Knapp 17 Jahre ist es her: Am 4. April 2004 gelang Michael Schumacher in Sakhir das perfekte Wochenende: Pole Position, schnellste Rennrunde, Sieg. Ein Hattrick beim ersten Bahrain-Grand-Prix in der F1. Am Saisonende wurde der Ferrari-Superstar zum siebten und letzten Mal Weltmeister.
"Als mein Vater hier 2004 das Rennen gewonnen hat, war das schon schön", erinnerte sich Mick Schumacher in der Medienrunde am Donnerstag vor seinem ersten Formel-1-Rennen. Damals war er gerade fünf Jahre alt geworden.
Nun ist es für den F1-Neuling an der Zeit, seine eigene Geschichte auf der größten aller Motorsport-Bühnen zu schreiben. Bei den Testfahrten hinterließ er einen guten Eindruck.
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Um den Weltmeistertitel wird Mick Schumacher in seinem Debütjahr nicht fahren können. Dafür ist der Haas nicht konkurrenzfähig genug. Stattdessen muss sich der 22-Jährige kleinere Ziele setzen.

Mick Schumacher: Die F1-Abläufe verstehen

"Es gibt natürlich viele verschiedene Punkte, die ich abarbeiten möchte. Wir haben mehr Sessions, die sich zu einem Wochenende aufbauen. Wir müssen frühzeitig alles abarbeiten, damit wir im dritten Training keine Fragezeichen mehr haben", verglich Schumacher den Ablauf eines F1-Wochenendes mit denen in den Nachwuchsklassen.
Je schneller er diese Abläufe verinnerlicht, desto besser kann er auf der Strecke sein volles Leistungspotenzial ausschöpfen. Nicht einfach, denn Schumacher wird rund um die Uhr von Journalisten und Kameras beobachtet. Viel mehr als andere F1-Rookies, natürlich aufgrund seines berühmten Nachnamens.
"Es ist nicht einfach, der 'Sohn von' zu sein. Und bei Mick ist es ja noch mal um zehnfach multipliziert schwieriger, weil die Zeiten von Michael noch nicht so lange her sind und er so erfolgreich war", meinte Nico Rosberg bei "sport1.de". Der Weltmeister von 2016 gab selbst sein Debüt in Bahrain 2006 - und wurde ständig mit Vater Keke (F1-Weltmeister 1982) verglichen.
Jeder Fehler, den Schumacher macht, wird in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Und Fehler gehören in einer Rookie-Saison nun mal dazu. "Diese Saison wird ein Lehrjahr für ihn sein", erklärte Mercedes-Teamchef Toto Wolff in der "Bild am Sonntag". Mit diesem Druck muss der Haas-Pilot lernen umzugehen.

Mick Schumacher geht 2021 für Haas in der F1 an den Start

Fotocredit: Imago

Mick Schumacher muss Nikita Mazepin schlagen

Interessant ist auch die Situation beim US-Rennstall selbst. Teamchef Günther Steiner trennte sich nach der vergangenen Saison von den langjährigen Stammfahrern Romain Grosjean und Kevin Magnussen und holte die zwei Neulinge Schumacher und Nikita Mazepin zu Haas.
Wichtig für Schumacher wird es sein, seinen Teamkollegen über das Jahr hinweg im Griff zu haben. Denn in der F1 gilt seit jeher die goldene Regel: Der erste Gegner ist immer der Teamkollege.
Auch wenn der Russe als "Rüpel" auf der Strecke gilt und sein Cockpit vor allem aufgrund der Millionen-Unterstützung von Vater Dmitri und seinen Sponsoren bekommen hat, fuhr Mazepin 2020 in der Formel 2 zwei Saisonsiege ein und landete am Ende auf Gesamtrang fünf.
"Sie sind nicht die größten Freunde. Aber sie kommen gut miteinander aus und respektieren sich", sagte Steiner über das Verhältnis seiner beiden Fahrer im Interview mit "formel1.de". Auf der Strecke gilt es für Schumacher insbesondere diesen Respekt bei Rad-an-Rad-Zweikämpfen abzulegen und das interne Duell zu gewinnen.
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Haas: Punktausbeute soll verbessert werden

Allerdings sollte das Duo hinter den Kulissen auch gut harmonieren. Denn ein weiteres Ziel für 2021 wird für Schumacher sein, sein Team konkurrenzfähiger zu machen. Dass das im Verbund mit - statt gegen - Mazepin deutlich besser geht, weiß auch Schumacher selbst.
"Es geht natürlich darum, am Anfang das Maximale zu lernen. Aber es geht auch darum, mit meinem Teamkollegen zusammenzuarbeiten", so der Deutsche. So will Schumacher Stück für Stück die Lücke zu den Mittelfeld-Teams schließen. Dazu muss das Haas-Team als Einheit zusammenwachsen.
In der vergangenen Saison fuhr Haas lediglich drei WM-Punkte ein. Nur weil Williams gänzlich ohne Zähler blieb, landete man nicht ganz am Ende der Konstrukteurswertung. Schumacher wird versuchen, diese Ausbeute zu verbessern. Dazu muss er immer bereit sein, Punkte abzustauben, wenn die Konkurrenz patzt und mit technischen Problemen zu kämpfen hat.
"Ich würde mich sehr freuen, wenn Mick im Haas die ersten Punkte holt", sagte Steiner gegenüber "RTL/ntv" und fügte an: "Für mich wäre es ein Erfolg, am Ende des Jahres zwei Fahrer zu haben, die viel gelernt haben und bereit sind für 2022, sodass wir 2022 keine Fehler mehr machen."
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Mick Schumacher (vorne) und Nikita Mazepin - Haas

Fotocredit: Getty Images

Mick Schumacher: Debütjahr als Vorbereitung für 2022

Denn auf der kommenden Saison liegt bereits der Fokus von Haas – noch bevor das F1-Jahr 2021 überhaupt begonnen hat. Durch die große Regelreform zur kommenden Saison werden die Karten neu gemischt. So sind besonders große Sprünge nach vorne möglich.
Bis dahin wird Schumacher sein Debütjahr als Vorbereitung für 2022 sehen und möglichst viel über sein Team, die Strecken und die Abläufe in der F1 lernen. Zudem will er als akribischer Arbeiter zusammen mit seinen Mechanikern das Auto in kleinen Schritten verbessern. Dazu hat er vom Ferrari-Werksteam – über das Haas als Kundenteam den Motor bezieht – Fachmänner zur Seite gestellt bekommen, die einst bereits mit Vater Michael zusammenarbeiteten.
"Ich fühle mich vollkommen bereit und freue mich, dass es losgeht", blickte Schumacher auf das Bahrain-Wochenende voraus. Er ist bereit, seine eigene Formel-1-Geschichte zu schreiben.
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