Biathlon - Franziska Preuß vor Saisonauftakt in Kontionlahti im Interview: "In Annecy fahr' ich nur noch Aufzug"

Am Mittwoch starten die Biathletinnen im finnischen Kontiolahti in die neue Weltcup-Saison. Zu den großen deutschen Hoffnungen zählt erneut Franziska Preuß. Im exklusiven Interview mit Eurosport.de spricht die 28-Jährige über ihren Ski-Wechsel zur neuen, einen nicht ganz einfachen Sommer und sie erklärt, wie ihr der neue Co-Trainer Sverre Olsbu Røiseland in dieser Zeit geholfen hat.

Franziska Preuß im exklusiven Interview vor dem Saisonstart

Fotocredit: Getty Images

Neuer Co-Trainer im Team und neue Skier an den Füßen - bei Franziska Preuß hat es im nacholympischen Sommer einige Veränderungen gegeben. Eine Konstante ist aber aus ihrer Sicht leider geblieben: Wie schon so oft in ihrer Karriere hatte die Staffel-Weltmeisterin von 2015 mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.
Dennoch blickt Preuß im Eurosport-Interview durchaus zuversichtlich auf die neue Saison, auch wenn sie beim Auftakt in Kontiolahti am Mittwoch (13:00 Uhr live bei Eurosport1 und bei discovery+) noch auf das Einzelrennen verzichtet und erst im Sprint starten wird.
"Der Plan ist, dass ich jetzt beim Start in Kontiolahti in einer soliden Form bin, um mich dann von Woche zu Woche steigern zu können", erklärt Preuß ihren Saisonaufbau und sagt im Hinblick auf die Weltmeisterschaften in Oberhof: "Ich kann jetzt auch nicht alles auf eine Karte setzen."
Das Interview führte Andreas Morbach.
Frau Preuß, in der Vorbereitung auf die letzte Saison standen für Sie Veränderungen an Ihrem Gewehr im Fokus. Gab es in diesem Sommer wieder ein Steckenpferd, um das Sie sich besonders intensiv gekümmert haben?
Franziska Preuß: Ähm, nein.
Aber einen neuen Skiausrüster haben Sie jetzt schon, oder?
Preuß: Ich habe seit Jahren ein bisschen Probleme mit meinem Mittelfuß. Mit dem bisherigen Ausrüster haben wir alles Mögliche ausprobiert, das zu modifizieren. Aber der Reiz im Fuß ging einfach nicht weg, und das über drei Jahre. Es war ein extrem schwerer Schritt für mich, weil ich seit Anfang an bei diesem Ausrüster und mit meinen Skiern wirklich zufrieden war. Aber das Fußproblem war einfach zusätzlicher Stress während der Saison, den man nicht braucht. Deshalb war ich offen dafür, anderes Material auszuprobieren. Und ich hab' schon auch gemerkt, dass das für ein bisschen neue Motivation sorgt, wenn man eine neue Farbe unter den Füßen hat.
Nicht ganz neu für Sie war dagegen, dass Sie sich im Frühjahr mit gesundheitlichen Problemen herumplagen mussten.
Preuß: A bissl, jo (lacht). Gerade nach dem Ende der letzten Saison war es gesundheitlich schon noch mal zäh, da hat's mich noch mal richtig zusammengehauen. Das hat sich dann bis in den Juli hineingezogen. Aber danach lief eigentlich alles so wie geplant.
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Franziska Preuß beim Weltcup in Oslo

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Was genau hat Sie so zusammengehauen?
Preuß: Ich hatte nach dem Weltcupfinale in Oslo erst noch mal Corona – und Ende April dann eine richtig heftige Mittelohrentzündung. Da war alles komplett vereitert, und nach langer Antibiotika-Einnahme, die nicht wirklich den gewünschten Erfolg brachte, wurde schlussendlich das Trommelfell zwei Mal aufgeschnitten. Das zog sich über drei Wochen, und nach so einer Chemiekeule fühlt man sich nicht gleich wieder richtig gut. Mitte Juni kam das noch mal zurück, da hatte sich das Ganze mehr in die Stirnhöhlen abgesetzt, die auch wieder total entzündet waren. Da musste ich noch mal Antibiotika nehmen – und das zieht dann wieder einen Rattenschwanz nach sich.
Die Treppe im Biathlonstadion in Annecy, auf der Sie im vergangenen Dezember ausgerutscht sind und in der Folge eine ähnliche Leidenszeit erlebten wie jetzt in der Wettkampfpause, werden Sie auf jeden Fall nicht mehr betreten.
Preuß: Nein, dort fahr' ich nur noch Aufzug.
Sind diese zwei Monate, die Ihnen im Training fehlen, noch ein Zeitraum, wo Sie sagen: Den kann ich locker wettmachen, zumal mit meiner Erfahrung?
Preuß: Wenn man rein auf die Trainingsstunden schaut, fehlen mir auf das ganze Jahr gesehen einfach 70 Stunden. Die kann man bei unserem Pensum nicht mehr reinholen. Man versucht deshalb, das Training noch effektiver zu gestalten – und viel auf das Vertrauen und auf die Erfahrung zu bauen, die ich in den letzten Jahren gesammelt habe. Es ist aber nicht mein klares Ziel, zum ersten Weltcup schon in absoluter Topform zu sein. Der Plan ist, dass ich jetzt beim Start in Kontiolahti in einer soliden Form bin, um mich dann von Woche zu Woche steigern zu können.
Ist die Heim-WM in Oberhof, die ja erst im Februar stattfindet, für Sie vor diesem Hintergrund ein besonders wichtiges, zentrales Ziel?
Preuß: Manchmal muss man seine Prioritäten ein bisschen verschieben, von daher ist Oberhof schon etwas Spezielles. Weil ich jetzt natürlich noch mehr schaue, dann die perfekte Form zu finden. Aber ich bekomme mein Selbstvertrauen nur durch gute Resultate im Weltcup. Deshalb kann ich jetzt auch nicht alles auf eine Karte setzen.
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Franziska Preuß gewann mit der Staffel die Bronzemedaille in Peking

