Formel 1 | GP von Mexiko: Was Sebastian Vettel den Sieg gekostet hat

Sebastian Vettel musste sich in Mexiko trotz guter Ausgangsposition im Rennen mit dem zweiten Platz hinter WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton zufrieden geben. "Wir haben alles versucht. Wir waren zuversichtlich genug, die Strategien zu splitten", analysierte der 32-Jährige nüchtern. Letzlich reichte Mercedes ein taktischer Kniff, um sich den Erfolg im 18. Saisonrennen zu sichern.

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So richtig glauben konnten es selbst die Sieger nicht. Als Lewis Hamilton nach 23 Runden zum Boxenstopp abbog, konnte niemand absehen, dass er die folgenden 47 Runden auf einem Reifensatz abspulen würde. Doch es gelang ihm und so stand Ferrari in Mexiko-Stadt am Ende ziemlich dumm da, ohne wirklich etwas falsch gemacht zu haben.
Sebastian Vettel kann nur mit den Schultern zucken:
Ferrari hat das Schicksal des Führenden mit knappem Vorsprung ereilt: Ein klassischer Undercut brachte Mercedes letztlich den Sieg ein. Selbst Toto Wolff gab nach dem Rennen zu, dass man nicht überzeugt gewesen sei, es von Runde 23 aus nach Hause zu schaffen.
Ferrari wollte Vettel unmittelbar danach an die Box holen, doch dieser wehrte sich: Den Platz an Hamilton habe man ohnehin verloren, warum also nicht draußen bleiben und auf den Offset am Ende des Rennens bauen? So setzte er sich über die Anweisung hinweg und fuhr weiter. Ferrari ließ ihn bis Runde 37 draußen.
Erst hier wähnte sich Vettel in einem Einstoppfenster:

Waren die Temperaturen schuld?

Niemals hätte man basierend auf den Daten von Freitag und Samstag damit gerechnet, dass die Reifen von Hamilton halten würden. Taten sie aber. Wie kann das sein? Vettel versucht zu erklären:
Der wahrscheinlichste Grund dafür: Es war deutlich wärmer. Der Asphalt hatte fünf bis sechs Grad mehr als am Freitag und am Samstag. Damit schienen die Pirelli-Reifen deutlich besser zurecht zu kommen.
Doch auch nach Hamiltons Stopp war noch nicht alles verloren. Das Diagramm zeigt, wie Hamilton mit dem Reifenpeak zu Beginn des Stints Zeit auf Vettel gutmachen konnte. Danach aber stabilisierte sich der Abstand bei etwa 18 Sekunden.
Doch dann hatte der Ferrari-Pilot Pech:
Vor allem die Überrundung von Carlos Sainz kurz vor dem Stopp kam ihn teuer zu stehen, weil dieser sich im Clinch mit Pierre Gasly befand und Vettel heftig bremsen musste. "Das hat mich drei Sekunden gekostet", mutmaßt er. Unsere Analyse zeigt: Es waren etwa zwei. So oder so, es kostete gewaltig Zeit, die am Ende gefehlt hat.
Erst gegen Ende des Rennens wurde klar, dass Hamilton nicht mehr kommen würde. "Man hofft, dass man innerhalb der nächsten fünf Runden die Lücke schließen könnte", so der viermalige Weltmeister. "Lewis hat die Reifen einfach brillant am Leben erhalten. Von unserer Seite hat es keine größeren Fehler gegeben."

Oder hat Pace gefehlt?

Auch Teamchef Mattia Binotto pflichtet gegenüber "Sky" bei:
"Das ist eine Art Risiko, die man eingehen kann, wenn man hinten liegt, aber nicht, wenn man vorne liegt. Sie haben die richtige Wahl getroffen. Es war schwierig, darauf die richtige Antwort zu finden."
So sieht es auch Vettel: "Ich denke, Mercedes hatte nichts zu verlieren und sie haben es versucht. Wenn man Dritter ist und die Möglichkeit besteht, dass man mit Risiko entweder Erster oder Fünfter wird, dann geht man es ein. Zu dem Zeitpunkt auf den Harten zu gehen, hätte so oder so ausgehen können."
"Wenn es für sie klar gewesen wäre, dass es so problemlos gehen würde, dann hätten sie es ja auch mit Valtteri gemacht. Aber er ist mit mir lange draußen geblieben, um sicherzustellen, dass zumindest ein Fahrzeug auf einer sicheren Einstoppstrategie unterwegs ist."
Vielleicht liegt das Problem aber auch an anderer Stelle, was sich mit den bisherigen Rennen deckt: Dass Ferrari im Rennen einfach noch nicht ganz auf Mercedes-Niveau ist und eher von der Track Position aus dem Qualifying profitiert.
"Valtteri kam am Ende des ersten und zweiten Stints an mich heran", bemerkt Vettel. "Also hat uns auch abgesehen von der Strategie ein wenig die Pace gefehlt." Ob es Ferrari gelungen wäre, 47 Runden in Hamiltons Tempo auf einem Reifensatz fahren, wird wohl für immer im Dunkeln bleiben.
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