Benedikt Doll stand ratlos im Zielbereich von Zhangjiakou und trauerte der verpassten Medaille nach. Im Einzel-Rennen über 20 km hatte der 31-Jährige die nächste deutsche Biathlon-Sensation nach dem Olympiasieg von Denise Herrmann ins Visier genommen - doch ein verflixter Fehler beim letzten Stehendschießen machte alle Träume zunichte.
"Da ich nicht ganz dumm bin, habe ich mir schon gedacht: Wenn ich fehlerfrei bleibe, kann ich ums Podest laufen", haderte Doll, durch die zweite Strafminute blieb ihm beim Triumph des Franzosen Quentin Fillon Maillet ein sechster Platz. "Das bringt auf jeden Fall nichts", sagte er enttäuscht.
Dem früheren Sprint-Weltmeister aus dem Schwarzwald fehlten mit der viertbesten Laufzeit letztendlich 36 Sekunden auf die Medaillenränge, ein Fehler weniger hätte zu Silber gereicht. "Ich weiß gar nicht so ganz, ob ich jetzt heulen oder mich freuen soll", sagte Doll in der "ARD".
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Der Massenstart-Sieger von Antholz ärgerte sich aber vor allem über seinen ersten Fehlschuss. "Stehend ist nicht meine Spezialdisziplin, eigentlich hätte ich liegend fehlerfrei bleiben müssen", sagte er, "dann hätte ich beim letzten Stehendschießen auch noch diesen Puffer-Fehler gehabt."

Ein Fehler zu viel: Hier vergibt Doll eine Medaille im Einzel

Rees überzeugt als Siebter

Auch Roman Rees zeigte mit nur einer Strafminute ein starkes Rennen, er platzierte sich als zweitbester Deutscher direkt hinter Doll und war sehr zufrieden. "Top Acht war im Rahmen des Möglichen", sagte der 28-Jährige: "Deshalb war es für mich ein rundum gelungenes Rennen." Johannes Kühn und Erik Lesser enttäuschten hingegen mit den Rängen 51 und 67.
Der in der Loipe überragende Fillon Maillet (2 Strafminuten) holte seine erste olympische Goldmedaille vor dem fehlerfreien Überraschungsmann Anton Smolski (Belarus/+14,8 Sekunden). Bronze ging an Norwegens Star Johannes Thingnes Bö (2/+31,1).
Am Dienstag wirkte Herrmanns Sturm zu Gold noch nach. Nachdem die umjubelte Olympiasiegerin mit einem "kleinen Gläschen Sekt" angestoßen hatte, sollte ihr Coup den Männern ebenfalls Schub geben.

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Kühn und Lesser patzen am Schießstand

Bei Doll und Rees funktionierte dies bestens, bei guten Bedingungen mit absolut beherrschbarem Wind schöpften sie eine große Portion Mut für die kommenden Aufgaben. "Das stimmt mich positiv, das gibt mir auf jeden Fall Selbstbewusstsein", betonte Doll.
Seine weiteren Teamkollegen erlebten hingegen ein Rennen zum Vergessen. Bei Kühn, der in dieser Saison im Sprint von Hochfilzen seinen ersten Weltcupsieg gefeiert hatte, blieben gleich sechs der 20 Scheiben stehen. "Das Rennen war praktisch nach zehn Minuten gelaufen", sagte der Bayer, der schon beim ersten Liegendschießen drei Scheiben verfehlt hatte. Lesser, 2014 in Sotschi mit Einzel-Silber dekoriert, schoss stehend fünf Fahrkarten.
Die Biathleten dürfen sich nun auf mehrere Ruhetage freuen. Die Frauen um Olympiasiegerin Herrmann und Franziska Preuß peilen im Sprint am Freitag die nächste Überraschung an, für die Männer steht am Samstag (beide 10:00 Uhr MEZ live im Free-TV bei Eurosport 1 und bei Eurosport auf Joyn!) das kürzeste aller Rennen auf dem Programm.

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(mit SID)

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