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Claudia Pechstein holt zum Rundumschlag gegen DESG-Führung aus
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Publiziert 15/11/2019 um 13:34 GMT+1 Uhr
Die fünfmalige Olympiasiegerin Claudia Pechstein hat nach der Streichung ihres Partners Matthias Große aus dem Betreuerstab des Eisschnelllauf-Nationalteams zum Gegenangriff ausgeholt. In einem offenen Brief bei Facebook prangerte sie angebliche Missstände bei der DESG an und unterstellte Sportdirektor Matthias Kulik die "vorsätzliche Schädigung meines sportlichen Weges und meines Umfeldes".
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Zwei Tage hielt Claudia Pechstein in der Öffentlichkeit still. Zwei Tage, in denen sich die fünfmalige Olympiasiegerin vor dem Weltcup-Start der Eisschnellläufer so ihre Gedanken machte über die Ausbootung ihres Lebensgefährten Matthias Große aus dem Betreuerstab der Nationalmannschaft. Der vergleichsweise späte Zeitpunkt der Reaktion überraschte, Tonfall und Inhalt ihrer Kritik dagegen nicht.
1621 Wörter lang ist Pechsteins massiver Rundumschlag auf Facebook, der mit der höflichen Anrede des "sehr geehrten" DESG-Sportdirektors Matthias Kulik beginnt. Was folgt, ist eine Abrechnung vor allem mit Kulik und Bundestrainer Erik Bouwman, die schärfer kaum ausfallen könnte und auch eine vermeintlich fehlende Distanz zu Ex-Läufer Robert Lehmann-Dolle beinhaltet. Dieser ist mutmaßlich in den Doping-Skandal um den Erfurter Sportarzt Mark S. verwickelt.
Unter anderem eine "vorsätzliche Schädigung meines sportlichen Weges und meines Umfeldes" warf Pechstein Kulik vor, der mit Großes Ausschluss ein in ihren Augen "ganz übles Foul, nicht nur an Matthias, sondern vor allem auch an mir" begangen habe.
DESG kritisiert die Art und Weise der Kommunikation
Uwe Rietzke, einer von zwei verbliebenen Mitgliedern im DESG-Präsidium, reagierte frustriert. "Ich finde es sehr schade und schlecht, dass sie diesen Weg des öffentlichen Prangers benutzt", sagte er dem SID am Freitag. Man werde mit ihr die einzelnen Themen besprechen: "Der Fokus sollte bei ihr auf dem Wettkampf liegen." Pechstein startete am Freitag in Minsk über 3000 m in ihre Weltcup-Saison.
Mit ihrer Schelte folgt Pechstein einem altbekannten Muster. Ihr Umfeld unterteilt sie in Gegner und Verbündete. Frühere Trainer bescheinigten, sie brauche einen Gegner, ja, ein Feindbild, um sich zu motivieren. Kulik nannte es zuletzt schlichtweg "Reibung".
Früher fand sie diese auf dem Eis. Der "Zickenzoff" mit Anni Friesinger-Postma, Gunda Niemann-Stirnemann oder zuletzt Stephanie Beckert lieferte dem Boulevard viel Stoff. Ihre einstigen Rivalinnen haben ihre Karrieren beendet, Gegnerinnen auf dem Eis hat Pechstein in Deutschland nicht mehr, was angesichts ihres Alters von 47 Jahren eine herausragende Leistung und zugleich ein Armutszeugnis für den Verband ist.
Die nötige Reibung findet Pechstein nun woanders: Im Verband. Über dessen Lage hatte sie sich bereits in der Vergangenheit beschwert. Zuletzt überwarf sie sich mit Bouwman, der laut Pechstein "keinen Bock" auf eine Zusammenarbeit mit ihr habe. Seither trainiert sie mit der polnischen Mannschaft.
Pechstein fordert Gespräch
Eine neue Dynamik entwickelte der Disput nach dem überraschenden Rücktritt von DESG-Präsidentin Stephanie Teeuwen in der vergangenen Woche. Pechstein brachte Große als Nachfolger ins Gespräch, dieser machte Wahlkampf für sich und prangerte dabei die Missstände in der DESG an. Für Kulik, der betonte, für einen direkten Austausch weiter bereitzustehen, schoss er dabei über das Ziel hinaus. Zwei Tage später meldete sich Pechstein zu Wort.
Am Donnerstag kündigte Pechstein in Richtung Kulik an, dass es "nunmehr meinerseits allerhöchste Zeit ist für ein sehr dringendes klärendes Gespräch mit den Verantwortlichen des DOSB und auch gern des BMI (Bundesministerium des Innern, d. Red.)."
Auf "SID"-Anfrage am vergangenen Montag zu den Entwicklungen in der DESG und Großes Eignung als Verbandspräsident hatte DOSB-Präsident Alfons Hörmann auf die "Verbandsautonomie unserer Mitgliedsorganisationen" verwiesen. Die Entwicklungen in der Führungsstruktur der DESG erfüllten den DOSB "mit Sorge", zu Einzelpersonen nehme man aber "keinerlei Stellung".
(SID)
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