"Ich fühle mich gut gerüstet. Es lief ganz gut", sagte der 31-Jährige dem "SID" nach seiner zweistündigen Einheit bei traumhaftem Wetter. Den kräftezehrenden Wettkampf über 20 km will er trotz aller Euphorie aber besonnen angehen, "es bringt nämlich nichts", erklärte Lesser, "wenn ich gut anfange und dann in der dritten Runde irgendwann krachen gehe".
Dann wäre der Traum von einer Teilnahme bei den Titelkämpfen in Antholz (13. bis 23. Februar) endgültig geplatzt. Lesser, der bereits seit Montag in Slowenien trainiert und wertvolle Erfahrungen auf der sehr anspruchsvollen Strecke sammeln konnte, fehlt noch immer die vom Deutschen Skiverband (DSV) geforderte Norm. Um die zu erfüllen, sollte er im Einzel unter die besten Acht kommen - die Taktik dafür hat er sich bereits zurechtgelegt.
"Am Schießstand muss auf alle Fälle die Null stehen. Vielleicht darf ich mir maximal auch einen Fehler erlauben, mehr aber nicht", sagte Lesser, der "nichts Besonderes" veranstalten und ein "vernünftiges Rennen" abliefern will. Der bevorstehende Wettkampf ist Mutmacher und Warnung zugleich.
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Einzelwettkampf ist für Lesser Fluch und Segen zugleich

Mit dem anspruchsvollen Klassiker sammelte Lesser in seiner Karriere nämlich wechselhafte Erfahrungen. So hatte er beispielsweise bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi die Silbermedaille im Einzel gewonnen oder beim Saisonauftakt 2012 in Östersund den dritten Rang belegt. In den Statistiken finden sich allerdings auch krasse Ausreißer nach unten - wie der 72. Platz zu Beginn der aktuellen Saison.
Dass sich der Thüringer mit seinen weiteren schwachen Resultaten (33., 70., 82.) die "Strafversetzung" in den zweitklassigen IBU-Cup einhandelte, lag unter anderem an den unterdurchschnittlichen Leistungen am Schießstand. Jeder vierte Schuss verfehlte das schwarze Ziel. In den vergangenen Jahren hatte Lesser mit seiner starken Teildisziplin regelmäßig eine Trefferquote von knapp 90 Prozent geliefert.

100 Prozent Leistung für ein Platz unter den Top acht

"Mit einer hundertprozentigen Leistung", sagte Lesser nun vor dem mit Spannung erwarteten Comeback, "habe ich ganz gute Chancen auf die Top 8". Allerdings, und das ist die Krux an der ganzen Sache, "das ist eben auch nichts Alltägliches". Schon gar nicht in seiner äußerst kniffligen Situation. Und erst recht nicht, wenn ihm der Schießstand in Pokljuka nicht so wirklich taugt.
Vor seinem 222. Weltcup-Start will er sich auch deshalb ganz auf die bevorstehende Aufgabe fokussieren und (noch) keine Gedanken an ein mögliches Happy End verschwenden. "Erst wenn ich mich für die WM empfohlen habe", sagte Lesser, "werde ich mir überlegen, was eine Teilnahme für mich bedeuten würde."
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(SID)

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