Franziska Preuß exklusiv im Weihnachts-Interview: "Am Lagerfeuer mit der Familie"

Franziska Preuß hat einen sehr erfolgreichen, aber auch turbulenten Start in den Weltcup-Winter hingelegt. Die 29-Jährige eroberte das Gelbe Trikot, hatte dann Pech mit einer Corona-Erkrankung und schließt das Jahr dennoch auf Rang fünf im Gesamtweltcup ab. Nun freut sich Preuß auf ein "Lagerfeuer" mit der Familie und "Heiligabend zu zweit", wie sie im Interview mit Eurosport.de verrät.

Preuß exklusiv zu Weihnachtsplänen: "Lagerfeuer mit Familie"

Quelle: Eurosport

"Früher bin ich mit in die Kirche gegangen an Heiligabend, das wäre jetzt im Bezug auf Ansteckungen und das Immunsystem der Killer", scherzt Franziska Preuß. Das Thema ist allerdings ein ernstes, schließlich will die Staffel-Weltmeisterin von 2015 ab Januar wieder voll angreifen und Plätze gutmachen in der Weltcupwertung.
Daher müsse sie "Abstriche machen" an den Weihnachtsfeiertagen. "Ich reduziere die Kontakte auf den engsten Familienkreis", erzählt Preuß. Im etwas größeren Kreis treffe man sich nur draußen.
Die Vorsicht während der Festtage begleite sie schon während ihrer gesamten Profi-Laufbahn. "Jede Krankheit ist eine blöde Sache als Biathletin. Mich hat es immer wieder erwischt, obwohl ich aufgepasst hatte", so die 29-Jährige.
Das Gelbe Trikot hat sie indes noch lange nicht abgeschrieben, wie sie im Weihnachts-Interview mit Eurosport.de sagt:
Die Weihnachtspause ist für Sie als Biathletin keine echte Pause, es wird weiterhin trainiert. Mit welchem Gefühl gehen Sie in diese Zeit?
Franziska Preuß: Meistens freut man sich extrem auf die Pause, denn wir sind ja wesentlich länger unterwegs als die drei oder vier Weltcup-Wochenenden. Wir waren bereits am 4. November in Norwegen und ab diesem Zeitpunkt bis zum Saisonstart in der Biathlon-Blase. Da gibt es nur das eine Thema, nämlich unseren Sport. Es waren zwei sehr intensive Biathlon-Monate. Da hilft ein wenig Abstand. Es ist gut, andere Leute zu sehen, wieder frisch zu werden, neue Motivation zu tanken.
Es ist das zweite Weihnachtsfest, das Sie zusammen mit Ihrem Freund, dem mehrfachen Biathlon-Weltmeister Simon Schempp, im neuen Haus in Ruhpolding verbringen. Wie feiert die Biathlon-WG?
Franziska Preuß: Da muss man als Sportlerin natürlich Abstriche machen. Es ist für uns nicht möglich, sich mit vielen Menschen, seien es nun Freunde oder die Familie, an einem Ort zu treffen. Ich reduziere die Kontakte auf den engsten Familienkreis. Trotzdem ist es eine schöne Zeit, einfach weil man abschalten und runterkommen kann. Heiligabend werden wir zu zweit verbringen. Wir haben einen Christbaum gekauft und dekoriert, richten uns weihnachtlich ein. Grundsätzlich bin ich ein Familienmensch und würde gerne alle treffen, aber es wird in den kommenden Jahren sicher genug Möglichkeiten geben, ausgelassener zu feiern. Aktuell ist es eben ein Kompromiss. Immerhin: Am ersten Weihnachtstag wollen wir uns mit der Familie draußen treffen und ein Lagerfeuer machen.
Sind Sie erst seit Beginn der Corona-Zeit an Weihnachten so vorsichtig oder war das immer schon der Fall?
Preuß: Wir haben auch vorher darauf geachtet, denn jede Krankheit ist eine blöde Sache als Biathletin. Mich hat es immer wieder erwischt, obwohl ich aufgepasst hatte. Früher bin ich mit in die Kirche gegangen an Heiligabend, das wäre jetzt im Bezug auf Ansteckungen und das Immunsystem der Killer (lacht). Irgendwann habe ich entschieden, nicht mehr mitzugehen. Was ich in der Corona-Zeit gelernt habe: Man ist einfach weniger anfällig und stabiler, wenn man die Kontakte noch weiter reduziert. Für uns steht eindeutig im Vordergrund, gesund zu bleiben in dieser Zeit.
Sie haben einmal gesagt, diese Entbehrungen “die paar Jahre“ noch durchzustehen. Wie sehr strengt Sie das an?
Preuß: Es ist relativ einfach, weil wir sehr strukturiert weitertrainieren. Am ersten Weihnachtsfeiertag habe ich Trainingspause, am zweiten geht es weiter. Man bleibt also im Rhythmus und verbrennt Kalorien, sodass man ohne schlechtes Gewissen ein paar Plätzchen mehr verdrücken darf (lacht).
Das Jahr 2023 ist in wenigen Tagen zu Ende. Was waren Ihre schönsten Erlebnisse?
Preuß: Das waren die ersten Momente, in denen wir unser neues Haus wirklich genießen konnten. Ich glaube, dass man das nie vergisst, wenn man im ersten Eigenheim richtig ankommt. Die Auszeit im Frühjahr war ebenfalls sehr schön, mit tollen Momenten, die mir viel Energie gegeben haben. Und dann hat es mich gefreut, dass sich der sportliche Aufwand noch immer lohnt, dass ich Erfolg habe.
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Showdown in Östersund: Preuß fehlen nur wenige Meter zum Sieg

