Biathlon-WM 2025 - Michael Rösch feiert Bronze-Medaille der Männer-Staffel: "Am Ende fragt kein Schwein danach"
Eurosport-Experte Michael Rösch ordnet im Interview das Abschneiden der deutschen Staffeln bei der Biathlon-WM 2025 in Lenzerheide ein. Zudem bewertet er die Entscheidung der französischen Herren-Equipe, ohne den starken Émilien Jacquelin in das Rennen am vorletzten Tag der Wettkämpfe zu gehen. Bei den Schießleistungen von Johannes Thingnes und Julia Simon geht Rösch das Herz auf.
Highlights: Das norwegische Imperium schlägt zurück
Quelle: Eurosport
Der vorletzte Tag der Biathlon-WM 2025 in Lenzerheide brachte dem Deutschen Ski-Verband (DSV) gemischte Ergebnisse ein. Die Frauen-Staffel um Franziska Preuß verpasste nach Problemen am Schießstand beim Sieg der Französinnen die Medaillenränge auf Platz fünf.
Kurz danach sorgten die Männer für glückliche Gesichter: Philipp Nawrath, Danilo Riethmüller, Johannes Kühn und Philipp Horn schnappten sich etwas überraschend Bronze beim souveränen Sieg der Norweger.
Der Erfolg bescherte dem norwegischen Schlussläufer Johannes Thingnes Bö bei der letzten Weltmeisterschaft seiner Karriere seine 23. Goldmedaille, während sein Bruder zum siebten Mal Gold in der Staffel holte.
Eurosport-Experte Michael Rösch erklärt im Interview seine Gedanken zum Geschehen des Tages.
Die deutsche Frauen-Staffel lief im Prinzip das ganze Rennen einer Strafrunde hinterher, am Ende reichte es knapp "nur" für Rang fünf. Zu wenig?
Michael Rösch: Für mich ist es schon ein bisschen enttäuschend. Wenn Franzi den ersten Nachlader beim letzten Schießen reinballert, sieht die Welt etwas anders aus - da wäre sie am besten mit Null durchgekommen. Aber es lag nicht an Franzi. Sophia Schneider hat sich am Anfang schwergetan, weswegen das Rennen eine ganz andere Dynamik bekommen hat. Da war von Anfang an Pfeffer drin. Man muss natürlich den Hut vor Frankreich ziehen. Ich freue mich aber auch für die Norwegerinnen, die nach der ganzen Kritik Silber gewonnen haben. Aus deutscher Sicht ist es eine Enttäuschung, die haben sich eine Medaille erhofft. Die wäre auch drin gewesen, ist aber am Ende an einem oder zwei Nachladern gescheitert. Das ist eben das bittere Spiel im Biathlon.
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Fünfkampf um Bronze: Preuß zeigt Nerven - Schweden jubelt
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Die Szenen des Tages waren sicherlich die Stehendanschläge von Julia Simon und Johannes Thingnes Bö. Beide ließen sich nach ihren Meisterstücken von den Fans feiern. Da geht einem das Biathlon-Herz auf, oder?
Rösch: Was Julia Simon und Johannes Thingnes Bö da zum Schluss abgefackelt haben, ist wirklich unglaublich. Das ist so geil anzugucken, mit welcher Selbstsicherheit die sich da hinstellen und die Dinger rausrotzen. Das macht einfach Spaß, das ist Biathlon at its best. Du willst immer mit null Fehlern rausgehen und die Fans zufriedenstellen. Das ist selbst mit einem Vorsprung von drei Minuten beim letzten Schießen nicht selbstverständlich. Bei Bö und Simon klappt es aber neun von zehnmal. Diese Nervenstärke, hinten raus noch so eine Show abzuziehen, ist es, was die beiden auszeichnet. Das ist etwas Besonderes, nicht nur für sie selbst oder für das Team, sondern auch für die Zuschauer und für uns als Kommentatoren.