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Mit Sverre Olsbu Røiseland, dem Mann der norwegischen Dreifach-Olympiasiegerin Marte Olsbu Røiseland, haben die deutschen Biathletinnen seit Mai einen neuen Co-Trainer. Wie haben Sie ihn bislang wahrgenommen?
Preuß: Einen Trainer aus dem Ausland zu haben, das ist doch mal etwas Neues für Biathlon-Deutschland. So etwas ist immer eine neue Herausforderung, zumal mit der Sprachbarriere. Darauf hatte ich richtig Bock. Die Norweger haben ein offeneres Prinzip, bei dem man sich als Sportler ins Training und in die Trainingsplanung wahnsinnig stark einbringen kann. Auch deshalb gefällt mir die Zusammenarbeit mit Sverre Røiseland richtig gut. Außerdem konnte er mir in den ersten zwei Monaten, als ich viel krank war, durchaus weiterhelfen.
Auf mentaler Ebene, meinen Sie?
Preuß: Genau. Er hat mir von Anfang an das Gefühl gegeben, dass wir das bis zum Winter schaffen, dass alles gut wird. Man merkt schon, dass er vorher im Topbereich gearbeitet hat. Dadurch, dass er der Ehemann von Marte Olsbu Røiseland ist, ist das für ihn normal. Er bekommt wirklich richtig mit, was in den Köpfen von Sportlern so vor sich geht – wenn es mal nicht so läuft.
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Herrmann und Preuß nach Staffel-Bronze: "Unser großer Traum"

Quelle: Eurosport

Die Norwegerinnen hatten allgemein einige Probleme in der Vorbereitung. Insbesondere Tiril Eckhoff, die mit schweren Schlafstörungen und mit ihrer vermeintlich heilen Welt, die sie via Instagram in die Welt trug, zu kämpfen hatte.
Preuß: Das ist ja nicht nur bei den Norwegerinnen so. Ich habe von mehreren Sportlern gehört, die im Frühjahr gesundheitlich extrem gelitten haben. Ich denke, da kam viel zusammen: Die letzten zwei Jahre waren auch vom Kopf her nicht einfach, durch die ganze Corona-Isolation, die Bubbles. Bei Tiril Eckhoff ist das natürlich schon heftig, wenn sich das so lange hinzieht und sie es so gar nicht richtig in den Griff bekommt. Ich kenn' das ja selbst gut genug: Es gibt für einen Sportler, glaube ich, nichts Schlimmeres, als wenn der Körper nicht mitmacht. Von daher tut mir das wahnsinnig leid für sie.
Die Italienerin Dorothea Wierer sagte in dem Zusammenhang, man habe in diesem Sport manchmal keine Wahl, wenn es um die Entscheidung zwischen einer schlaflosen Nacht und einer Tablette gehe. Mussten Sie auch schon mal Schlaftabletten nehmen?
Preuß: Nein, damit habe ich zum Glück keine Probleme. Das ist, glaube ich, etwas richtig Ätzendes. Wenn wir Höhentrainingslager haben, schlafe ich auch immer schlecht. Deswegen ist es für mich auch keine Priorität mehr, Lehrgänge in der Höhe zu haben. Für mich ist es leicht, das zu vermeiden. Aber wenn man Probleme während einer Wettkampfsaison hat, kann man nicht raus. Da verstehe ich die Dorothea Wierer total, wenn sie sagt, dass man sich entscheiden muss zwischen einer Tablette und dem Gefühl am nächsten Tag, als wäre ein Zug über einen drüber gefahren. Das ist richtig krass. Aber da sieht man noch mal, wie belastend so eine Saison für Körper und Geist ist.
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Quelle: Eurosport

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