"Es ist doch ganz klar", sagte der Ferrari-Star: "Wenn wir ab jetzt jedes Rennen gewinnen, dann sind wir Weltmeister. So müssen wir denken, Aufstecken ist keine Option."
Vettel wollte nach seinem dritten Platz beim Nachtrennen und dem nächsten Sieg für Lewis Hamilton irgendwie für Optimismus sorgen im Ferrari-Lager - dabei unterstreichen die nackten Zahlen eher, wie aussichtslos das Duell mit dem Weltmeister im Mercedes nun ist.
Denn angesichts von 40 WM-Punkten Rückstand auf den Engländer ist eine Siegesserie in den verbleibenden sechs Rennen für Vettel quasi alternativlos - wirkt aus verschiedenen Gründen aber schier unmöglich.
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Die italienische Sporttageszeitung "Corriere dello Sport" mutmaßte:
Ferrari ist nicht mehr zu erkennen. Singapur scheint die Endstation von Vettel und Ferrari in dieser Meisterschaft zu sein.
Zwar scheint das Material grundsätzlich auf jeder Strecke siegfähig, doch auch in Singapur war das Gebilde aus Vettel und Ferrari schlicht zu instabil für den großen Wurf. "Wo ist das Auto geblieben, das das schnellste dieser WM schien?", fragte "La Repubblica".
Vettel hatte schon vor dem Rennwochenende geunkt: "Wir sind selbst unser größter Gegner." Es waren prophetische Worte.
Denn eine seltsame Strategie der Ferrari-Box nahm Vettel jede Chance auf den Sieg, er musste zu früh an die Box und bekam zu weiche Reifen. Nicht zum ersten Mal hatte die Scuderia damit Punkte für Vettel verspielt: In Spanien, Österreich, Deutschland und Italien unterliefen den Roten ganz unterschiedliche Fehler, die alle zum mittlerweile dramatisch großen Rückstand beitrugen.
Dass Vettel angesichts falscher Entscheidungen langsam verzweifelt, legen zunehmend genervte Funksprüche nicht nur aus Singapur nahe ("Ich hatte keine Chance, wir waren schon wieder zu spät!", "Ist sonst noch jemand in der Nähe, von dem ich wissen sollte, bevor es zu spät ist?").
Der viermalige Weltmeister vermied es aber, im Nachhinein dem Team die Schuld zu geben. Vielleicht auch, weil er selbst schon zu oft unglücklich agierte. Ausritte und Unfälle in Aserbaidschan, Frankreich, Deutschland und Italien gehören eben auch zum Bild dieser Saison der vergebenen Chancen.
Zweifellos müssen Ferrari und Vettel bei der Ursachenforschung also eigene Fehler analysieren. Dass das Pendel nun aber derart deutlich in eine Richtung ausschlägt, das liegt auch an den Silbernen: Hamilton und das Mercedes sind wieder im Weltmeister-Modus unterwegs.
Hamilton hatte selber Probleme mit seinem Boliden und sagte:
Wenn ich sechs Rennen zurückblicke - da wussten wir nicht, wo es hingeht aber jetzt fühlen wir uns viel wohler. Wir haben viel daran gearbeitet, unser Auto zu verstehen und durch kleine Veränderungen das Maximum herauszuholen.
Dass Mercedes nun sogar in Singapur völlig verdient gewinnt, auf der einstigen Angst-Strecke des Werksteams also, das ist ein Beleg für die zurückgewonnene Macht über das eigene Auto.
Und mit einem solchen Boliden kann Hamilton den Vorsprung offensiv verteidigen. "Ich will jedes Rennen gewinnen", sagt er, "jedes einzelne." Genau hier liegt das große Problem in Vettels Weltmeisterrechnung.
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