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Vanessa Voigt - Biathlon-Star vor neuer Weltcup-Saison im Eurosport-Interview: "Ich habe dann die Reißleine gezogen"
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Update 21/11/2024 um 09:34 GMT+1 Uhr
Vanessa Voigt hat sich längst in der Biathlon-Weltspitze etabliert und mit ihrem ersten Weltcupsieg in der Vorsaison einen weiteren Meilenstein erreicht. Die Vorbereitung auf den kommenden Winter lief für die 27-Jährige dagegen alles andere als optimal. Im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de spricht sie über die Herausforderungen im Sommer, mentale Probleme sowie ihre sportlichen Ziele.
Voigt exklusiv: "Der Winter hat stark an meinen Kräften gezehrt"
Quelle: Eurosport
Diesen Moment wird Vanessa Voigt wohl auf ewig in Erinnerung behalten.
Der 27-Jährigen gelang im vergangenen Winter in Antholz mit ihrem ersten Weltcupsieg in der Single-Mixed-Staffel an der Seite von Justus Strelow ein weiterer Meilenstein.
"Es war unbeschreiblich!", blickt die Thüringerin exklusiv auf ihren großen Erfolg zurück und ergänzt: "Es lief wie automatisch, ich habe das gemacht, was ich mir die ganze Zeit im Training erarbeitet habe."
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Dass der Sport allerdings nicht nur Sonnenseiten hat, weiß Voigt nur zu gut.
In der Sommerpause setzte die Olympia-Bronzemedaillengewinnerin von Peking einen Instagram-Post ab, in dem sie von einem "Mental Breakdown" berichtete.
Im Interview mit Eurosport.de verrät sie, wie sie mit jener schwierigen Situation umgegangen ist und blickt darüber hinaus auf die kommende Saison, die mit der WM in Lenzerheide ein besonderes Highlight bereithält, voraus.
Frau Voigt, bis zum ersten Weltcup-Rennen sind es noch rund zwei Wochen hin. Wie läuft die Saisonvorbereitung?
Vanessa Voigt: Die Vorfreude ist sehr groß, die Vorbereitung lief dagegen nicht optimal. Ich habe schon am Anfang gemerkt, dass der Winter stark an meinen Kräften gezehrt hat und, dass die vergangenen Jahre sehr belastbar waren. Möglicherweise habe ich die Pause nicht lange genug gewählt, sondern gedacht, dass alles wieder passt und ich mit dem Trainieren anfangen kann. Ich musste aber schnell feststellen, dass eben nicht alles in Ordnung ist. Ich habe dann die Reißleine gezogen und gesagt: "Ich muss hier raus und herausfinden, warum mein Training qualitativ nicht mehr hochwertig ist." Ich bin jemand, der die hundert Prozent will, auch wenn ich weiß, dass das nicht jeden Tag erforderlich ist. Wenn es aber mehrere Einheiten gibt, bei denen man vielleicht nur 50 Prozent erreicht, dann nagt das sehr an einem.
Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem aktuellen Leistungsstand?
Voigt: Es ist schwierig einzuschätzen, weil ich nur bei einem Trainingslager dabei war, wo es sehr gut lief. Ich war überrascht, was mein Körper in den drei Wochen im Höhenlehrgang geleistet hat. Nichtsdestotrotz habe ich nicht am abschließenden Wettkampf teilgenommen, weil ich im Kopf einfach noch nicht bereit war, schwarz auf weiß zu sehen, wie meine Ergebnisse sind. Ich bin da ein wenig entspannter und habe mir vorgenommen, dass ich mich in der letzten Weltcup-Vorbereitung nochmal messe und dann schaue, wo ich stehe.
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Vanessa Voigt hat einen Sommer voller Herausforderungen hinter sich
Fotocredit: Getty Images
Im vergangenen Winter sind Sie in den Einzelrennen von Östersund mit zwei dritten und einem fünften Platz herausragend gestartet. Haben Sie Ihr Erfolgsrezept für einen erfolgreichen Saisonstart für dieses Jahr bereits wieder griffbereit?
Voigt: Wenn ich an den Saisonstart denke, bekomme ich etwas Bammel, weil die vergangenen beiden Winter mit einem Einzel begonnen haben, bei denen ich jeweils viermal Null geschossen habe und immer bei der Siegerehrung dabei war. Das erhöht ein klein wenig den Druck. Ich werde aber sehen, wie es läuft. In dieser Saison geht es mit einer Single-Mixed und einer Mixed-Staffel los. Ich finde es cool, mit einem Team zu starten und es vielleicht etwas lockerer anzugehen.
