Japan GP - Pierre Gasly entgeht Kollision mit Bergungsfahrzeug haarscharf: "Hätte mich umbringen können"

Pierre Gasly ist beim Rennen von Suzuka einem Crash mit einem Bergungsfahrzeug nur haarscharf entgangen. Nach einem Chaos-Start unter Regen war Ferrari-Pilot Carlos Sainz abgeflogen, das Safety Car fuhr auf den Kurs, ehe die FIA den Grand Prix unterbrach. Noch bevor die Autos die Boxengasse erreicht hatten, fuhr das Bergungsfahrzeug auf die Strecke. Gasly raste wenige Meter an dem Traktor vorbei.

Pierre Gasly

Fotocredit: Getty Images

Gasly war noch auf der Strecke, weil er unter Safety Car zuvor in der Boxengasse Teile gewechselt hatte und dem Feld hinterherfuhr. Wie Onboard-Aufnahmen zeigen, schalteten die Anzeigen an der Strecke und auf dem Lenkrad des 26-Jährigen erst wenige Augenblicke zuvor von Gelben auf Rote Flaggen um.
"Das ist inakzeptabel", wütete der Franzose über das Teamradio. "Ich bin genau daran vorbeigefahren. Ich kann es nicht glauben", schimpfte Gasly. Nach der Rennunterbrechung wütete der Monza-Sieger von 2020 auch in der Boxengasse und an der Kommandozentrale: "Ich hätte mich umbringen können!"
Nach dem Grand Prix sagte Gasly: "Heute bin ich einfach sehr dankbar, dass ich zu meinen Freunden und meiner Familie gehen kann, weil das Ganze deutlich tragischer hätte ausgehen können."
Erinnerungen an den schweren Unfall in Suzuka 2014, der seinen Freund Jules Bianchi das Leben kostete, wurden wach. Gaslys Landsmann war damals ebenfalls im Regen von der Strecke abgekommen und in das Heck eines Bergungsfahrzeuges gekracht.
Vater Phillipe Bianchi attackierte die FIA bei Instagram scharf. "Kein Respekt für das Leben der Fahrer! Kein Respekt für Jules Andenken. Unglaublich", polterte Bianchi in den Sozialen Medien.

Kollegen fassungslos

Auch Gasly klagte: "Ich denke, es ist respektlos gegenüber Jules, seiner Familie und allen, die unter seinem Verlust gelitten haben. Ich habe natürlich große Angst bekommen."
Onboard-Aufnahmen zeigen, dass vor Gasly auch andere Fahrer nur knapp an dem Bergungsfahrzeug vorbeifuhren.
Auch die Fahrerkollegen zeigten sich schockiert. "Ich weiß nicht, ob die Leute das verstehen. Selbst hinter dem Safety Car fahren wir 240 Kilometer pro Stunde. Sobald man von der Rennlinie runterkommt, ist es vorbei", kritisierte der Ferrari-Pilot bei "Sky": "Ich weiß nicht, warum wir unter solchen Bedingungen solchen Risiken ausgesetzt werden."
Auch Alexander Albon fand deutliche Worte. "Etwas ähnliches ist in Singapur passiert. Sebastian Vettel hat das im Fahrerbriefing angesprochen. Wir haben da eine Situation, die sehr gefährlich ist", sagte der sichtlich schockierte Williams-Fahrer.

Pérez poltert: "Absolut nicht zu akzeptieren"

McLaren-Pilot Lando Norris schrieb auf Twitter: "Was zur Hölle! Wie konnte das passieren? Wir haben in so einer Situation vor einigen Jahren ein Leben verloren. Wir riskieren unsere Leben, gerade in Bedingungen wie diesen. Wir wollen Rennen fahren. Aber das...inakzeptabel!"
Auch Red-Bull-Pilot Sergio Pérez schimpfte: "Wie können wir klarmachen, dass wir niemals einen Kran auf der Strecke sehen wollen? Wir haben Jules wegen dieses Fehlers verloren. Was heute geschehen ist, ist absolut nicht zu akzeptieren!!!!! Ich hoffe, das ist das letzte Mal, dass ich einen Kran auf der Strecke sehe!"
"Das Fahrzeug darf nicht auf der Strecke sein", sagte Alfa-Romeo-Teamchef Frédéric Vasseur und nahm Gasly ob der Bedingungen in Schutz. "Er kann keine 20 Meter nach vorne schauen", erklärte der Franzose. Auch Red-Bull-Boss Christian Horner forderte eine vollständige Aufarbeitung der Szene.

Gasly kassiert Strafe

Die FIA teilte mit, Gasly sei "mit hoher Geschwindigkeit" unterwegs gewesen, obwohl die Rote Flagge bereits gezeigt war. Die FIA zitierte den Franzosen wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung unter Roter Flagge zum Rapport.
Die Rennleitung sah ein grobes Fehlverhalten des AlphaTauri-Piloten und belegte ihn letztlich mit einer 20-Sekunden-Strafe. Mit 250 km/h sei er unter Roter Flagge viel zu schnell gefahren. Die Fahrer allerdings prangerten das unnötig hohe Risiko bei zu frühen Bergungsarbeiten an. Es liegt mal wieder ein Streit zwischen Regelhütern und Aktiven in der Luft.
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Jules Bianchi verunglückte beim Japan-GP 2014 tödlich.

Fotocredit: Eurosport

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