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GP von Großbritannien - Lewis Hamiltons Tränen-Sieg in Silverstone für die Ewigkeit: "Es kam einfach aus mir heraus"
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Publiziert 07/07/2024 um 22:25 GMT+2 Uhr
So emotional hat man Lewis Hamilton noch nie erlebt: Nach fast 1000 Tagen gewinnt der Brite wieder einen Formel-1-Grand-Prix, und das ausgerechnet bei seinem Heimspiel in Silverstone - nach der Zieldurchfahrt brachen beim Rekordweltmeister alle Dämme. Verständlich, immerhin ist der Triumph im Vereinigten Königreich definitiv einer für die Geschichtsbücher der Formel 1.
Lewis Hamilton triumphierte in seinem Heimatland
Fotocredit: Getty Images
"Dieses Gefühl beim Überfahren der Linie... Ich habe ehrlich gesagt noch nie wegen eines Sieges geweint, aber jetzt kam es einfach aus mir heraus. Und das war ein wirklich großartiges Gefühl, für das ich sehr dankbar bin", strahlte der Brite nach seinem sage und schreibe 104. Grand-Prix-Sieg.
Es war ein Triumph für die Ewigkeit, wie die Zahlen zum neunten Hamilton-Sieg in Silverstone eindrucksvoll belegten - damit ist der Brite nun alleiniger Rekordhalten für die meisten Siege auf einer Strecke, ließ Michael Schumacher hinter sich, der achtmal in Magny-Cours gewann.
Nicht nur ist Hamilton im Alter von 39 Jahren und 182 Tagen der ältester Grand-Prix-Sieger in diesem Jahrtausend, er ist auch der erste Fahrer mit über 300 Grand-Prix-Starts, dem noch ein Erfolg gelang - im 344. Anlauf.
Damit hält Hamilton, mit 17 Jahren und einem Monat, nun auch die Bestmarke für die längste Zeitspanne zwischen dem ersten Sieg, 2007 in Kanada, und dem vorerst letzten am Sonntag.
Zwölftes Podium in Serie für Hamilton in Silverstone
Ebenfalls unglaublich: Für ihn war es schon der 15. Podestbesuch in Silverstone, und sogar der zwölfte in Serie - beides ebenfalls Rekordmarken. Kein Wunder, dass Hamilton angesichts des historischen Meilensteins fand: "Es fühlt sich anders an als bei früheren Rennen, gerade wo man das Rennen für Rennen hatte, also in Saisons mit mehreren Siegen."
Der Grund dafür war leicht auszumachen, musste Hamilton doch 56 Rennen auf einen Sieg warten - zuletzt triumphierte er 2021 in Saudi-Arabien, ein Rennen vor dem dramatischen Saisonfinale in Abu Dhabi, das ihn unter kontroversen Umständen um seinen achten WM-Titel und den Status als alleinigen Rekordchampion brachte.
"Das ganze Ungemach, das wir als Team durchgemacht haben, und von dem ich auch persönlich das Gefühl hatte es zu erleben - diese konstanten Herausforderungen, die wir alle durchmachen müssen, wenn wir jeden Tag aufstehen und unser Bestes geben", sagte Hamilton: "Es gab so viele Zeiten, wo es sich so angefühlt hat, wie wenn das Beste einfach nicht gut genug ist."
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Lewis Hamilton vergoss nach seinem Sieg Freudentränen
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"Diese Enttäuschung spürt man dann", sagte Hamilton, und wies nicht zum ersten Mal auf die Wichtigkeit mentaler Gesundheit hin: "Und ich werde nicht lügen, dass ich das auch erlebt habe. Es gab definitiv Momente, wo ich dachte, dass es das war, dass es mir nie wieder gelingen wird", sagte er mit Blick auf seine dunkelsten Stunden.
Warme Worte gab es deshalb von "Sky"-Experte Ralf Schumacher: "Top-Leistung von ihm und auch vom ganzen Team, aber für ihn schon wichtig nach so einer langen Zeit und auch so gewissen Selbstzweifeln, aber auch Zweifeln von außen, weil die Leute gesagt haben: 'Naja, es wird Zeit, vielleicht ist er einfach jetzt schon zu alt und Ferrari ärgert sich.' Heute ist alles wieder auf null, das ist das Schöne am Motorsport und an der Formel 1."
Hamilton: Vielleicht der speziellste Sieg
Fand auch Hamilton, der nach dem Rennen im "ORF" verriet: "Als ich über die Ziellinie bin, konnte ich es nicht glauben, dass es wahr ist, dass es wirklich passiert ist. Ich habe so oft gedacht, dass es nie wieder passiert - und jetzt habe ich diese negative Seite in mir eines Besseren belehrt."
Das mache seinen neunten Triumph beim Heimspiel so besonders: "Ich habe echt ein schlechtes Gedächtnis, und ich versuche auch immer sehr in der Gegenwart zu leben. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich diesen mit irgendeinem anderen vergleichen kann, um ehrlich zu sein."
"Ich hatte so viele großartige Momente", erinnerte sich Hamilton, "aber jetzt beim Heimrennen, und mit der längsten Serie, in der ich keinen Sieg hatte - seit 945 Tagen, und mit den Emotionen, die sich über diesen Zeitraum angestaut haben: Deswegen könnte das einer der speziellsten für mich sein, wenn nicht vielleicht der speziellste."
Auch die Stimmung in Silverstone zauberte Hamilton ein Lächeln auf die Lippen: "Es ist ein gutes Wochenende für den britischen Sport", schmunzelte der Mercedes-Star in Anspielung auf den Halbfinaleinzug der englischen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft, und verriet: "Das Elfmeterschießen gestern war wirklich großartig."