Apropos Single-Mixed-Staffel: Sie haben in dieser Disziplin im vergangenen Winter Ihren ersten Weltcupsieg gefeiert. Was war das für ein Gefühl?
Voigt: Es war unbeschreiblich! In meiner Karriere gibt es zwei Rennen, die ich mir im Nachhinein nochmal gerne anschaue: Eins davon ist die Single-Mixed-Staffel in Antholz, weil ich nicht beschreiben kann, was da in meinem Kopf vorging. Es lief wie automatisch, ich habe das gemacht, was ich mir die ganze Zeit im Training erarbeitet habe. Das ist ein richtig gutes Gefühl, das man nicht bei jedem Rennen hat.
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Welche sportlichen Ziele haben Sie sich für die kommende Saison gesteckt?
Voigt: Es klingt banal und ist gar kein richtiges sportliches Ziel, aber ich möchte nur mit einem Lächeln an den Start gehen. Ich sage jetzt nicht, ich will diese oder jene Medaille haben, sondern glaube, dass wenn ich wieder mit einem Lächeln und einer gewissen Lockerheit starte, dann kommt der Rest hoffentlich von alleine.
Im Sommer haben Sie in einem Instagram-Post sehr ehrlich von einem “Mental Breakdown” berichet. Wie sind Sie mit der Situation umgegangen und was half Ihnen, aus diesem mentalen Loch wieder herauszukommen?
Voigt: Ich glaube, die Bedeutung von mentaler Gesundheit ist in letzter Zeit enorm gestiegen. Bei den Olympischen Spielen im Sommer hat man dank Simone Biles gesehen, dass das ein sehr, sehr großes Thema ist. Mir ist es wichtig, dahingehend ein Statement zu setzen. Ich nutze die Plattform Instagram, um die Zuschauer ein wenig mitzunehmen - das gehört einfach dazu und hat auch meine Vorbereitung beeinflusst. Ich möchte das allerdings nicht als Ausrede nehmen. Mir ist bewusst, dass es im Winter eine Ergebnisliste gibt und da steht mein Name hinter einem Resultat. Dort ist nicht aufgelistet, wie viele Trainingsausfälle jemand hatte. Ich sehe es aber positiv und habe auch viel Zuspruch bekommen. Es war nicht so, dass jemand gesagt hätte‚ "warum gibst du das preis?" Und selbst wenn, man muss es nicht lesen.
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Ich bin eine direkte Person, ich sage, was ich denke und fühle - auch in Interviews.
Wie schwer ist es Ihnen gefallen, diesen Post abzusetzen und damit mit Ihren mentalen Problemen an die Öffentlichkeit zu gehen?
Voigt: Es war nicht schwer. Ich bin eine direkte Person, ich sage, was ich denke und fühle - auch in Interviews. Manchmal ist das too much und es sind etwas zu viele Emotionen im Spiel, aber so bin ich eben. Die richtige Wortwahl für den Post zu finden, war dagegen nicht ganz so leicht, aber ich will die Leute diesbezüglich mitnehmen. Wem es passt, dem passt es - und wem nicht, dem nicht.
Zuletzt gab es große Aufregung um die neue Startgruppen-Regelung, bei der ab sofort die besten Athleten im Weltcup weiter hinten starten und sich nicht mehr ihre Startgruppe auswählen dürfen. Wie finden Sie diese neue Regelung?
Voigt: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich andere Probleme hatte (lacht). Ich habe mich deshalb gar nicht so sehr mit dem Thema beschäftigt. Selbstverständlich gibt es dazu unterschiedliche Meinungen. Für mich gibt es mit Östersund ein Stadion, in dem es Sinn macht, diese Startgruppen-Regelung durchzuführen, weil es eine Warmlaufstrecke und damit Möglichkeiten gibt, diese Bestimmungen für die Top-Athleten umzusetzen. Ich sehe den Punkt, dass wenn sich einer der besten Athleten auf Skirollern oder zu Fuß warm machen muss, das etwas anderes ist. Es muss fair gestaltet sein. Ich persönlich habe das Rennen immer gerne schnell hinter mir, deshalb würde ich am liebsten vorne starten (lacht).
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Voigt exklusiv: Heute weine ich Tränen vor Freude
Quelle: Eurosport
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