"So langweilig, so langweilig", jammerte Sebastian Vettel hinterher. Die Mercedes-Dominanz in der Formel 1 lässt den Ferrari-Star zunehmend desillusioniert zurück. Der Heppenheimer findet trotz aller Anstrengungen kein Mittel gegen Valtteri Bottas und Lewis Hamilton, auch in den Straßen Bakus fuhren die Roten hinterher.
"Wir pushen so stark, wie wir können", sagte Vettel fast entschuldigend nach seinem dritten Platz, dennoch droht ihm bereits nach dem vierten Saisonrennen der Kampf um den so ersehnten ersten Titel in Rot zu entgleiten. Beinahe klangen seine Worte mit Blick auf das nächste Rennen in Barcelona schon wie Durchhalteparolen.
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Vettel hat schon jetzt 35 Punkte Rückstand

"Es ist noch ein langer Weg, aber wir können und müssen stärker werden", sagte der 31-Jährige, der jetzt schon seit acht Monaten auf einen Sieg wartet und als WM-Dritter schon 35 Punkte Rückstand auf den Führenden Bottas und 34 auf Hamilton hat. Aber ja, er "glaube an das Team, wir haben sehr clevere Leute".
Doch die Ingenieure bei Mercedes scheinen auch nicht gerade auf den Kopf gefallen zu sein. Vier Doppelsiege aus den ersten vier Rennen sprechen für sich. Entsprechend ernüchtert fiel das Fazit der italienischen Presse aus.
Vom "Ferrari-Flop" schrieb die "Gazzetta dello Sport": "Auf der einen Seite die Mercedes-Menschenfresser, die keinen einzigen Fehler machen. Auf der anderen Seite Ferrari, ein Team mit viel Potenzial, aber ohne Resultate." Die Scuderia verschwende "eine Gelegenheit nach der anderen", stellte "La Stampa" fest.

Ferrari hoffte auf die Wende in Baku

Dabei sollte beim Großen Preis von Aserbaidschan eigentlich die Wende her. Ferrari galt als Favorit, konnte die Erwartungen aber wieder einmal nicht erfüllen. "Natürlich sind wir nicht da, wo wir sein wollen", sagte Vettel, der laut Teamchef Mattia Binotto sogar noch Benzin sparen musste, um als Dritter das Ziel zu erreichen.

Sebastian Vettel wird Dritter in Baku.

Fotocredit: Getty Images

Bei Ferrari glauben sie aber trotzdem weiter, dass ihnen nur Kleinigkeiten fehlen, um die Silberpfeile endlich zu schnappen. "Ich halte den Abstand zu Mercedes nicht für besorgniserregend", sagte Binotto, "die Ergebnisse der vier Rennen haben nicht das korrekte Leistungsvermögen unseres Autos gezeigt."

Mercedes strotzt vor Selbstbewusstsein

Dass es im Titelkampf schon bald zu spät sein kann, wenn die Scuderia nicht schnell das volle Potenzial des SF90 abruft, daran will Vettel trotz aller Enttäuschung noch nicht glauben. "Wir müssen Mercedes jagen und schlagen. Aber dazu brauchen wir nicht nur ein besseres Auto, wir brauchen auch Wochenenden, die reibungslos verlaufen", sagte er: "Das war bislang nie der Fall. Ich glaube fest daran – die Wende kommt." Doch dafür "müssen wir fehlerfrei arbeiten", sagte Binotto.
Denn Fehler bestraft Mercedes auch dieses Jahr gnadenlos. Das Sterne-Imperium hat das Momentum auf seiner Seite und strotzt vor Selbstvertrauen. "Ich glaube nicht, dass wir uns schon jemals zuvor auf so einem Leistungsniveau bewegt haben", sagte Hamilton. Vieles spricht also dafür, dass es aus Sicht von Ferrari in der Formel 1 erst einmal langweilig bleibt.
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