Michael Rösch im Eurosport-Interview nach dem Saisonfinale - Teil 2: "Preuß hat Potenzial für den Gesamtweltcup"
Die Biathlon-Saison fand für die deutschen Damen mit Platz zwei von Janina Hettich-Walz im Massenstart beim Saisonfinale in Canmore (Kanada) ein versöhnliches Ende. Eurosport-Experte Michael Rösch spricht im zweiten Teil des Exklusiv-Interviews über die Achterbahn-Saison der DSV-Damen. Außerdem erklärt er, warum er angesichts des Nachwuchses mit reichlich Optimismus in die Zukunft blickt.
Nur eine ist schneller: Hettich-Walz erkämpft sich Podestplatz
Quelle: Eurosport
Janina Hettich-Walz lieferte beim Saisonfinale in Canmore noch einmal richtig ab.
Die Schwarzwälderin, die bei der WM in Nove Mesto überraschend Einzel-Silber über 15 Kilometer geholt hatte, sicherte sich beim Massenstart den zweiten Platz - der erfreuliche Abschluss eines ohnehin recht ansprechenden Winters für die DSV-Damen.
Eurosport-Experte Michael Rösch zieht im zweiten Teil des Exklusiv-Interviews ein grundsätzliches Saisonfazit - und wagt vor allem bezüglich des Nachwuchses einen optimistischen Blick in die Zukunft.
Zudem spricht Rösch über seinen Wechsel von den Skiern ans Mikrofon und die damit verbundene Verantwortung.
Michael Rösch, über die DSV-Herren haben wir bereits gesprochen - wie fällt das Fazit bei den deutschen Damen aus?
Rösch: Generell müssen die Leute einfach akzeptieren, dass Namen wie Neuner, Dahlmeier und Herrmann-Wick Geschichte sind. Es gibt leider keine deutsche Seriensiegerin und da muss man sich einfach noch ein bisschen gedulden, bis die nächste heranwächst. Bei unserer Besten, Vanessa Voigt, sehe ich die ganze Entwicklung positiv - die war vor drei Jahren noch im IBU-Cup und wurde jetzt Gesamt-Achte. Das ist richtig gut. Wenn ich ihr einen Tipp geben darf: Vielleicht könnte sie hier und da ein bisschen weniger mit sich selbst hadern. Sie scheitert, glaube ich, öfter an ihren eigenen Hürden. Sie macht es nämlich sehr gut, ist mit über 93 Prozent Trefferquote nahe am "all-time record" dran.
Und die anderen?
Rösch: Für Janina Hettich-Walz mit dem Highlight WM-Silber im Einzel freut es mich besonders, dass sie sich unter den besten Zehn der Welt platziert hat. Da sieht man auch eine Entwicklung nach zwei richtig harten Jahren und dem Umweg IBU-Cup. Bei ihr gilt: Hard work pays off (deutsch: Harte Arbeit zahlt sich aus, Anm. d. Red.)! Franzi Preuß war gefühlt die Hälfte der Saison nicht dabei und ist im Gesamtweltcup trotzdem Elfte geworden. Mit Rang neun als schlechtestes Rennergebnis. Das sagt mir: Wenn sie fit ist, hat sie das Potenzial, um die große Kugel mitzulaufen.
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Janina Hettich-Walz lässt sich nach der Silbermedaille feiern
Fotocredit: Getty Images
Selina Grotian hat jetzt schon im Weltcup und bei der WM aufhorchen lassen. Wächst da eine neue Hoffnungsträgerin heran?
Rösch: Selina ist jetzt mit 19 Jahren 29. im Gesamtweltcup. Die nächstjüngste vor ihr Platzierte ist dann schon 23 Jahre alt. Ich habe mal geschaut: Laura Dahlmeier war 2013 bei ihrer ersten WM vier Monate älter als Grotian - hatte da aber noch keine Top-Platzierung wie Selina und auch kein Staffel-Bronze. Magdalena Neuners Stern ging 2007 auch erst mit 20 Jahren auf. Da sieht man, wieviel Potenzial sie bereits abruft.
Bei der Junioren- und Jugend-WM haben die deutschen Frauen auch überragt.
Rösch: Was da alles nachkommt - da freue ich mich jetzt schon drauf. Wenn ich den Staffelauftritt von Julia Kink in Soldier Hollow nehme: Einfach ins kalte Wasser geworfen und mit Rang zwei als Schlussläuferin direkt abgeliefert. Das sind schon so kleine Indizien, wo es mit der Karriere hingehen kann. Irgendwann steht im Team auch der Umbruch an. Der geht allerdings nicht von heute auf morgen. Grotian, Kink, auch Johanna Puff, Julia Tannheimer - die können es alle, aber das sind eben auch alles noch blutjunge Mädels, denen man Zeit geben muss.
Sie selbst haben jetzt die zweite komplette Saison als TV-Experte bei Eurosport hinter sich - mit großen Emotionen und der ein oder anderen Showeinlage bei Social Media. Wie sehr schlaucht das auch den Ex-Sportler?
Rösch: Ich bin echt genauso fertig nach der Saison wie als Sportler. Mental ist das super anstrengend, aber im positiven Sinne. Als ehemaliger Athlet bin ich gefangen in diesem Sport. Und ich versuche wirklich ständig, meine Augen und Ohren offenzuhalten. Mitunter bekommt man dann direkt zu spüren, wie bei der WM in Nove Mesto, wie groß die Anspannung ist. Ich will niemanden in die Pfanne hauen, aber trotzdem immer eine realistische und ehrliche Einschätzung abgeben. Da kommt Kritik, oder auch mal eine aus dem Kontext gerissene Aussage, bei dem ein oder anderen manchmal nicht so an, wie ich es gemeint habe.
Ein schmaler Grat …
Rösch: Dieses Jahr ist mir besonders bewusst geworden, wie groß auch meine Verantwortung als Berichterstatter ist. Aber eins dürft ihr mir glauben: Wenn ich zuhause bin, sitze ich gefühlt acht Stunden in meinem Kabuff, führe viele Telefonate, und versuche generell, mich akribisch auf die Rennen vorzubereiten. Ich lebe und ich liebe das, immer noch. Das Schöne ist, dass ich mit Sigi Heinrich eine Legende neben mir sitzen habe, der ich zu hundert Prozent vertrauen kann. Wenn man dann noch viele Zuschriften erhält, dass die Leute uns trotz Werbung gerne einschalten, weil sie den Mehrwert durch uns anerkennen, ist das ein tolles Kompliment. Und wir beide wissen auch, welch großes Privileg es ist, diesen geilen Sport kommentieren zu dürfen.
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Quelle: Eurosport
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