Olympia 2026 - Michael Rösch analysiert das deutsche Biathlon-Team der Männer: So stehen die Chancen in Antholz
Die deutschen Biathlon-Männer haben bei Olympia 2026 eine knifflige Mission vor sich. Nachdem es vor vier Jahren bei den Spielen in Peking keine Medaille gab, soll in Antholz der Knoten platzen. "Die Leistungsdichte in der Weltspitze ist verdammt hoch", sagt 2006-Olympiasieger Michael Rösch. Einschüchtern lassen müsse man sich trotzdem nicht, denn es gebe gute Gründe, an Edelmetall zu glauben.
Rösch exklusiv zu Olympia: Hier haben Nawrath und Horn beste Chancen
Quelle: Eurosport
Acht Jahre ist es her, dass die DSV-Männer mit Arnd Peiffer (Gold im Sprint), Simon Schempp (Silber im Massenstart), Benedikt Doll (Bronze in der Verfolgung) und der Staffel (Bronze) olympisches Edelmetall schürften.
Eine ähnliche Ausbeute ist in Antholz nicht zu erwarten, die Vorleistungen aus dem Weltcup legen das nahe. Und dennoch ist Eurosport-Experte Michael Rösch positiv gestimmt.
Es sei trotz der bärenstarken Konkurrenz aus Norwegen, Frankreich, Italien und Schweden "ein gutes Zeichen", dass man mit Philipp Nawrath und Philipp Horn zwei Athleten habe, die im Weltcup bereits Podien holten.
Darüber hinaus gefalle ihm das Selbstvertrauen, mit dem David Zobel auf Olympia (6.2 bis 22.2. live im TV bei Eurosport 1 und im Stream bei HBO Max) blicke. "Ich finde es cool, wenn man mit breiter Brust dahingeht", betont Rösch im Gespräch mit Eurosport.de.
Wie gut ist die deutsche Männerauswahl für die Winterspiele 2026 aufgestellt?
Michael Rösch: Die Leistungsdichte in der Weltspitze ist verdammt hoch. Da muss am Tag X alles passen und funktionieren. Aber: Philipp Nawrath und Philipp Horn haben im Weltcup gezeigt, dass es aus eigener Kraft möglich ist, nach vorne zu kommen. Das ist ein gutes Zeichen. Anders wäre es, wenn du es während der Saison immer gerade noch in die Top 10 schaffst, denn dann wäre der Anspruch einer Medaille bei Olympia vermessen. So allerdings ist bei Nawrath und Horn, wenn es super läuft, vor allem im Sprint alles drin. Justus Strelow selbst hat gesagt, dass bei ihm in den Einzel-Disziplinen wohl nicht um Medaillen geht. Das sehe ich wie er, einfach weil die Laufleistung dafür nicht ganz reicht - es sei denn, er hat das nötige Glück im Einzelrennen über 20 Kilometer.
Da fehlt derzeit die eine Figur mit der Strahlkraft im Team. Nicht falsch verstehen: Das sind alles Top-Biathleten, aber es fehlt noch die Konstanz mit Erfolgen über Jahre.
Ruht die Hoffnung also in erster Linie auf der Staffel?
Rösch: Da und in der Mixed-Staffel ist die Chance sicher am größten auf eine Medaille bei diesen Winterspielen.
Gibt es eine Erklärung dafür, dass die Situation im Moment etwas schwierig ist?
Rösch: Mit Erik Lesser, Arnd Peiffer, Simon Schempp und Benedikt Doll haben die "großen Vier" der jüngeren Vergangenheit aufgehört. Da fehlt derzeit die eine Figur mit der Strahlkraft im Team. Nicht falsch verstehen: Das sind alles Top-Biathleten, aber es fehlt noch die Konstanz mit Erfolgen über Jahre. Möglicherweise geht jetzt in Antholz ein Stern auf.
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Nawrath verrät: Darum lasse ich Nove Mesto aus
Quelle: Eurosport
Vor nicht allzu langer Zeit war nicht damit zu rechnen, dass David Zobel und Lukas Fratzscher den Sprung auf den Olympia-Zug schaffen.
Rösch: Für Lucas freut mich das unheimlich, er war lange Zeit ein Pendler zwischen Weltcup und IBU Cup. Häufig wurde er bei seinem Heim-Weltcup in Oberhof eingesetzt, konnte dort aber meist ergebnistechnisch nicht überzeugen. Dieses Jahr hat es halbwegs gut funktioniert und er hat generell einen Schritt gemacht. Lucas hat sich die Olympia-Nominierung absolut verdient. Vor David Zobel muss man den Hut ziehen. Er hat vor der Saison mit durchaus sportlichen Aussagen aufhorchen lassen und gesagt, dass Olympia sein Ziel und Anspruch ist. Und: Er will eine Medaille. Man muss sehen, ob er einen Einsatz bekommt, aber ich finde es cool, wenn man mit breiter Brust dahingeht. Wenn David in Form ist, kann es aber auch mal in Richtung Top 6 gehen. Von daher bin ich happy, dass diese beiden in Antholz dabei sind.
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Eurosport-Experte Michael Rösch ging bis 2019 im Weltcup an den Start.
Fotocredit: Getty Images
Andere wie Danilo Riethmüller oder Roman Rees sind hingegen nicht am Start.
Rösch: Es ist schade für Danilo, Roman oder auch Johannes Kühn. Gerade Roman ist leider erst zu spät in Form gekommen, denn ihn hätte ich gerne noch einmal bei Olympia gesehen. Am Ende aber sind es fünf andere, die dabei sind. Wobei es bezeichnend ist, dass eben nur fünf Athleten nominiert werden konnten bei den Männern, weil die Vorleistungen nicht mehr Starter hergaben. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass ein leichter Abwärtstrend da ist. Trotzdem überwiegt bei mir ein positives Gefühl.
Mit aller Vorsicht würde ich sagen, dass Nawarth und Horn gesetzt sind - und dann gibt es eine ganze Palette an Konstellationen.
Womit wir wieder bei der Staffel sind, die ja zuletzt mit Rang drei beim Weltcup in Ruhpolding überzeugte. Wie sieht die wahrscheinlichste Aufstellung aus?
Rösch: Da hängt sicher einiges von den jüngsten Leistungen im Trainingslager in Obertilliach ab. In der Staffel könnte ich mir Nawrath und Horn und dazu Strelow als guten Startläufer vorstellen ... bliebe noch ein vakanter Platz. Denkbar wäre auch, dass Zobel den Startläufer macht und Fratzscher ebenfalls reinkommt. Mit aller Vorsicht würde ich sagen, dass Nawarth und Horn gesetzt sind - und dann gibt es eine ganze Palette an Konstellationen für die weiteren Positionen.
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Strelow: "Von einer Medaille zu sprechen, wäre vermessen"
Quelle: Eurosport
Du selbst warst 2006 Olympiasieger in der Staffel. Wie lange vorher hat der Trainer die Aufstellung bekannt gegeben und wie war das Prozedere?
Rösch: Meiner Erinnerung nach wusste ich zwei Tage vorher Bescheid und konnte mich so mental gut darauf einstellen. Es gibt da je nach Coach unterschiedliche Ansätze, aber ich war immer ein Freund davon, ein wenig Vorlauf zu haben - auch wenn ich bei Olympia damals total nervös war (lacht). Letztlich gilt immer: Wenn du am Start bist, musst du liefern.
Vielen Dank für das Gespräch.
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Gold-Jagd in Antholz: Der Kurs für die Mixed-Staffel bei Olympia
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