Olympia 2024: Formeller Protest - Italien tobt nach verlorenem Fecht-Finale gegen Tokio-Olympiasieger aus Hongkong
VonLukas Fegers
Update 30/07/2024 um 11:28 GMT+2 Uhr
Einen Tag nach dem Wutausbruch des georgischen Säbelfechters Sandro Bazadze ist der Pariser Grand Palais erneut Schauplatz eines hitzigen Finals geworden - samt kontroverser Entscheidung. Im Kampf um olympisches Gold lieferte sich der italienische Florettfechter Filippo Macchi ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Tokio-Olympiasieger Cheung Ka Long. Beim Stand von 14:14 kam es dann zum großen Aufreger.
Aufreger im Finale - Italienischer Coach geht auf Jury los
Quelle: Eurosport
Gleich dreimal musste der entscheidende Punkt ausgefochten werden, gleich dreimal dachte die italienische Equipe, den goldenen Treffer gelandet zu haben. Doch die Kampfrichter entschieden anders - und hoben den Arm zugunsten des Athleten aus Hongkong, der bereits drei Jahre zuvor gegen Macchis italienischen Landsmann Daniele Garozzo bei Olympia triumphiert hatte.
"So etwas habe ich noch nie gesehen, weder als Athlet noch als Trainer", polterte der italienische Nationalcoach Stefano Cerioni nach der schmerzvollen Finalniederlage seines Schützlings im "Rai"-Interview und attestierte den Schiedsrichtern "Inkompetenz". Bereits auf der Planche hatte er zuvor seinen Unmut gestenreich zum Ausdruck gebracht.
Macchi sei der "moralische Sieger", so Cerioni, der gleich dreimal vom siegbringenden Treffer des Italieners überzeugt gewesen war. Ihm tue es im Herzen weh, da dieser zu den Olympischen Spielen gekommen sei "und das erste Mal gewinnt, das zweite Mal gewinnt, das dritte Mal gewinnt - und doch nur Zweiter wird".
Silber sei zwar eine "tolle" Medaille, Gold jedoch etwas ganz anderes. "Jetzt müssen wir vier Jahre warten, um es noch einmal zu versuchen", sagte Cerioni: "Das ist nicht fair, ihm (Macchi, d. Red.) wegzunehmen, was er verdient. Es ist ein bitteres Ergebnis, das es zu verdauen gilt, aber akzeptiert werden muss."
Italien legt formellen Protest ein
Wenngleich der Endstand "so bleiben" werde, wie Cerioni betonte, wollten es die Südeuropäer dann doch nicht dabei belassen. Und so legten der Fechtverband und das italienische Olympische Komitee (CONI) einen formellen Protest beim IOC ein.
"Es ist müßig, auf den Treffer einzugehen", führte CONI-Präsident Giovanni Malagò im "Rai"-Gespräch aus. Das Problem aber sei, "dass es einen grundlegenden Fehler gibt, der für die Glaubwürdigkeit dieses Sports absolut inakzeptabel ist: Nämlich dass ein Kampfrichter aus Taiwan und einer aus Südkorea kam. In welcher Sportart gibt es zwei Kampfrichter vom selben Kontinent wie einer der Finalisten?"
Malagò zufolge hätte ein europäischer Unparteiischer eingesetzt werden müssen, als die Auslosung des ersten Kampfrichters aus Taiwan erfolgt war.
Silber "schmeckt morgen vielleicht anders"
Als die Wut über die Kampfrichterentscheidung etwas abgekühlt war, versuchte Macchi derweil, die Silbermedaille etwas genauer zu analysieren.
Der italienische Florettfechter hatte 14:12 geführt. Doch ehe es zum kontrovers diskutierten Punkt kam, war es ihm nicht gelungen, das Finale zu seinen Gunsten zu entscheiden.
Angesprochen auf den Siegtreffer seines Kontrahenten habe er sich zwar "innerlich im Recht" gefühlt, sagte Macchi im "Rai"-Interview. Gleichzeitig aber seien olympische Medaillen "keine Selbstverständlichkeit", betonte der 22-Jährige: "Es ist kein Gold, tut mir leid. Aber vielleicht schmeckt es morgen anders."
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Aufreger im Finale - Italienischer Coach geht auf Jury los
Quelle: Eurosport
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Wutausbruch bei Fechtstar: Bazadze eskaliert im Grand Palais
Quelle: Eurosport
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