Eigentlich ging das doch gar nicht. Eigentlich war die Formel 1 unerreichbar für einen wie Lewis Hamilton. "Der Eingang zu diesem Sport", erinnert sich der Brite heute, "war ein Quadrat. Ich war aber eher ein Sechseck. Und ich dachte immer, dass ich niemals durch dieses verdammte Ding passe."
"Es gibt ja bloß 20 Cockpits, das ist nicht so wichtig für mich", sagte er zuletzt dem "Guardian". Allerdings gebe der Blick auf das Fahrerfeld einen Hinweis auf das viel größere Problem: Die fehlende Vielfalt in der Motorsport-Industrie.
"Mehr als 40.000 Jobs" biete diese allein in Großbritannien, "und weniger als ein Prozent davon" sei besetzt durch Menschen, die einer ethnischen Minderheit angehören. Herausgefunden hat das die Hamilton Commission in Zusammenarbeit mit der Royal Academy of Engineering, einer Gelehrtengesellschaft für das Ingenieurwesen. Vor seinem Heim-Grand-Prix in Silverstone am Sonntag (16:00 Uhr) ist Hamiltons neuestes Projekt ein großes Thema in der Formel 1.
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Denn das gefühlte Missverhältnis gibt es nun auch in sehr "entmutigenden" Zahlen, wie Hamilton sagt, und er will helfen, das zu ändern. "Ich selbst genieße eine erfolgreiche Karriere, aber es war ein einsamer Weg", sagt er: "Nach 15 Jahren des Wartens auf Veränderung habe ich realisiert, dass ich selbst etwas unternehmen muss."
Die Studie hat zahlreiche gesellschaftliche Faktoren identifiziert, die systemischer Natur sind, aber auch festgefahrene Praktiken innerhalb des Sports, etwa bei der Anwerbung neuer Mitarbeiter. Als Ergebnis wurden zehn Empfehlungen formuliert, die umsetzbar wirken.
Dazu gehören eine Art Selbstverpflichtung von Motorsportorganisationen zu Diversität, eine Anpassung der Ausbildungswege und auch die Förderung von MINT-Angeboten (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) schon an bestimmten Schulen.
Für Hamilton selbst ist dieses Projekt ein konsequenter Schritt. Seit einigen Jahren versucht er ja bereits, etwas zu verändern in der Welt, zunächst wurde das durchaus belächelt. Der Multi-Millionär, der das ganze Jahr um die Welt fliegt, sündhaft teure Partys besucht und ein Vermögen mit Autorennen macht, entdeckt seine soziale Ader und die Liebe zur Natur?

Hamilton wird Vorbildfunktion gerecht

Doch Hamilton begann bei sich selbst, verkaufte seinen Privatjet und zahlreiche Autos, lebt seit Jahren vegan. Und versuchte dann, andere zu erreichen und seinen Einfluss zu nutzen. Der Engländer setzt sich für den Tierschutz ein, war 2020 ein Gesicht der Black-Lives-Matter-Bewegung und will nun ganz konkret helfen, soziale Ungerechtigkeiten in seiner Heimat zu beseitigen. Zu Belächeln gibt es da nichts mehr.
Nun herrscht wohl grundsätzlich kein Mangel an gutgemeinten Empfehlungen, die Schwierigkeit besteht in der Umsetzung, das ist auch Hamilton klar. "Ich weiß, dass es viele Kommissionen gibt, die vielleicht nicht die nötige Unterstützung haben und nicht durchhalten", sagt er, "aber diese hier hat ja mich."
Er sehe es als seinen Auftrag. Schließlich müsse es einen Grund geben, "warum ich nicht bloß der einzige Schwarze bin, sondern auch derjenige, der ganz vorne steht". Warum das Sechseck eben doch in die Formel 1 passte.
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(SID)

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