Erik Lesser gilt als Mann der klaren Worte. Und auch beim Blick auf die Dominanz der Norweger im Biathlon-Weltcup nimmt er kein Blatt vor den Mund. "Sie sind einfach besser", gab der 32-Jährige zu, ohne mit der Wimper zu zucken: "Sie sind schneller und schießen besser. Sie trainieren besser als wir. Das ist derzeit einfach eine höhere Qualität."
Die skandinavischen Überflieger geben den deutschen Skijägern vor Teil zwei des Heimweltcups in Oberhof Rätsel auf. Man trainiere ja auch "hart", betonte Lesser, aber anscheinend "nicht gut genug".
Allerdings decken die norwegischen Dominatoren nicht nur bei den deutschen Läufern und deren Trainingssystem gnadenlos Defizite auf. In dieser Saison erschüttern sie die Biathlon-Welt wie nie zuvor.
Oberhof
Nach zwei Rennen: Schempp wieder aus Weltcup-Aufgebot gestrichen
11/01/2021 AM 16:51
Bei den Frauen teilten sich Tiril Eckhoff und Marte Olsbu Röiseland die Siege in den vergangenen sechs Einzelrennen untereinander auf, logische Folge ist die Doppelführung im Gesamtweltcup.

Spannender Zielsprint: Norwegisches Duell um Sieg in Oberhof

Zweimal Bö, Lägreid, Dale: Vier Norweger im Gesamtweltcup vorne

Bei den Männern prangt die rote Flagge mit dem dunkelblauen Kreuz im Kampf ums Gelbe Trikot gleich viermal oben im Klassement. Titelverteidiger Johannes Thingnes Bö führt vor den 23-Jährigen Youngstern Sturla Holm Lägreid und Johannes Dale sowie seinem Bruder Tarjei.
Zusammen holten sie acht von elf möglichen Einzelsiegen, dazu 20 von 33 zu vergebenden Podestplätzen. Es seien nicht wie früher nur Einzelläufer wie Ole Einar Björndalen oder Emil Hegle Svendsen, analysiert Simon Schempp: "Jetzt sind sie in der Masse unheimlich stark." Vor allem läuferisch trennen die Norweger dank ihrer "Wikinger-Power" (Tarjei Bö) und dem meist besten Material Welten von der Konkurrenz.
Schießen sie wenige Fehler, dann machen sie das Podest unter sich aus - wie bei ihren beiden Dreifachsiegen bei Teil eins in Oberhof. "Am schwersten ist es derzeit, seine Freunde zu schlagen", sagte Tarjei Bö, mit 32 Jahren der Senior im Team, mit einem schelmischen Grinsen: "Man fühlt sich miserabel, wenn man mit den Jungen im Team nicht mithalten kann. Das spornt an." Der Spirit in der Mannschaft sei "unvergleichlich. Jeder freut sich für den anderen, einer ist für den anderen da."

Highlights vom Sprint der Männer: Die Bö-Show in Oberhof

Peiffer schöpft Mut: "Können sie punktuell schlagen"

Grund zur Freude ist das für die anderen nicht gerade. "Das ist nicht sehr schön", sagte die schwedische Gesamtweltcupvierte Elvira Öberg über die norwegische Dominanz: "Wenn es wird wie im Skilanglauf und nur wenige Nationen vorne sind, werden auch nur noch wenige zuschauen." Beim Blick auf die optimalen Voraussetzungen und den riesigen Talentepool in Norwegen kann schonmal Neid aufkommen.
Dennoch werde keiner im deutschen Team die aktuelle Situation akzeptieren, so Arnd Peiffer. Vielmehr müsse man sich fragen, "was die besser machen". Zwar seien die Norweger "im Schnitt besser, aber wir können sie punktuell schlagen." Eben wenn sie Fehler machen, so wie bei Peiffers Sieg in Hochfilzen kurz vor Weihnachten.
Damit "werden wir uns nicht zufrieden geben", gab der 33-Jährige energisch die Marschroute aus - schon ab Mittwoch soll es am Rennsteig wieder regelmäßig ganz nach vorne gehen.
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(SID)

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