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"Die geilsten 20,8 Sekunden!" Bö mit sensationeller Schießeinlage
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Vor der Männer-Staffel sorgte die Nichtnominierung von Justus Strelow, der in Lenzerheide mit Bronze im Mixed und Single-Mixed bisher der erfolgreichste deutsche Mann war, für Verwunderung. Damit ging der DSV wie bei der Mixed-Staffel-Aufstellung, als Strelow Schlussläufer war, ins Risiko. Wie vor einer Woche wurden sie für ihren Mut mit Bronze belohnt. Wie viele Steine dürften den Trainern von den Schultern gefallen sein?
Rösch: Ich war selbst von der Aufstellung erstaunt. Es hatte wahrscheinlich auch einen taktischen Hintergrund, weil Philipp Nawrath noch etwas angeschlagen war. Wenn Philipp heute ausgefallen wäre, dann hätte man zwar jemanden nachnominieren können, der hätte dann aber auch an der Stelle laufen müssen. Das wären in dem Fall Justus Strelow oder David Zobel gewesen. Man darf nicht vergessen, dass das eine Weltmeisterschaft ist - da gibt es nur Medaillen oder nichts. Am Ende fragt kein Schwein danach, wie die zustande gekommen sind. In diesem Fall gibt der Erfolg Uros Velepec (Bundestrainer, Anm. d. Red.) recht. Es war risikoreich, aber so gewinnst du eben große Sachen bei einer Weltmeisterschaft. Und nachdem ich die Reaktion der Jungs nach dem Rennen gesehen habe, glaube ich auch nicht, dass es da noch böses Blut gibt.
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Männer-Staffel schnappt sich Bronze: "Das werden wir feiern"
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Auch bei Frankreich gab es eine Überraschung: Émilien Jacquelin, der bisher bei allen vier Saisonsiegen Schlussläufer war und in der Mixed-Staffel Frankreich Gold sicherte, musste zuschauen. Nun kassierten die Franzosen ausgerechnet bei der WM ihre erste Saisonniederlage und müssen sich mit Silber begnügen. Hat sich Frankreich damit verzockt oder wäre auch mit Jacquelin Gold außer Reichweite gewesen?
Rösch: Selbst mit Jacquelin hätte sich da nicht viel geändert. Ich glaube nicht, dass die Franzosen heute auch nur ansatzweise eine Chance auf Gold hatten. Die Norweger sind alle von Anfang an mit dem Messer zwischen den Zähnen losgerannt. Da hätte auch ein Jacquelin keinen großen Unterschied gemacht. Ich habe schon vor dem Rennen gesagt, dass es so kommt wie letztes Jahr. Da hat Norwegen im Weltcup alle Staffel-Rennen gewonnen und bei der WM stand Schweden ganz oben. Das Gleiche ist jetzt Frankreich passiert. Die werden aber auch mit Silber zufrieden sein, weil heute einfach nicht mehr drin war. Deswegen kann man auch nicht sagen, dass sie sich verzockt haben.
Entscheidenden Anteil am Sieg der Norweger hatten wieder einmal die Bö-Brüder Tarjei und Johannes Thingnes. Für Johannes Thingnes war es das 23. WM-Gold, für Tarjei das 7. WM-Gold in einer Männer-Staffel, womit er nun einen Staffel-Titel mehr hat als Ole Einar Björndalen. Was fällt Dir dazu noch ein?
Rösch: Außer Superlativen fällt einem da wirklich nichts mehr ein. Vor allem Johannes, der heute auch noch mit Marte Olsbu Roiseland für die meisten Staffel-Titel gleichziehen konnte. Ole war ja fast schon unantastbar und die beiden Bö-Brüder schrauben da die Rekorde noch einmal nach oben. Da gehen einem wirklich die Worte aus, um das noch korrekt zu beschreiben.
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Auf dem Weg zu Gold: Bö "fliegt" und klatscht mit Fillion Maillet ab
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