Über seinen jugendlichen Leichtsinn kann Max Verstappen mittlerweile lachen. "Ich weiß genau, dass es in Monaco keinen Spielraum für Fehler gibt", sagte der WM-Herausforderer vor dem fünften Saisonrennen und schmunzelte.
46-mal stand der schnelle Niederländer schon auf einem Formel-1-Podium, auf der Fahrerstrecke schlechthin aber noch nie. Das muss der Red-Bull-Pilot dringend ändern, denn nicht nur im Leitplankengewirr des Fürstentums, sondern auch im WM-Kampf gegen Rekordchampion Lewis Hamilton sind keine Aussetzer erlaubt.
"Wir müssen einfach ein sauberes Wochenende haben. Wir müssen sicherstellen, dass wir weiter Druck machen und noch ein paar Rennen gewinnen", appellierte Verstappen an sich und sein Team. Der 23-Jährige sammelte in dieser Saison stolze 80 von 104 möglichen Punkten - und doch liegt er gegen den womöglich besten Hamilton aller Zeiten 14 Zähler im Hintertreffen.
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Genüsslich schob Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff deshalb die Favoritenrolle zu Verstappen und Red Bull. "Monaco ist eine Strecke, auf der viel Abtrieb gefordert ist, und wir wissen, dass dies eine der Stärken von Red Bull ist", sagte der Österreicher vor dem Klassiker an der Cote d'Azur (Sonntag, 15:00 Uhr im Liveticker).

Mercedes sieht sich in "Jägerrolle"

"Deshalb gehen wir in dem Wissen in das Wochenende, dass sie das Team sein werden, das es zu schlagen gilt", erklärte Wolff und fügte an: "Wie schon bei den vergangenen Rennen in dieser Saison genießen wir es, uns in der Jägerrolle zu befinden."
Jägerrolle? Wirklich? Das Team, das seit 2014 jeden WM-Titel abräumte und auch in diesem Jahr in allen Wertungen vorne liegt? Ja, Understatement ist ein kalkulierter Schachzug bei den Silbernen, Wolff ist der Meister darin. Der interne Antreiber nimmt so öffentlichen Druck von den Seinen und schiebt ihn weiter. Doch seine Meinung hat Wolff weitgehend exklusiv, auch wenn der enge Stadtkurs dem Red Bull auf dem Papier besser liegt als dem Mercedes.
"Red Bull war hier immer sehr stark. Wenn man bedenkt, wie eng es bisher zwischen ihnen und uns war, dann können sie hier vorne sein", sagte Hamilton am Mittwoch: "Es entscheidet sich alles im Qualifying."
Der 36-Jährige, wie Verstappen und viele Fahrerkollegen in Monaco wohnhaft, hat die Messlatte auf der Jagd nach seinem achten WM-Titel noch weiter nach oben gelegt.
Als "faszinierend, fast schon beängstigend" adelte "Sky"-Experte Ralf Schumacher den Speed des Briten beim Sieg in Barcelona vor zwei Wochen. Bei Schumacher schwindet deswegen bereits "etwas die Hoffnung, Red Bull muss schon einen großen Schritt nach vorne machen".

Verstappen unter Druck

Das gilt vor allem für Strecken, auf denen Mercedes wegen der höheren Motorleistung gegenüber Red Bulls Honda-Aggregat im Vorteil ist - und davon kommen noch einige, etwa gleich nach Monaco der Hochgeschwindigkeits-Stadtkurs in Baku oder das doppelte Red-Bull-Heimrennen in Österreich.
Umso wichtiger wäre ein Erfolg von Verstappen im Fürstentum. Dort allerdings zerlegte der Niederländer 2018 als Top-Favorit im freien Training seinen Red Bull und musste vom aussichtslosen letzten Platz starten. Im Jahr darauf brachte ihm ein unnötiges Scharmützel mit Hamilton-Teamkollege Valtteri Bottas eine Zeitstrafe ein, das Podest war futsch.
Verstappens Vater Jos sieht allerdings vor allem Red Bull in der Pflicht. "Im Moment ist das nicht gut genug", sagte der 49-Jährige dem "Telegraaf": "Sie müssen einen weiteren Schritt machen, so schnell wie möglich."
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(SID)

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