Quelle: Eurosport

Erfolg ist ein gutes Stichwort. Das deutsche Team hat mit drei Siegen und zehn Podestplätzen im ersten Trimester einen unglaublichen Start in den Weltcup-Winter hingelegt. Sind Sie genauso davon überrascht wie Medien und Fans?
Preuß: Wir sind fast alle absolut zufrieden, weil wir genau wissen, wie stark die internationale Konkurrenz ist. Du brauchst einen guten Tag, top Material und nicht zuletzt auch Glück, um Erfolge zu haben. Dieses Gesamtpaket haben wir im DSV-Team bislang sehr oft zusammengebracht. Wir waren in Schlagdistanz, konnten die anderen ärgern und waren mitunter selbst ganz vorne. Das war in den vergangenen Jahren nicht immer der Fall, entsprechend freuen wir uns und wissen das zu schätzen. Wichtig ist: Wir dürfen jetzt nicht locker lassen.
Der Weg zurück war beileibe kein Selbstläufer bei Ihnen. Sie hatte sich Gedanken um ein mögliches Karriereende gemacht, mussten sich erst wieder für die Weltcup-Mannschaft qualifizieren. Überrascht es Sie selbst, dass es nun so schnell wieder so gut läuft?
Preuß: Das Grundvertrauen in mich und mein Potenzial habe ich immer gehabt. Das war auch im vergangenen Winter so, als ich entschieden habe, die Saison abzubrechen. Hätte ich dieses Vertrauen und die Motivation nicht gespürt, wäre die Entscheidung im Januar eine andere gewesen.
Nämlich?
Preuß: Dann wäre es nicht darum gegangen, eine Pause einzulegen - sondern eher darum, meine Karriere zu beenden. Ich habe aber gemerkt, dass es das noch nicht war und noch etwas in mir steckt. Mir war klar, dass sportlich gesehen noch vieles möglich ist, wenn ich meine Gesundheit in den Griff bekomme. Der Weg zurück war nicht einfach, es gab Ups und Downs im Training. Aber ich wusste, dass ich es noch kann.
Von außen betrachtet sind Sie mit Ihrer Erfahrung und den Erfolgen die natürliche Anführerin der DSV-Auswahl. Wie empfinden Sie das und gefällt Ihnen diese Rolle?
Preuß: Ganz ehrlich: Das nervt mich ein bisschen, denn das ist ein Medien-Ding. Es scheint so zu sein, als ob man immer eine Leaderin braucht und ich werde entsprechend häufig darauf angesprochen. Wenn man aber Teil der Mannschaft ist, ist das kein Thema. Wir geben alle Vollgas, versuchen das Beste. Für uns Sechs, die wir im Weltcup starten, spielt die Frage nach einer Anführerin nicht die geringste Rolle.
Beim Weltcup in Lenzerheide kam es zu einer sehr gefährlichen Panne. Sturla Holm Lägreid gab im Trockentraining versehentlich einen Schuss ab. Was haben Sie gedacht, als Sie davon erfahren haben und analysiert man in Gedanken sein eigenes Verhalten noch einmal?
Preuß: Wir waren alle erschrocken und schockiert. Ich habe Sturlas Interview gesehen, das er dem norwegischen Sender NRK gegeben habt. Es geht mir als Sportlerin sehr nahe, mitzubekommen, was das in einem anderen Sportler auslöst. So ein Fehler darf natürlich unter keinen Umständen passieren. Wir tragen nun einmal Waffen bei uns und müssen infolge dessen doppelt und dreifach darauf achten, dass die Sicherheit gewährleistet ist. Zum Glück passiert so etwas eigentlich nie.
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Preuß fühlt mit Lägreid nach Schuss-Vorfall: "Geht mir nahe"

Quelle: Eurosport

Welche Maßnahmen werden im deutschen Team ergriffen, um solche Fehler zu vermeiden?
Preuß: Im Deutschen Skiverband haben wir jedes Jahr eine behördlich beauftragte Waffenbelehrung, die von einem Spezialisten des DSV durchgeführt wird. Der Inhalt wiederholt sich oft, aber das ist gut, denn du wirst neu für die Thematik sensibilisiert. Wir absolvieren unsere Trockentrainings ausschließlich so, als ob die Waffe geladen wäre. Man zielt nie in eine Richtung, in der sich Menschen befinden. Für einen Biathleten ist es das Schlimmste, wenn es trotzdem zu einem versehentlichen Schuss kommt. Sturla tut mir sehr leid, denn natürlich gehen auch er und sein Team absolut bewusst damit um. Es ist leider passiert, aber es war für den gesamten Biathlon-Zirkus ein Hallo-wach-Effekt.
Wenn die Saison im Januar 2024 weitergeht, starten Sie als Gesamtweltcupfünfte - trotz ihres krankheitsbedingten Ausfalls in Hochfilzen. Wollen Sie zurück ins Gelbe Trikot?
Preuß: Ich war überrascht, dass ich im Massenstart beim Trimester-Abschluss in Lenzerheide noch immer das Trikot mit der Nummer fünf getragen habe, obwohl mir zwei Rennen fehlen. Normalerweise merkt man zwei Ausfälle deutlicher, denn so viele Wettbewerbe gab es ja bislang nicht. Einerseits freue ich mich, dass ich Fünfte bin, andererseits ist da der Gedanke, was möglich gewesen wäre, hätte ich nicht pausieren müssen. Das Gelbe Trikot wäre wohl nicht so schnell weg gewesen. Insgesamt überwiegt aber das positive Gefühl, dass ich weiter in den Top 10 bin, dass einiges möglich ist. Ob es noch mal nach ganz vorne reicht - mal sehen. Aber es bleibt eine große Motivation für mich, anzugreifen.
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Entscheidung im Verfolger: Preuß hat auf der Schlussrunde das Nachsehen

Quelle: Eurosport

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