Christian Horner findet, dass Lewis Hamilton von den FIA-Rennkommissaren in Silverstone mit zehn Sekunden äußerst gnädig für die Kollision mit Max Verstappen bestraft wurde: "Einen Fahrerkollegen ins Krankenhaus zu schicken, mit einem Auto, das ein Totalschaden ist, dafür dann eine so milde Strafe zu kassieren und trotzdem den Grand Prix zu gewinnen, das fühlt sich meiner Meinung nach nicht nach einer großen Strafe an", sagt der Red-Bull-Teamchef.
Nach dem Grand Prix von Großbritannien schwappten die Emotionen auf beiden Seiten über. Hamilton feierte mit dem Mercedes-Team vor 140.000 Zuschauern einen nach der Zeitstrafe nicht mehr zu erwartenden Sieg, während Horner auf der anderen Seite nach Rennende sichtlich geladen in seinem Büro saß, von wo aus er mit einigen Journalisten online konferierte.
In Sachen Schuldfrage gibt es für Horner keine zwei Meinungen: "In der Vogelperspektive kann man gut erkennen, dass Lewis neben der Ideallinie war, weil er zu viel Speed in die Kurve mitgenommen hatte. Dieses Manöver konnte niemals klappen. Für einen Weltmeister mit sieben Titeln war das ein ziemlich amateurhafter Fehler."
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Horner: Hamilton "hat Sicherheit aufs Spiel gesetzt"

"Wir hatten heute großes, großes Glück, dass niemand ernsthaft verletzt wurde", sagt der Brite. Verstappen meldete sich unmittelbar nach dem Unfall schmerzverzerrt am Boxenfunk, wirkte benommen, als er sich aus dem Wrack befreit hatte. Aus Sicherheitsgründen wurde er per Hubschrauber ins Krankenhaus in Coventry geflogen, das er aber am Sonntagabend schon wieder verlassen konnte.
Horners Vorwürfe in Richtung Hamilton sind massiv: "Natürlich hat er die Sicherheit aufs Spiel gesetzt. Eine Attacke in dieser Kurve, das weiß jeder Grand-Prix-Fahrer, birgt ein enormes Risiko. Du hältst dort nicht innen dein Rad rein, ohne dass die Konsequenzen gewaltig sein können. Nach einem Crash wie heute, mit 51g, müssen wir froh sein, dass niemand ernsthaft verletzt wurde."
"Das ist, was mich am meisten ärgert: Die Fehleinschätzung und Verzweiflung in diesem Manöver, bei dem wir Riesenglück hatten. Ich finde: Wäre das schlimmer ausgegangen, hätten zehn Sekunden Strafe ziemlich mickrig ausgesehen", sagt Horner und ergänzt: "Dass ein siebenmaliger Weltmeister so ein verzweifeltes Manöver probiert und den anderen Fahrer ins Krankenhaus schickt, ist das Enttäuschendste für mich."

Horner sieht Hamilton-Manöver als Verzweiflungstat

"Er hatte den Start verloren. Dann wollte er es die Wellington-Gerade runter schon mal wissen und hat dort angefangen, Max mal leicht an die Räder zu klopfen. Aber dann in Copse ein Rad innen reinzustecken, in einer der schnellsten Kurven dieser Weltmeisterschaft, die mit 290 Sachen ziemlich voll gefahren wird - das ist klar, dass das Konsequenzen haben wird."
Horner unterstellt Hamilton, sich von der Euphorie der Fans und von der Niederlage im Sprint am Samstag leiten haben zu lassen: "Als er auf der Wellington-Gerade nicht vorbeikam, dämmerte ihm das Ergebnis des Sprints, glaube ich. Und mit der Kulisse und den ganzen Fans hier war er bis in die Haarspitzen motiviert. Da hat er sich dann einfach verschätzt. Gewaltig verschätzt."
"Ja, er hat eine Strafe dafür bekommen, aber die war am Ende ziemlich bedeutungslos. Ich glaube, es war seine einzige Chance, Max zu überholen. Wäre er hinter Max durch Copse gefahren, hätte er ihn wahrscheinlich den ganzen Nachmittag nicht mehr gesehen. Für mich war es ein verzweifeltes Manöver. Zum Glück ist es mit einem Totalschaden und ein paar blauen Flecken ausgegangen."
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