"Das war ein richtiger Kaltstart ohne jede Vorbereitung", sagte Nico Hülkenberg nach dem Qualifying zum Großen Preis der Eifel auf dem Nürburgring. Kein Wunder, als der Anruf kam, dass er am Samstag und Sonntag für Racing Point fahren soll, war Hülkenberg beim Anruf nicht einmal im Formel-1-Fahrerlager.

Eigentlich bereitete sich der 33-jährige auf einen Einsatz als RTL-Experte vor und schlürfte gerade einen Kaffee in der RTL-Lounge in Köln. "Ich wäre heute Abend für Dreharbeiten ohnehin hier oben gewesen", sagte er. Das traf sich gut, denn um ziemlich genau elf Uhr wurde sein ganzer Wochenendplan über den Haufen geworfen.

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"Plötzlich kommt ein Anruf von Otmar [Szafnauer]. Er sagt mir, dass ich mich auf die Socken machen soll, besser jetzt als in fünf Minuten. Und der Rest ist Geschichte. Es war noch wilder als beim letzten Mal, muss ich gestehen. Das war das Comeback 2.0." Racing Point vermarktete es in den sozialen Medien als "Hulkenback".

Als Ersatz für den (nicht an COVID-19) erkrankten Lance Stroll begab er sich sofort zum eine Stunde entfernten Nürburgring, klärte alle Formalitäten, und nahm am Qualifying zum Eifel-Grand-Prix teil. Das alles, ohne eine Sekunde durchschnaufen zu können.

Hülkenberg muss sich erst an die neue Lenkung gewöhnen

"Ich musste schon einmal nachdenken, weil es natürlich so ganz ohne Vorbereitung wirklich keine einfache Geschichte ist", gab der Racing-Point-Pilot zu. "Das machen wir natürlich nicht jeden Tag so. Aber am Ende des Tages bin ich Rennfahrer und Profi. Das ist mein Job und wenn sich so eine Möglichkeit ergibt, muss man sie beim Schopf packen."

Und so ging es ins Quali hinein, nach zwei Monaten ohne Formel-1-Fahrpraxis. Und dann fühlte sich plötzlich alles ganz anders an. "Die Lenkung ist völlig anders [als in Silverstone], weil das Team da zwischenzeitlich entwickelt hat. Die Lenkübersetzung ist eine andere. Da musste ich mich schon umstellen und mich dran gewöhnen. Zu Beginn war es ein ziemliches Geeiere", erklärte Hülkenberg. Ein kurzer Stint zum Einfahren, dann sofort zur Attacke.

Letztlich wurde es der letzte Platz im Qualifying. Mehr konnte man auch nicht erwarten. Eine halbe Sekunde Rückstand auf den Q2-Einzug in einem Auto, das er in dieser Entwicklungsstufe noch gar nicht gefahren ist, mit drei kleinen Fehlern auf der Runde und einem Trainingsrückstand auf das gesamte Feld ist eine mehr als achtbare Leistung.

Formel-1-Experte Ralf Schumacher sah das ähnlich: "Wenn das jetzt wirklich glatt gelaufen wäre und er da [aus Q1] herausgekommen wäre, dann wären die anderen 19 [Fahrer] überbezahlt für das, was sie tun. Er hat zwei Monate nicht im Auto gesessen."

Für Hülkenberg erfüllt sich schon abgeschriebener Nürburgring-Traum

Was lässt sich in den 24 Stunden bis zum Rennen jetzt machen? Zaubern kann man jedenfalls nicht. "Man kann die Eisenstange nicht einer Hand brechen", sagte Hülkenberg, "Wir haben nur die Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen. Es wird die übliche Rennvorbereitung geben wie sonst auch." Simulatortraining ist in der kurzen Zeit nicht möglich, da dieser in England steht.

"Ich habe jetzt ein paar Runden in der Tasche und ein paar Eindrücke gesammelt. Morgen ist es natürlich mit vollem Tank und im Renntrimm wieder ein bisschen anders." Zu den Eindrücken gehört vor allem, dass der Nürburgring-Grand-Prix-Kurs sich mit dem Racing Point RP20 als äußerst wellig erwies.

Ob es das wert gewesen ist? Auf jeden Fall, fand Nico Hülkenberg, der 2009 auf dem Nürburgring beide GP2-Rennen (Vorläufer der Formel 2) für sich entscheiden konnte. "Eine ziemlich verrückte Geschichte, aber den Stress war es wert. Ich habe die vier Runden auch genossen. Es hat Spaß gemacht und ist wirklich cool."

"Die Strecke ist nach wie vor top. Es kamen wieder einige Erinnerungen von früheren Zeiten hoch. Ich bin so froh, dass sie im Kalender ist. Ich war so traurig, dass sie ausgerechnet in dem Jahr in den Kalender kam, in dem ich nicht fahren konnte. Von daher bin ich glücklich, dass ich heute doch noch die Chance bekommen habe."

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