahr 2024 bei der anstehenden Biathlon-WM im Schweizerischen Lenzerheide (12. bis 23. Februar live bei Eurosport und discovery+) nach Edelmetall. Im exklusiven Interview mit Eurosport.de spricht die 34 Jahre alte Italienerin über ihre Pläne: in Lenzerheide, bei Olympia 2026 und für die Zeit nach der Karriere.
Wierer im Eurosport-Interview: "Manchmal rutscht auch ein Schimpfwort raus"
Quelle: Eurosport
Dorothea Wierer hat sich pünktlich zur Biathlon-WM in Lenzerheide ran gekämpft.
Nach einem schwierigen Vorjahr mit vielen Krankheiten und einem vorzeitigen Abbruch der Saison kam die Italienerin zuletzt mit zwei vierten Plätzen wieder in Fahrt und hofft nun auf eine Überraschung in der Schweiz.
Im Interview mit Eurosport.de (Video oben) spricht die 34-Jährige über ihre Erwartungen für den anstehenden Saisonhöhepunkt.
Außerdem verrät Wierer, dass sie sich für die Gesamtweltcupführende Franziska Preuß freut und was sie nach den Olympischen Winterspielen 2026 für die Zeit nach der Karriere plant.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/02/05/image-5ff9a5d8-32cb-4a36-96d4-b50295f24f02.jpeg)
Biathlon: Dorothea Wierer will ihre Karriere nach (Heim-)Olympia 2026 beenden
Fotocredit: Imago
Dorothea Wierer, liebe Grüße von unserem deutschen Biathlon-Experten Michael Rösch, der Ihnen - kein Druck - bei der WM eine Medaille zutraut. Seine Frage dazu lautet: Wie sieht Ihr Mindset vor der WM aus; sagen Sie sich selbstbewusst: Ich hole da eine Medaille?
Dorothea Wierer: Liebe Grüße zurück! (lacht) Nein, ganz so ist es nicht. Das Selbstbewusstsein ist bei mir nicht so groß. Ich habe immer Zweifel an mir. Im Biathlon muss Laufen und Schießen hundertprozentig passen. Aber ich fühle mich jetzt gut. Von daher: Schau mer mal!
Letztes Frühjahr habe ich zwei Monate lang gar nicht trainiert - und hatte auch irgendwie gar keine Lust drauf. Nach zehn Jahren Vollgas brauchte ich auch vom Körper her eine Pause. Ich bin keine Maschine.
Sie sind nach ihrem vorzeitigen Saisonende im vergangenen Winter und einer ausgedehnten Sommerpause mit der Arbeit für Eurosport bei Olympia in Paris mit guten Leistungen in den Weltcup zurückgekehrt. In Ruhpolding und Antholz wurden Sie zuletzt zweimal Vierte. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?
Wierer: Letztes Frühjahr habe ich zwei Monate lang gar nicht trainiert - und hatte auch irgendwie gar keine Lust drauf. Nach zehn Jahren Vollgas brauchte ich auch vom Körper her eine Pause. Ich bin keine Maschine. Dafür, dass ich im Sommer auch noch einen ganzen Monat lang in Paris war, kann sich Platz elf im Weltcup jetzt schon sehen lassen. Für 34 ist das nicht schlecht.
Mit welchen Erwartungen reisen Sie nun zu Ihrer letzten WM?
Wierer: Läuferisch bin ich zufrieden, da passt es. Das Problem ist das Stehendschießen, da habe ich mit der letzten Serie schon einige Rennen in den Sand gesetzt. Da waren es oft ein oder zwei Fehler zu viel. In Lenzerheide bin ich vor allem auf die Pistenverhältnisse gespannt. Dort liegt alles in der Sonne, das kann richtig anstrengend werden. Ich hoffe auf einen guten, kompakten Schnee. Dann sind das auch meine Verhältnisse. Und ich hoffe, dass jetzt meine Top-Form kommt.
