Vom 22. bis 28. März kämpft die internationale Eiskunstlauf-Elite bei der Weltmeisterschaft in Stockholm um Edelmetall.
Eurosport berichtet live und ausführlich von den Titelkämpfen in Schweden, die gleichzeitig als Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking fungieren.
Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich und Eiskunstlauf-Experte Hendryk Schamberger begleiten die WM gemeinsam am Mikrofon.
Weltmeisterschaften
Hochspannung auf dem Eis: Eiskunstlauf-WM live bei Eurosport
22/03/2021 AM 08:55
Im Vorfeld der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft äußert sich das Duo zu den Topfavoriten, dem Stellenwert der WM sowie den deutschen Medaillenchancen.

Eiskunstlauf-Experte Hendryk Schamberger über ...

... seine Erwartungen an die Eiskunstlauf-WM in Stockholm: "Ein richtiges Aufeinandertreffen der besten Eiskunstläufer/innen ist nun fast zwei Jahre her. Es gab zwar dieses Jahr eine Grand-Prix-Saison, die aber eigentlich wertlos ist. Denn bei den Grand Prixs durften nur Läufer und Läuferinnen antreten, die auch in der jeweiligen Region trainieren. Das heißt, wenn der Grand Prix in Amerika stattfindet, dürfen nur Athlet/innen teilnehmen, die auch in Amerika trainieren. Das hatte zur Folge, dass es kein wahres Aufeinandertreffen der Top-Nationen gab. Von daher ist die Spannung natürlich sehr groß und es wird interessant zu sehen sein, wer seine Leader-Position behalten oder verloren hat."
... die russische Dominanz in der Einzelkonkurrenz der Damen: "Es gibt Wettbewerbe, bei denen man das Ergebnis schon erraten kann. Ganz klar ist es bei den Damen: Da stellt sich die Frage, ob irgendjemand die drei Russinnen Anna Shcherbakova, Alexandra Trusova und Elizaveta Tuktamysheva schlagen kann. Denn die Russinnen haben in den letzten drei Jahren ihren Vorsprung weiter ausgebaut und das Damen-Eiskunstlaufen in eine ganze neue Liga gebracht. Die besten russischen Damen haben fast denselben technischen Inhalt und technischen Sprünge wie die besten Herren. Das gab es in der Geschichte des Eiskunstlaufens noch nie. Der Rest der Welt läuft da eine Leistungsklasse hinterher. Meiner Meinung nach wurde dieser Leistungsunterschied noch größer, weil der Trainingsbetrieb in Russland fast normal weitergelaufen ist. Es gab eine russische Grand-Prix-Serie und russische Meisterschaften. Während dem Rest der Welt die Wettbewerbe gefehlt haben, fanden in Russland die ganze Zeit Wettkämpfe statt. Es gab nie eine Pause, sondern sie haben einfach weitergemacht. So wird der Wettkampf bei den Damen sehr deutlich sein. Wenn keine Russin gewinnt, wäre das wie ein Lottogewinn für eine andere Läuferin."
... die Favoriten in der Einzelkonkurrenz der Herren: "Bei den Herren ist die Situation ganz anders. In den letzten Jahren gab es einen Dreikampf zwischen USA, Kanada und Japan. Es scheint so, als ob es auch so weitergehen würde. Die Russen stellen keine absoluten Medaillenkandidaten. Da wird sich im Vergleich zu der Situation vor der Pandemie nicht so wahnsinnig viel verändert haben. Die Favoriten kommen aus Japan und Nordamerika. Trotzdem wird es spannend, denn Yuzuru Hanyu, der Olympia-Sieger aus Japan, ist älter geworden und man fragt sich, ob er noch seine volle Leistung abrufen kann. Sein größter Konkurrent wird Nathan Chen aus den USA sein. Es ist schwer zu sagen, wer bei der Herrenkonkurrenz derzeit am besten ist. Die klaren Favoriten sind sicherlich Hanyu und Chen. Es gibt noch andere, die man nennen könnte. Aber die beiden sind für mich die Topfavoriten."
... den Favoritenkreis im Paarlauf: "China und Russland werden den Wettkampf unter sich ausmachen. Auch wenn man die chinesischen Paare nur bei ihrem Cup of China gesehen hat. Die Favoriten werden Sui Wenjing und Han Cong aus China und Evgenia Tarasova und Vladimir Morozov aus Russland sein. Da spielen die Nordamerikaner keine wirklich große Rolle. Vielleicht wird es mit ein bisschen Glück eine Bronzemedaille für Kanada geben."
... die Medaillenkandiaten im Eistanz: "Leider wird es nicht zu dem Duell zwischen Frankreich und Russland kommen, weil die französischen Topstars Gabriella Papadakis und Guillaume Cizeron nicht antreten werden. Damit sind die russischen Paare Viktoria Sinitsina und Nikita Katsalapov sowie Alexandra Stepanova und Ivan Bukin die große Favoriten auf den WM-Titel. Zudem könnten es noch die Amerikaner Madison Chock und Evan Bates auf das Podium schaffen."
... die Chancen der deutschen Teilnehmer/innen: "Ich würde mich freuen und es wäre eine Sensation, wenn die deutschen Teilnehmer/innen Top-10-Plätze belegen würden. Jedoch ist die Konkurrenz groß. Zudem musste leider das deutsche Eiskunstlaufpaar Minerva Hase und Nolan Seegert verletzungsbedingt absagen. Sie wären auf der internationalen Ebene konkurrenzfähig gewesen."