Hamilton fieberte mit Three Lions mit
"Ich habe vielleicht mal im Pub geschaut, als ich aufgewachsen bin. Aber gestern saß ich da, mit über 20.000 Leuten, das war wirklich unglaublich. Ich bin dankbar, dass ich dieses Erlebnis mit George (Russell) hatte. Wir haben zusammen auf der Bühne geschaut, und danach bin ich nochmal hierher, bis ungefähr um zehn Uhr abends", erklärte Hamilton seine Extramotivation am Vorabend des eigenen Triumphs.
"Ich habe einfach nochmal an meinem Fahrzeug gearbeitet, an Dingen, von denen ich nach den Trainings das Gefühl hatte, dass wir sie verbessern müssen. Und ich hatte das Gefühl, das konnten wir heute einbringen", sagte der Silberpfeil-Star: "Ich denke, diese Zeit letzte Nacht hat wirklich den Unterschied gemacht."
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Lewis Hamilton
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Mit guter Pace hielt sich der Brite stets gut im Rennen, führte zwischenzeitlich sogar vor Teamkollege George Russell - mit dem einsetzenden Regen war dann aber McLarens Pace zu stark, Lando Norris übernahm die Führung. Doch Hamiltons Geduld sollte sich auszahlen: "Es waren wirklich schwierige Bedingungen", sagte der Mercedes-Pilot über die rennentscheidende Phase nach dem großen Guss.
Wolff: "Das war der gute Schachzug"
"Es war am Auftrocknen und ging darum, das richtige Timing zu erwischen. Ich glaube, wenn Lando vor uns gestoppt hätte, wäre es sehr schwer geworden an ihm vorbeizukommen. Aber der Moment, wo ich aus Kurve 15 kam und an die Box fuhr, und er draußen geblieben ist, das war der Moment, wo ich wusste, dass eine Chance haben werde ihn zu undercutten", so Hamilton.
Für Mercedes-Teamchef Toto Wolff der rennentscheidende Call: "Ich glaube, das war der gute Schachzug, dass wir da ein bisschen gezockt haben. Aber auch die Kommunikation zwischen Fahrer und Team hat da richtig gut funktioniert", lobte der Wiener in Bezug auf den Moment, der Hamilton erneut in Führung brachte.
Zwar machten Norris und Verstappen anschließend von hinten ordentlich Druck, doch Hamilton hielt dem stand: "Ich habe wirklich versucht alles zu geben, absolut am Limit und volle Attacke, um den Abstand bei drei Sekunden zu halten. Am Ende ist der Reifen dann etwas eingegangen, es war also die perfekte Distanz für den Stint. Fünf Runden mehr, und ich weiß nicht, ob wir das hätten halten können", freute sich der Sieger.
Selbst Marko lobt "Meister" Hamilton
Sonderapplaus gab es dafür von keinem Geringeren als Helmut Marko: "Das war wieder Hamiltons Stärke. Seine Reifen haben schon leicht angefangen zu grainen - das sehen wir und dachten, das geht sich aus. Aber da sieht man, welch Meister er ist, der ein Rennen lesen kann und die Reifen also genau so fordert, dass sie nicht einbrechen", lobte Red Bulls Motorsportberater den Konkurrenten.
Entsprechend groß war die Erleichterung im Ziel auch bei Hamiltons Renningenieur Peter Bonnington, der nach dem Rennen mit seinem Piloten zur Siegerehrung darf, und wegen der Freudentränen anschließend scherzte: "Ich hatte etwas im Auge! Das war emotional, denn es ist eine lange, lange Zeit her und er und ich haben hart gearbeitet, um wieder dahin zu kommen."
Während des Rennens blieben 'Bono' und Hamilton die meiste Zeit aber ganz cool: "Ich würde nicht sagen, dass ich null Zweifel hatte", sagte der Renningenieur mit Blick auf Hamiltons Risiko mit den roten Reifen im letzten Stint: "Aber wenn er das Messer erstmal zwischen den Zähnen hat..."
Die Anspannung entlud sich unter anderem in einer Ansage seines Schützlings am Funk, ihn für die letzten Runden alleine zu lassen: "Wenn mir gesagt wird, ich soll die Klappe halten, dann weiß ich, dass wir im Rennen sind", nahm es Bonnington sportlich.
Hamilton "ein fantastischer Rennfahrer"
Für Mercedes-Teamchef Wolff ist am Sonntag in Silverstone jedenfalls wieder der alte Lewis Hamilton zu sehen: "Er ist ein fantastischer Rennfahrer, und wenn er Lunte riecht, dass er einen Grand Prix gewinnen kann, dann ist er einfach so stark", sagte der Wiener.
Noch wichtiger als die gute Leistung war für Wolff am Sonntag aber, "dass wir eine richtig gute Verabschiedung gemacht haben mit Lewis in England. Den britischen Grand Prix zu gewinnen, vor den eigenen Fans, das letzte Rennen hier mit Mercedes - das ist ein bisschen wie ein kleines Märchen", befand Wolff im "ORF".
"Ich glaube, dass die Geschichte so zu Ende geht mit dem Lewis hier in England, ist eine ganz wichtige für ihn und das Team", ordnete der Silberpfeil-Boss den historischen Moment ein, und erklärte: "Im Moment denke ich noch nicht so drüber nach. Aber irgendwann, wenn's zu Ende geht mit ihm, werden wir uns an den Grand Prix erinnern und werden sagen: Das war super."
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Quelle: Perform
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