Biathlet Philipp Nawrath im Eurosport-Interview vor Saisonstart: "So etwas erreicht zu haben, ist Wahnsinn"

Philipp Nawrath gehört zu den großen Hoffnungsträgern der deutschen Biathlon-Herren. Nach seinem ersten Weltcupsieg und dem Gelben Trikot im Vorjahr will er im kommenden Winter erneut angreifen. Im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de verrät der 31-Jährige, wie er mit dem DSV-Team den Weggang von Benedikt Doll kompensieren, gegen die dominanten Norweger bestehen und an alte Erfolge anknüpfen will.

Nawrath optimistisch: "Sind in der Lage, um Gelb zu kämpfen"

Quelle: Eurosport

Philipp Nawrath ist auf den Geschmack gekommen.
Der 31-Jährige sorgte im Vorjahr mit seinem ersten Einzelsieg beim Weltcup-Auftakt in Östersund für einen regelrechten Paukenschlag.
Die Belohnung war das Gelbe Trikot, das er zunächst sogar verteidigen konnte.
"Das war ein großartiges Ereignis und ein toller Erfolg. So etwas in seiner Karriere erreicht zu haben, ist Wahnsinn", blickt Nawrath im Gespräch mit Eurosport.de zurück.
Kein Wunder also, dass sich der Routinier auch für den kommenden Winter hohe Ziele gesteckt hat.
Im exklusiven Interview spricht er darüber, wie er mit dem deutschen Team den Weggang von Anführer Benedikt Doll kompensieren, gegen die dominanten Norweger bestehen und an die Erfolge aus der Vorsaison anknüpfen will.
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Philipp Nawrath bejubelte im Januar 2024 den Podestplatz der deutschen Staffel beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding

Fotocredit: Getty Images

Herr Nawrath, bis zum ersten Weltcup-Rennen sind es noch rund zwei Wochen hin. Wie läuft die Saisonvorbereitung?
Philipp Nawrath: Die Vorfreude ist schon riesig. Das Training im Sommer war super und ich denke, dass ich gut in Form bin. Obwohl noch ein paar Vorbereitungstage dazwischen liegen, freue ich mich schon sehr auf den Saisonstart.
Mit Ihrem ersten Weltcupsieg in Östersund und dem Gelben Trikot waren Sie im Vorjahr einer der Protagonisten des starken deutschen Saisonstarts. Halten Sie einen ähnlichen Coup in Kontiolahti für möglich? 
Nawrath: Möglich ist selbstverständlich alles. Wir hatten damals im Vergleich zur Konkurrenz ein sehr gutes Material, das hat eine große Rolle gespielt. Wenn ich mir die momentanen Leistungstests untereinander ansehe, denke ich, dass wir alle in einer guten Verfassung sind. Wir sind definitiv imstande, wieder ums Podest mitzukämpfen.
Das große Ziel ist ohne Frage, sich das Gelbe Trikot im Laufe des Winters wieder zu krallen. Das war ein großartiges Ereignis und ein toller Erfolg. So etwas in seiner Karriere erreicht zu haben, ist Wahnsinn.
Ist das Gelbe Trikot für Sie erneut ein Ziel oder liegt der Fokus mehr auf der WM im Februar in Lenzerheide? 
Nawrath: Das große Ziel ist ohne Frage, sich das Gelbe Trikot im Laufe des Winters wieder zu krallen. Das war ein großartiges Ereignis und ein toller Erfolg. So etwas in seiner Karriere erreicht zu haben, ist Wahnsinn. Der Blutgeschmack ist also da und man will dort wieder hin. Realistisch betrachtet - auch im Hinblick auf die Vorsaison - gehört aber wahnsinnig viel dazu, diese Leistungen im gesamten Verlauf zu bestätigen. Ich denke, eine Top-5-Platzierung im Gesamtweltcup wäre eine Riesensache für mich.
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Nawrath wimmelt Christiansen ab und bleibt in Gelb

