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Audi kassiert heftige Kritik nach Abbau im Kundensport-Bereich - Einstieg in Formel 1 um jeden Preis
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Publiziert 15/07/2023 um 13:29 GMT+2 Uhr
Audis scheidender Boss Markus Duesmann muss sich harte Kritik gefallen lassen: War der Abbau des erfolgreichen Kundensport-Bereichs von langer Hand geplant? "Audi Sport Customer Racing war das Aushängeschild von Audi Sport - und Vorsprung durch Technik", erklärte Ernst Moser. "Die Leute, die das betrifft, haben nicht verdient, dass man so eine Struktur sterben lässt."
Audi kassiert zurzeit heftige Kritik
Fotocredit: Getty Images
Der Vorstandsbeschluss von Audi, das erfolgreichen Kundensport-Programm auslaufen zu lassen, den R8 LMS GT3 ab 2024 nicht mehr zu bauen und den Fahrerkader aufzulösen, sorgt in den Reihen der Teams für Unverständnis und Enttäuschung.
Vor allem Audi-Boss Markus Duesmann, der noch bis September im Amt ist und alles auf die Karte Formel 1 gesetzt hat, muss sich harte Kritik gefallen lassen.
"Audi Sport Customer Racing war das Aushängeschild von Audi Sport - und Vorsprung durch Technik", sagte Ernst Moser, der als Teamchef das Audi-Werksteams Phoenix lange in der DTM war und auf der Nordschleife große Erfolge feierte, im Gespräch mit "Motorsport-Total.com".
"Für mich ist das auch ein persönliches Thema von gewissen Leuten in der oberen Entscheidungsriege: Bevor er geht, macht da jemand alles, damit das Formel-1-Engagement umgesetzt werden muss. Die Leute, die das betrifft, haben nicht verdient, dass man so eine Struktur sterben lässt."
Gefahr für F1-Projekt? "Pflänzchen wird ausgetrocknet"
Das sei "seine persönliche Meinung" und er wisse nicht, warum "man jetzt Formel 1 machen will und sonst gar nichts mehr", betonte Moser, der sein Team an die Scherer-Gruppe verkauft hat und in Zukunft nur noch Berater ist. Er könne den radikalen Schritt nicht nachvollziehen.
"Man hätte es mit kleinen Budgets weiterlaufen lassen können, denn die Kunden und ihre Partner zahlen fast alles selbst", so Moser über das Kundensport-Programm. "Aber wenn dieses Pflänzchen weiterwächst, könnte es für das Formel-1-Projekt vielleicht gefährlich sein. Daher wird es nicht mehr gegossen und ausgetrocknet."
"Das ist mein Eindruck: Alles, was das Formel-1-Projekt vielleicht noch verhindern könnte, wird jetzt plattgemacht."
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Audi steigt in Formel 1 ein
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Was bleibt bei Audi Sport übrig?
Tatsächlich argumentiert Audi den Kundensport-Abbau mit dem Fokus auf dem Formel-1-Einstieg im Jahr 2026. Aber inwiefern hätte durch Chris Reinkes Kundensport-Abteilung intern Gefahr gedroht? "Man hätte mit dieser Abteilung vielleicht etwas Neues aufbauen können. Wenn die nicht mehr da ist, geht das nicht mehr", erklärte Moser.
Das Formel-1-Projekt ist in der eigenen Firma Audi Formula Racing GmbH untergebracht und ist offiziell eine Tochter der Audi Sport GmbH. F1-Geschäftsführer Adam Baker berichtet aber direkt an Audis Entwicklungsvorstand Oliver Hoffmann. Neben dem Kundensport bleibt daher in der Audi Sport GmbH nur noch das Dakar-Projekt übrig, das aber auch Ende 2024 Geschichte sein dürfte.
Dann gäbe es in Audi-Sportchef Rolf Michls Verantwortungsbereich kein aktives Projekt mehr.
Auch WRT-Teamchef Vincent Vosse, der mit seiner Truppe nach vielen erfolgreichen Audi-Jahren im Vorjahr zu BMW wechselte, sieht einen langfristigen Plan hinter den Ereignissen.
"Jetzt passiert genau das, was man haben wollte - daran habe ich keinen Zweifel", sagte der Belgier im Gespräch mit "Motorsport-Total.com". All das sei "schon vor eineinhalb Jahren, vielleicht vor zwei Jahren" entschieden worden.
"Als Markus Duesmann anfing, hatte er entschieden, aus der Class-1-DTM auszusteigen", verwies Vosse auf das Ende als Herstellerserie im Jahr 2020. "Das war der erste Schritt. Sehr schnell hat er aber auch entschieden, den Motorsport allgemein einzustellen und alle Bemühungen auf die Formel 1 zu legen."
Kundensport-Abbau wegen Formel 1? "Das ist ein Witz"
Ein Fehler? "Wenn sie in der Formel 1 gewinnen, dann werden alle sehr schnell vergessen, was passiert ist. Aber ich habe meine Zweifel", sagte der Belgier. Abgesehen davon sei ein erfolgreiches Doppelprogramm möglich, wie Mercedes mit acht Titeln in der Formel 1 bewiesen hat.
"Das ist ein Witz", sagte Vosse. "Formel 1 hat nichts mit Kundensport zu tun. Die Kosten sind nicht hoch und sie haben das in den letzten 13 Jahren gerne genutzt."
Auch Attempto-Teamchef Arkin Aka, der mit seinem Audi-Team nach wie vor in der DTM und in der GT-World-Challenge Europe startet, kann den alleinigen Fokus auf die Formel 1 nicht nachvollziehen. "Der Motorsport muss breit aufgestellt sein", sagte er im Gespräch mit "Motorsport-Total.com".
"Porsche hat es vorgelebt - und auch die Marke Mercedes macht nicht nur Formel 1, sondern auch GT-Sport. Alle bringen neue Modelle, also frage ich mich: Warum macht das Audi nicht?", spielte er darauf an, dass man trotz der gemeinsamen Plattform mit Lamborghini keinen GT3-Nachfolger für den R8 baut. "Wenn man bedenkt, dass Audi eine der erfolgreichsten Marken war, ist das schwer nachzuvollziehen."
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Quelle: Perform
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