Die Spitze um Rekordjäger Lewis Hamilton war ohnehin außer Reichweite für Sebastian Vettel - doch an diesem grauen Tag in den Ardennen wurde er sogar von den Männern in den Mittelklasse-Autos aufgefressen. Der Große Preis von Belgien wurde für den Deutschen und Ferrari zum Tiefpunkt der letzten gemeinsamen Saison. Und Vettel wollte da gar nicht widersprechen.
"Es gab heute viele Erkenntnisse", sagte er bei "Sky", "aber keine positiven. Stärken haben wir gerade kaum, und hier wurden alle unsere Schwächen offengelegt." Mit den Plätzen 13 und 14 verpassten Vettel und Teamkollege Charles Leclerc in Spa chancenlos die Punkte, mithalten konnte der Ferrari SF1000 nur mit den Hinterbänkler-Teams. "Es ist nicht einfach, weil unsere Bemühungen wie immer groß sind", sagte Vettel, "aber momentan gibt es dafür keinen Lohn."
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Ganz vorne fuhr Weltmeister Hamilton im Mercedes souverän zu einem Start-Ziel-Sieg, dem 89. Erfolg seiner Karriere. Noch zwei fehlen nun zum Bestwert Michael Schumachers. Den kann er ausgerechnet in zwei Wochen in Mugello erreichen, wenn der einstige Schumacher-Rennstall Ferrari sein 1000. Formel-1-Rennen auf der eigenen Hausstrecke feiert.
"Ich weiß, nicht jeder will sehen, dass immer Mercedes vorne steht", sagte der Engländer, "aber für uns ist es egal, wie erfolgreich wir sind: Wir bleiben weiter demütig und werden auch nach diesem Rennen schauen, wo wir uns weiter verbessern können."
Sein Teamkollege Valtteri Bottas und Red-Bull-Pilot Max Verstappen auf den Rängen zwei und drei konnten ihn nie gefährden. Im WM-Klassement führt Hamilton mit nun 157 Punkten vor Verstappen (110) und Bottas (107). Die Scuderia spielt in dieser Wertung vor dem Italien-Rennen in Monza am kommenden Sonntag längst keine Rolle mehr. In Spa wurde das überdeutlich.

Ferrari auf den langen Geraden ohne Chancen

Schon mit den ersten Ausfahrten am Freitag war klar, dass sich für Ferrari in Belgien etwas zusammenbraute. Die Scuderia hatte sich ja über die gesamte Saison schwer getan, musste sich mit Mittelfeldteams herumschlagen - doch in den Ardennen folgte der Absturz. In den freien Trainings rutschten die Roten ans Ende des Feldes, im Qualifying schafften es Vettel und Leclerc nur mit Mühe in den zweiten Abschnitt der besten 15 Autos.
Und in gewisser Weise war diese Schwäche in Spa besonders entlarvend. Vor einem Jahr war man hier mit rätselhaft überlegener Motorenpower zum Sieg gerast, später kamen dann aber Schummelvorwürfe auf, und Ferrari musste kurzfristig den Motor umbauen. Seitdem kann der Rennstall nicht mehr mit der Spitze mithalten - und auf der Powerstrecke in Belgien nicht mal mit dem Mittelfeld.
Allein auf den langen Geraden verloren Vettel und Leclerc jeweils eine halbe Sekunde. Zwar schoss Leclerc, ausgestattet mit den weichen Reifen, von Startplatz 13 zunächst auf Rang neun vor, nach wenigen Runden war der Vorteil der schnelleren Pneus aber schon aufgebraucht.
Leclerc hatte keine Chance gegen die Konkurrenten im McLaren, im Racing Point und auch im AlphaTauri, sie zogen reihenweise vorbei. "Ich habe solche Probleme auf den Geraden", funkte er hilflos an die Box. Und so tauchte bald wieder Vettel, gestartet mit den mittelharten Reifen von Rang 14, hinter ihm auf.

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An der Spitze war wenig passiert. Hamilton verteidigte seine Pole Position zunächst nur knapp vor Bottas, hatte anschließend aber alles im Griff, auch Verstappen hielt Rang drei.
Vettel ging im Zuge der Reifenwechsel während einer Safety-Car-Phase an Leclerc vorbei, und der Monegasse scheiterte anschließend mit einem forschen Angriff am Deutschen. Wenig später holte Ferrari Leclerc erneut an die Box, gab ihm schnellere Reifen, er sollte vom Ende des Feldes erneut Anlauf nehmen - ein Modell, das sich auch Vettel wünschte.
"Die Typen vor mir", funkte er an die Box, "werde ich sowieso nicht mehr überholen. Vielleicht denkt ihr mal über einen Stopp nach. Ich sage euch, ich werde aufgefressen." Der Kommandostand sah das anders, Vettel blieb draußen. Und am Ende reichte es wenigstens, um Leclerc noch hinter sich zu lassen.
(SID)
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