Wie sehr fehlt Ihnen eigentlich die verletzte Gesamtweltcupsiegerin Lisa Vittozzi als interne Konkurrenz?
Wierer: Bei den Rennen kriege ich das gar nicht so richtig mit, da ist man auf sich selbst fokussiert. Und im Training bin ich schon ewig bei den Männern dabei. Sie fehlt vor allem in den Staffel-Wettbewerben. Aber wenn alle hundert Prozent leisten, schaut vielleicht ein gutes Ergebnis raus - auch wenn Frankreich fast unschlagbar ist.
Franzi war immer schon stark, aber hatte viel Pech. Sie hatte immer irgendwas. Da hat sie mir oft wirklich leidgetan. Das ist jetzt ihre Saison; das weiß sie auch - und das genießt sie jetzt.
Die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo sollen Ihr großer Karriereabschluss werden. Denken Sie da jetzt schon dran?
Wierer: Ich sage mir immer - jetzt noch ein Jahr, dann sind es noch zwei Wochen Olympia und dann ist fertig. Da bin ich schon froh drüber. Andererseits versuche ich es schon noch zu genießen. Auch wenn es Leistungssport ist, bei dem man sich quälen muss. Biathlon ist eben ein Ausdauersport, da geht es hart auf hart.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/08/03/4016928-81476208-2560-1440.png)
Wierer in neuer Rolle: Biathletin als Eurosport-Reporterin
Quelle: Eurosport
Die Deutsche Franziska Preuß gehört bei der WM mit zu den Favoritinnen. Sie beide kennen sich sehr lange aus dem Weltcup. Hätten Sie ihr nochmal so eine starke Saison zugetraut?
Wierer: Franzi war immer schon stark, aber hatte viel Pech. Sie hatte immer irgendwas. Da hat sie mir oft wirklich leidgetan. Das ist jetzt ihre Saison. Das weiß sie auch - und das genießt sie jetzt. Wenn ich sie sehe, wirkt sie immer glücklich. Das macht schon viel aus. Sie hat bis jetzt eine super Saison gezeigt. Wenn's läuft, dann läuft's - dann muss man sich auch keine Gedanken machen oder großen Druck. Ich bin froh für sie, das hat sie sich verdient.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/01/18/4085790-82853453-2560-1440.jpg)
"Was für ein Tag!" Preuß schießt Deutschland zum Staffel-Sieg
Quelle: Eurosport
Wenn man bei einem Wettkampf den berühmten zwanzigsten Schuss daneben setzt - was geht einem da eigentlich durch den Kopf? Ist das für uns Außenstehende mit irgendeiner anderen Lebenssituation zu vergleichen?
Wierer: Schwierig zu vergleichen. Wir wissen schon, dass es 'nur' Sport ist und nicht das reale Leben. Logisch zuckt man da kurz zusammen, denkt sich: Nein!
Manchmal vielleicht auch mehr als nur 'Nein' …
Wierer: Ja, manchmal rutscht auch mal ein Schimpfwort raus. Natürlich nicht zu laut, sonst hört man's. (lacht)
Zum Schluss noch eine Frage von Michael Rösch: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren - als Business-Frau, TV-Expertin oder als Mutter?
Wierer: Nach dem Karriereende möchte ich die erste Zeit schon genießen. Abschalten, weg vom Sport. Ich glaube, das brauche ich nach so vielen Jahren auch. Aber ich kenne mich gut genug: Ich kann nicht nur zuhause rumsitzen. Ich bin aktiv, habe immer neue Ideen. Im Vordergrund steht sicher die Familie. Aber mal sehen - vielleicht wird es ja auch alles drei zusammen!
Das könnte Dich auch interessieren: Puff für starke EM belohnt: WM-Ticket nach Doppel-Gold
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/02/17/3888447-79001873-2560-1440.jpg)
Neue Rolle: Wierer verrät ihre Zukunftspläne
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/12/18/image-ec453673-a7e8-4c9b-a566-6689a5fb6276-68-310-310.jpeg)