Mittendrin. Im wahrsten Sinn des Wortes. Geographisch nämlich liegt Thüringen ziemlich in der Mitte Deutschlands. Und als Corona-Hotspot ist man nicht nur mittendrin, sondern sogar führend, worauf man sicher gerne verzichtet hätte.
Zuletzt gab es mehr als 1000 Neuinfektionen im Freistaat an einem Tag. Bundesweit, so sagt die Statistik, wird Thüringen mit dem höchsten 7-Tage-Inzidenzwert konfrontiert. Die Gesamtzahl der Todesfälle mit Corona-Bezug hat sich dort seit vergangenem Dezember vervierfacht.
Abstand halten, Abstand halten. Das ist derzeit also das Gebot der Stunde. Aber war oder ist da nicht irgendeine größere Veranstaltung in dieser Gegend, quasi rund um das Virus, das schier ständig auf der Suche nach Nahrung zu sein scheint? Richtig, der Biathlon-Weltcup macht Station in Oberhof und im Landkreis Schmalkalden-Meiningen weiß man jetzt auch nicht mehr ein und aus schon gar nicht.
Oberhof
Corona: Vier neue positive Fälle beim Weltcup in Oberhof
14/01/2021 AM 11:01
Denn die Internationale Biathlon-Union (IBU) hat bislang rund um die Rennen 22 positive Corona-Fälle gemeldet, weshalb jetzt in einigen Hotelzimmern Sportler in Quarantäne sind. Und so taucht die Frage auf, ob die Biathlon-Corona-Fälle jetzt zu aktuellen Fällen der Region zählen oder ob diese nicht an ihre Länder gemeldet werden müssten, um aus der örtlichen Statistik herauszufallen. Gut, das ist Haarspalterei und nicht wirklich wesentlich der Kern der Überlegungen.
Die Statistik bekämpft das Virus nicht, sie legt nur das Leid offen, das mit jenen einher geht, die sich infizieren - wobei einige weiterhin meinen, man habe es ja wohl nur mit einer vorübergehenden Problematik zu tun.

Kampf gegen Corona: Schwachstellen wird es immer geben

Dem widerspricht glücklicherweise die Vorgehensweise des Internationalen Biathlon-Verbandes (IBU) und auch des Deutschen Ski-Verbandes (DSV). Dessen gesamtes Team ist in Oberhof in der Rennsteig-Kaserne untergebracht und trägt angeblich fleißig und unentwegt Masken und hält sich überhaupt total und zu einhundert Prozent an die Hygienemaßnahmen. Fast alle tun das jedenfalls, denn irgendwer ist nachlässig gewesen, weshalb ein Teammitglied des DSV von der IBU mit einer Geldstrafe belegt wurde. Die Begründung: Die Schutzmaßnahmen wurden mehrfach nicht befolgt.
Zur Geldstrafe in unbekannter Höhe kam auch noch der Hinweis hinzu, dass bei einem weiteren Vergehen die Akkreditierung entzogen wird. Das heißt, welche Funktion dieses Teammitglied auch immer hat, es wäre dann kein Verbleib mehr möglich in der Mannschaft im weiteren Verlauf der Saison.
Jetzt heißt es zusammenhalten, denn wir alle sollen nicht wissen, um wen es sich handelt. Und das ist vielleicht auch ganz so, denn sehr schnell ist man in diesen Tagen zur Stelle mit einer Hexenjagd, falls der eine oder andere einmal eine Spur zu nachlässig gewesen sein sollte.
Die verständliche Bitte und auch Vorgabe des Abstandhaltens wird zwangsläufig bei jedem Wettkampf sowieso ad absurdum geführt. Im Biathlon und auch im Langlauf, wo die Akteure schwitzend und vermutlich Millionen von Aerosolen ausstoßend um ihre Platzierungen kämpften. Oft auch nur ein paar Zentimeter voneinander getrennt im Zielsprint.

Der Norweger Johannes Thingnes Bö (r.) vor seinem Bruder Tarjei in der Verfolgung von Oberhof

Fotocredit: Getty Images

32 Teams bei Handball-WM: Das Virus jubelt

Und weiter im Süden, in Ägypten, kämpfen die Handballer um den Titel des Weltmeisters in Corona-Zeiten. Es ist in höchstem Maße naiv zu glauben, dass 32 Mannschaften sicher in einer Blase untergebracht werden können.
Zwei Teams haben bereits absagen müssen: Tschechien und die USA. Und einer der Gegner der deutschen Mannschaft, die Kapverden, meldeten sieben positive Corona-Fälle. Zudem ist Handball eher kein körperloses Spiel und statt Abstand halten wird in der Abwehr der Körperkontakt zum Gegner förmlich gesucht, um diesen am Torwurf zu hindern. Das Virus jubelt.
Covid-19 und die jetzt schon ansteckendere Mutation treibt die gesamte Gesellschaft und mit ihr auch den Sport vor sich her. Kitzbühel statt Wengen bei den Alpinen und jetzt doch Flachau, weil im Bezirk Kitzbühel das Virus eine neue Spielwiese gefunden hat. Aber ist Flachau nicht auch in Österreich? Ja doch, aber Salzburger Land, dort wo die Mozartkugeln als Impfstoff gelten. Dann kann ja nichts mehr passieren.

ZUR PERSON SIGI HEINRICH:

Der renommierte Sportjournalist, Buchautor und vielfach ausgezeichnete Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich widmet sind in seinen Blogs der gesamten Vielfalt des Sports inklusive der komplizierten Mechanismen der Sportpolitik. Mal sehr ernsthaft, mal mit einem verschmitzten Augenzwinkern und manchmal auch bewusst provozierend. Es soll ja für alle was dabei sein.
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