Alessandro "Alex" Zanardi ist im Alter von 59 Jahren verstorben - Sportwelt trauert um Kämpfer, der niemals aufgab

Alessandro "Alex" Zanardi ist tot. Der ehemalige Formel-1-Fahrer starb am Freitag im Alter von 59 Jahren, wie seine Familie bekannt gab. Nach einem verhängnisvollen Unfall am Laustitz-Ring 2001 verlor der Italiener seine Beine. Für Zanardi war das aber kein Grund aufzugeben. Er fuhr vier Jahre später in der DTM und wurde zu einer Ikone im Para-Sport. Sein Tod löst große Anteilnahme aus.

Trauer um Zanardi: Formel-1-Fahrer, Paralympics-Sieger, Vorbild

Quelle: SNTV

Alex Zanardi liebte die Geschwindigkeit. Er liebte das Risiko. Und er liebte das Leben - so sehr, dass er gleich zweimal den Tod besiegte und zu einem Vorbild weit über den Sport hinaus wurde.
Die Welt nahm Anteil an seinem Schicksal, und das tat sie auch am Samstag, als seine Angehörigen bekannt gaben, dass Zanardis letzter Kampf am 1. Mai unerwartet zu Ende gegangen war. "Alex ist friedlich im Kreise seiner Familie und Freunde eingeschlafen."
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni würdigte Zanardi als "einen großen Champion und einen außergewöhnlichen Mann, der jede Prüfung des Lebens in eine Lektion über Mut, Stärke und Würde verwandeln konnte".
Die "Gazetta dello Sport" schrieb: Zanardi habe "Italien gelehrt, niemals aufzugeben".

Zanardis Unfall verändert sein Leben

Niemals! Auch nicht an jenem schicksalhaften Tag auf dem Lausitzring in Brandenburg, als ihm der Priester bereits die Letzte Ölung gegeben hatte - mit Motorenöl aus Zanardis zerfetztem Rennwagen. Niemand glaubte mehr daran, dass der frühere Formel-1-Pilot diesen Horror-Unfall überleben würde.
"Dass es mich noch gibt, ist rational nicht zu erklären", sagte Zanardi einmal.
Die Bilder waren schrecklich, und sie sind es noch heute: Bei einem Rennen der Champ-Car-Serie gerät Zanardi, wenige Jahre zuvor noch Teamkollege von Ralf Schumacher bei Williams, nach einem Boxenstopp ins Schleudern.
Er dreht sich unkontrolliert auf die Strecke, Alex Tagliani kann nicht mehr ausweichen, sein Wagen bohrt sich mit Tempo 320 in den von Zanardi und reißt den Boliden in Stücke. Dabei werden Zanardis Beine abgetrennt, eins oberhalb des Knies, eins unterhalb.
Knapp 90.000 Fans an der Strecke halten den Atem an, die "ARD" bricht die Übertragung ab, Rennarzt Terry Trammell drückt mit Daumen und Zeigefingern verzweifelt Arterien zu. Zanardi verliert literweise Blut, sein Herz bleibt siebenmal stehen.

Zanardi kämpft sich zurück ins Leben

Doch Zanardi stirbt nicht. Er kämpft sich zurück ins Leben. Über Wochen, Monate, Jahre. Seine Geschichte und sein Wille bewegen die Welt.
"Seine Kraft, seine Selbstironie und seine menschliche Tiefe haben einen Sportler zu einer Ikone gemacht", schrieb einmal der "Corriere dello Sport" über den Kämpfer, den das Schicksal am 19. Juni 2020 erneut einholte.

Zanardi erleidet weiteren schweren Unfall

Zanardi, der seit 2005 wieder Autorennen fuhr, 2014 am Ironman auf Hawaii teilnahm und mit dem Handbike zu einem Paralympics-Champion aufstieg, kollidierte beim Training für die Paralympics in Tokio mit einem Lastwagen.
Erneut wandelte er zwischen Leben und Tod, selbst Papst Franziskus nahm Anteil am Drama um Zanardi, betete für ihn und schickte ihm einen handgeschriebenen Brief.
Und wieder siegte Zanardis Überlebensdrang. Anderthalb Jahre nach dem Unfall verließ er die Klinik. "Alex ist jetzt bei uns zu Hause", sagte damals Zanardis Ehefrau Daniele: "Wir haben lang darauf gewartet. Die Wärme seiner Familie ist wichtig für seine Genesung."
Seinen Leiden begegnete Zanardi mit außergewöhnlicher Stärke - und mit Humor. "Der Unfall war kein dunkler Moment meiner Karriere. Ich bin sogar dankbar, weil ich durch den Unfall eine ganz neue Welt entdeckt habe", sagte er einst über den Tag in der Lausitz. Und: "Seitdem mag ich Bier. Das muss an dem vielen deutschen Blut liegen, das ich bekommen habe."
(SID)
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