Tränen des Glücks bei Savchenko/Massot nach erlösendem Gold

Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich über ...

... seine Erwartungen an die Eiskunstlauf-WM in Stockholm: "Sie können sich ganz besonders auf die Auseinandersetzung bei den Herren zwischen Nathan Chen und Yuzuru Hanyu freuen. Das wird sicherlich eines der Highlights bei den diesjährigen Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften sein. Zudem ist es interessant zu sehen, in welcher Form sich die Athlet/innen befinden, da die WM auch der letzte Test vor den Olympischen Winterspiele in Peking sein wird."
... den Stellenwert der WM in Stockholm, die gleichzeitig als Qualifikation für die Olympischen Winterspiele in Peking 2022 dient: "Sehr wahrscheinlich müssen sie ihr Olympia-Programm zeigen - recht viele Veränderungen wird es dann nicht mehr geben. Das ist auch einer der Gründe, warum Gabriella Papadakis und Guillaume Cizeron im Eistanzen bereits für die WM abgesagt haben. Sie werden nicht teilnehmen, weil sie sich jetzt schon auf die Olympischen Spiele konzentrieren. Sie umgehen diese Weltmeisterschaften. Die anderen Teilnehmer/innen haben nicht mehr Druck als sonst. Das bringe ich nicht in Verbindung mit den Olympischen Spielen."
... die Situation, dass die WM vor leeren Zuschauerrängen stattfindet: "Für die Athlet/innen wird es so sein wie im Training. Da sind auch keine Zuschauer dabei. Die Eiskunstläufer/innen werden ihr Programm abspulen. Das wird natürlich ungewohnt sein. Für mich ist es unverständlich, warum die anderen Veranstaltungen abgesagt wurden. Man hätte schon letztes Jahr eine sogenannte Blase bilden können. Eishockey wird beispielsweise seit Monaten gespielt. Man hätte sicherlich mehr machen können. Meiner Meinung nach gab es da seitens der ISU leichte Versäumnisse. Jedoch werden alle heilfroh sein, dass überhaupt mit der WM ein erster richtiger Wettkampf vor Peking durchgeführt werden kann."
... die Chancen der deutschen Teilnehmer/innen: "Da bin ich sehr gespannt. Der Berliner Paul Fentz ist bei der Europameisterschaft 2020 in Graz Achter geworden. Nicole Schott ist fünffache Deutscher Meisterin im Eiskuntlauf der Damen. Da hoffen wir auf Top-10-Plätze. Das wäre das Maximale, was herauszuholen wäre. Top-10-Platzierungen von den beiden wären wirklich phänomenal."
... mögliche Nachfolger von Aljona Savchenko und Bruno Massot: "Da gibt es keine Nachfolge - das ist momentan nicht möglich. Zum einen ist das Potential bei den anderen nicht vorhanden und zum anderen waren Savchenko und Massot ein Ausnahme-Paar. Solche Paare haben auch andere Länder nicht jedes Jahr oder in einer gewissen Periode. Wenn solche Ausnahmetalente aufhören, dann entsteht automatisch eine Lücke, die man nicht sofort schließen kann. Denn so dicke haben wir es im Eiskunstlaufen in Deutschland leider nicht. Auf absehbare Zeit werden wir uns bei Weltmeisterschaften sicherlich nicht im vorderen Bereich bewegen. Bei Europameisterschaften werden wir maximal ein paar schöne Plätze erobern. Aber mehr als schöne Platzierungen werden es auch nicht werden. Das hört sich ein wenig hart an, aber wir können ja keinen goldenen Kranz flechten, wenn wir nur Dornen zur Verfügung haben."
... seine gemeinsame Eiskunstlauf-Erfahrung mit Hendryk Schamberger: "Hendryk war ja ein erfolgreicher Eistänzer - vor allem in Lillehammer (bei den Olympischen Winterspielen 1994; Anm. d. Red.). Und ich habe mich unter seiner Führung aufs Eis gewagt (lacht). Wir haben das erste Mal in 1998 gemeinsam die Weltmeisterschaften kommentiert. Das war damals in Helsinki. Und seitdem machen wir das eigentlich immer zusammen. Das ist wirklich schon eine lange Zeit."
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