Quelle: Eurosport

Im Gesamtweltcup der vergangenen Saison kamen sechs der besten sieben Athleten aus Norwegen. Wie kann man die schier übermächtigen Norweger schlagen? 
Nawrath: Unser Technikerteam muss alles reinhauen. Wir hoffen, dass wir in dieser Hinsicht einen weiteren Schritt nach vorne gemacht haben - gerade was die wärmeren Bedingungen angeht. Unsere Schießleistungen gehören aber genauso dazu. Wir müssen zusehen, dass wir von der Trefferquote her in der Lage sind, vorne mit dabei zu sein. Wenn wir das schaffen, steht dem Vorhaben, den Norwegern wieder mehr Paroli zu bieten, nichts im Wege.
Gegen Ende der letzten Saison war beim deutschen Team etwas die Luft raus. Woran haben Sie im Sommer speziell gearbeitet, um den Fokus wiederzufinden? 
Nawrath: Einerseits haben wir im physischen Bereich versucht, mehr Tempovariabilität reinzubringen. Außerdem haben wir daran gearbeitet, die Lauffrequenz zu erhöhen. Wir hatten ein paar Anhaltspunkte, anhand derer wir gesehen haben, in welchem Bereich sich die Top-3 bewegen. Daher haben wir das in den Lehrgängen vermehrt eingebaut. Ich selbst versuche, an meinem Style zu arbeiten - auch, was das Schießen angeht. Ich will eine eigene Philosophie durchsetzen und das Ganze nicht durch äußere Einflüsse verkomplizieren. Das ist ein wichtiger Punkt. Außerdem versuche ich, gewisse Erfolgserlebnisse neu zu entfachen und zu visualisieren.
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Philipp Nawrath geht mit klaren Zielen in die neue Weltcup-Saison

Fotocredit: Getty Images

Durch den Abgang von Benedikt Doll rücken Sie nach ihren starken Ergebnissen in der vergangenen Saison noch mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Haben Sie sich mit der neuen Aufmerksamkeit in der Saisonvorbereitung beschäftigt und sich eventuell auch mental darauf vorbereitet? 
Nawrath: Bisher haben wir die Dinge einfach so laufen lassen. Jetzt werden wir sehen, wo es hingeht. Die sportlichen Leistungen spielen dabei auch eine Rolle. Als Athlet möchte man selbstverständlich, dass das Team insgesamt eine gute Performance abliefert. Das vergangene Jahr hat gezeigt: Wenn es einer packt, dann ziehen die anderen nach. Das Ziel ist, dass wir immer einen haben, der vorne dabei ist. Ich für meinen Teil habe versucht, gut zu trainieren und meine Leistungsentwicklung auszubauen. Ich denke, das hat ganz ordentlich geklappt.
Zuletzt gab es große Aufregung um die neue Startgruppen-Regelung, bei der ab sofort die besten Athleten im Weltcup weiter hinten starten und sich nicht mehr ihre Startgruppe auswählen dürfen. Wie finden Sie diese neue Regelung? 
Nawrath: Ich stehe den Änderungen gar nicht so negativ gegenüber. Immerhin gab es in der Vergangenheit Rennen, in denen man hinten raus noch ums Podium mitgekämpft hat. Aufgrund der Tatsache, dass auch die anderen 15 besten Athleten um einen herum sind, ist die Veränderung möglicherweise gar nicht so gravierend, wie vermutet – wenn auch die Bedingungen nicht mehr die besten sind. Aus Sicht der IBU macht das Gesamtkonzept natürlich Sinn, da es zusätzlich Spannung erzeugt, wenn jemand außerhalb der Topgruppe eine starke Performance abliefert, an der sich die Favoriten im Anschluss versuchen, zu orientieren. Für den Verband ist das ein logischer Schritt, hinter dem ein kluger Plan steckt. Mir persönlich ist wichtig, dass es vernünftige Einlaufrunden gibt, in denen sich die Sportler wie früher entsprechend vorbereiten können.

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Nervenstarker Schlussläufer: Nawrath sichert Rang zwei

Quelle: Eurosport


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