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Biathlon-WM in Hochfilzen: Streit zwischen Martin Fourcade und Russland eskaliert

Streit zwischen Fourcade und russischen Biathleten eskaliert

11/02/2017 um 12:16Aktualisiert 11/02/2017 um 23:16

Martin Fourcade klatscht höhnisch und springt vom Siegerpodest. Die Biathlon-WM in Hochfilzen hat schon am ersten Tag ihren ersten Eklat. Fourcade und der des EPO-Dopings überführte Alexander Loginow verlagern ihren Disput bei der Mixed-Staffel in die Loipe und sorgen auch bei der Siegerehrung für Aufsehen. Auf der anschließenden Pressekonferenz ist sogar von "Kaltem Krieg" die Rede.

Aus Hochfilzen berichtet Fabian Kunze

Der neue Weltmeister war auf einmal nur noch Statist. Während das deutsche Quartett bei der Flower Ceremony in Hochfilzen nach der erfolgreichen Mixed-Staffel noch freundlich lächelte, gefroren links und rechts die Mienen.

Zwischen Martin Fourcade, Superstar der zweitplatzierten Franzosen, und den Bronzemedaillengewinnern aus Russland eskalierte die ohnehin angespannte Situation, so dass hinterher auf der Pressekonferenz sogar der Begriff "Kalter Krieg" die Runde machte.

Martin Fourcade verlässt die Siegerehrung

Was ist passiert?

Das russische Team um den gerade erst aus einer zweijährigen Dopingsperre ins Wettkampfgeschehen zurückgekehrte Alexander Loginow hatte dem französischen Weltcup-Dominator bei der Siegerehrung zur Mixedstaffel den Handschlag verweigert, worauf dieser zunächst höhnisch applaudierte und dann direkt die Szenerie verließ.

Martin Fourcade

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"Ich habe Fourcade gegrüßt und wollte ihm meinen Respekt zeigen, aber er wollte mir nicht die Hand schütteln", sagte Loginow hingegen der russischen Agentur "TASS". "Wir sind in der Mannschaft eine Familie und stehen füreinander ein", sagte der Staffel-Olympiasieger Anton Schipulin.

Video - Eklat bei der Siegerehrung: Kein Handschlag, Fourcade verlässt Podium

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Schipulin schießt gegen Fourcade, der keift zurück

Wenig später eskalierte die Situation auf der Pressekonferenz endgültig.

"Wir haben heute Situationen gesehen, in denen es viel Negativität der Franzosen gegen uns gegeben hat", versuchte Russlands Schlussläufer Schipulin das Verhalten seines Teams zu erklären und schob mit Blick auf Fourcade hinterher:

"Das gesamte Verhalten war nicht besonders nett."

Aufreger beim Wechsel

Keine drei Meter entfernt und nur durch das deutsche Sieger-Quartett von Schipulin getrennt, nahm Fourcade den Fehdehandschuh auf:

"Kannst du erklären, was ich getan habe?"

Und ob Schipulin das konnte - und er wollte auch:

"Wir können uns ja noch mal den dritten Wechsel anschauen!"

Gemeint: Der Staffel-Wechsel von Loginow auf Schipulin (Russland) sowie der von Quentin Fillon-Maillet auf Fourcade (Frankreich), den der Russe anprangerte. Fourcade war in der Wechselzone einen Schlenker gelaufen und dabei Loginows Ski gequert, der daraufhin stürzte. Daraus ergab sich zwar kein Nachteil für Russland, weil Loginow seine Runde gerade beendet hatte. Für weiteren Zündstoff sorgte die Aktion dennoch.

Doppel-Olympiasieger Fourcade schaffte es im Zielsprint letztlich auf Rang zwei und bejubelte das betont ausgelassen.

Video - Aufreger beim Wechsel: Fourcade bringt Loginow zu Fall

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Fourcade will nichts falsch gemacht haben

Hinterher war sich Fourcade freilich keiner Schuld bewusst, bemängelte, man habe ihm später auch gar nicht die Hand reichen wollen:

"Ich habe in keiner Situation etwas falsch gemacht. Ich bin etwas traurig."

Russland forderte Sanktionen gegen Fourcade

Der Stein des Anstoßes - Rückblick: Loginow war wegen EPO-Missbrauchs für zwei Jahre aus dem Verkehr gezogen worden, im November des vergangenen Jahres lief seine Sperre aber ab. Nach drei Erfolgen in der Vorwoche bei der EM wurde er für die WM in Hochfilzen nominiert - und gewann prompt mit dem russischen Team Bronze.

Anti-Doping-Vorkämpfer Fourcade hatte sich vor Hochfilzen in einem Statement kritisch zur Nominierung Loginows für die WM geäußert und daran erinnert, dass der Russe gerade erst eine Sperre als überführter Doper abgesessen habe.

Daraufhin forderte der russische Verband beim Biathlon-Weltverband IBU Sanktionen gegen Fourcade. Das Statement des Franzosen ist mittlerweile gelöscht, die Sanktionen blieben aus.

"Ich bin überrascht, dass sich der Präsident des russischen Verbands sich und seine Athleten auf diese Weise so disqualifiziert", sagte Fourcade.

Martin Fourcade

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Russische Mixed-Staffel umbesetzt

Pikant: Dem Showdown zwischen Fourcade und Loginow hätte man ganz einfach aus dem Weg gehen können. Doch der Russe lief auf Geheiß von oben im Mixed mit.

Der russische Biathlon-Trainer Ricco Groß meinte jedenfalls, dass die Nominierung des Überführten nicht von ihm aus erfolgt war. Groß bei "Sky Sport News HD":

"Wir wollten eigentlich eine komplett andere Mannschaft laufen lassen. Aber der Verband hat sich dann für diese Aufstellung entschieden. Es gibt natürlich Sachen, die werden über einen hinweg entschieden."
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