Nach seiner unwiderstehlichen Aufholjagd reckte Schlussläufer Philipp Nawrath beide Arme in die Höhe und umarmte seine Teamkollegen mit einem breiten Grinsen. Die deutschen Biathleten sind in der dritten Staffel des Olympia-Winters beim Heim-Weltcup in Ruhpolding erstmals aufs Podium gestürmt, auf Platz zwei fehlten nur sieben Sekunden auf die Sieger aus Russland.
"Es war schon ein Fingerzeig für uns", sagte Nawrath mit Blick auf Olympia im "ZDF": "Wenn jeder sein Ding macht, sind wir durchaus in der Lage, da mitzuhalten." Drei Wochen vor den Winterspielen in Peking (4. bis 20. Februar) zeigte das DSV-Quartett um Erik Lesser, Roman Rees, Benedikt Doll und Nawrath eine geschlossen starke Vorstellung und sammelte weiter Selbstvertrauen.
Mit nur zwei Nachladern lieferten die DSV-Männer am Samstag die beste Schießleistung in der Chiemgau-Arena ab. Russland benötigte vier Ersatzpatronen, Belarus auf Rang drei (+23,0 Sekunden) sechs Nachlader. "Es war ein gutes Rennen. Dass ich stehend fehlerfrei blieb, ist das Highlight heute", freute sich der Sprint-Zweite Doll.
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In den beiden ersten Staffel-Rennen des Olympia-Winters in Östersund und Hochfilzen hatten die DSV-Männer das Podium als Vierte jeweils knapp verpasst. Die Norweger, Sieger der ersten beiden Staffel-Wettbewerbe, traten ohne ihre Stars an, die derzeit ein Höhentrainingslager absolvieren - und wurden Siebter.

Kampf um den Staffel-Sieg: Nawrath jagt Tsvetkov auf der Schlussrunde

Lesser unzufrieden, Nawrath stark

In Abwesenheit des an Corona erkrankten Johannes Kühn, einziger deutscher Saisonsieger, übergab Startläufer Lesser an fünfter Position mit 18,2 Sekunden Rückstand. Allerdings verlor der Routinier auf der Schlussrunde wertvolle Zeit. "Die letzte Runde ärgert mich. Es hat grundsätzlich überall gefehlt, ich hatte nicht so einen Punch wie am Donnerstag", sagte der Thüringer, der im Sprint starker Sechster geworden war.
Auch das perfekte Schießen blieb Lesser erneut verwehrt, der letzte Schuss im Stehendanschlag verfehlte nur knapp das Ziel. Rees blieb fehlerfrei, dem 28-Jährigen passierte aber ein kleiner Fauxpas: Er rutschte bei der Anfahrt zur Matte am Schießstand aus.
Dies sei "eine unglückliche Situation" gewesen, "ein Rückwärtssalto auf den Arsch". Trotzdem blieb Rees cool, auch Doll benötigte nur einen Nachlader und übergab mit 29 Sekunden Rückstand an Nawrath. Dieser zündete den Turbo und blieb fehlerfrei - zum erhofften Sieg reichte es aber nicht mehr. "Die Lücke war zu groß am Schluss, aber es war knapp", sagte er.

Olympia: Sechster Quotenplatz für DSV

Im olympischen Qualifikations-Ranking behauptete die Mannschaft von Bundestrainer Mark Kirchner den dritten Platz vor Schweden, wodurch sich die DSV-Männer über einen sechsten Quotenplatz für die Winterspiele in Peking freuen dürfen.
Zum Abschluss der Ruhpolding-Woche stehen am Sonntag die Verfolger der Frauen (12:45 Uhr) und Männer (14:45 Uhr live auf Eurosport) auf dem Programm. Danach geht es am Montag zur Olympia-Einkleidung nach München, ehe in Antholz (20. bis 23. Januar) die letzten Rennen vor den Winterspielen stattfinden.
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(SID)

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