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Drei Dinge, die beim Rennen von Singapur auffielen: Safety-Car-Chaos kaschiert Ferraris Schwächen
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Publiziert 02/10/2022 um 20:29 GMT+2 Uhr
Das Nachtrennen von Singapur hielt wieder einmal sein Versprechen: Spektakel sind beim Grand Prix im asiatischen Stadtstaat keine Mangelware. Das Safety-Car-Chaos vom Sonntag entwickelte sich für Ferrari und McLaren unweigerlich zum Segen - obwohl das Doppel-Podium der Scuderia sich als trügerischer Schein entpuppt. Fernando Alonso erlebte indes einen Rekordtag zum Vergessen. Das fiel uns auf.
Charles Leclerc nach dem Grand Prix von Singapur
Fotocredit: Getty Images
Sergio Pérez übertraf sich beim Grand Prix von Singapur selbst. Der Mexikaner zog am Start ohne Mühe an Pole-Setter Charles Leclerc vorbei und dominierte von da an das Geschehen nach Belieben. Zwar bremsten insgesamt fünf Safety-Car-Phasen den Mexikaner in regelmäßigen Abständen aus, doch dies minderte die Bedeutung seines Erfolges nicht.
Während sich die Pechsträhne von Max Verstappen im Rennen fortsetzte und sich der Weltmeister im Mittelfeld abplagte, war auf die Nummer zwei von Red Bull Verlass. Leclerc hatte Pérez indes nur wenig entgegenzusetzen und kämpfte mit den Schwächen eines mittlerweile zahnlosen Ferraris.
Im Gegensatz zur Scuderia erntete ein anderer Rennstall die Früchte einer hervorragenden Entwicklung. McLaren nutzte den Totalausfall von Alpine und errang den vierten Platz in der Konstrukteurswertung.
Das krisengebeutelte Team aus Frankreich kassierte darüber hinaus Kritik aus dem eigenen Lager: Fernando Alonso wurde an seinem Rekordtag nämlich zur tragischen Figur.
Drei Dinge, die beim F1-Rennen in Singapur auffielen:
1. Safety-Car-Chaos kaschiert Ferrari-Schwächen
Zum neunten Mal in dieser Saison stand Charles Leclerc auf der Pole Position, doch der Monegasse konnte seinen Startvorteil erneut nicht in einen Sieg ummünzen. Als wäre es eine Selbstverständlichkeit, rauschte Pérez am "Predestinato" (dem Vorherbestimmten) nach nur wenigen Sekunden vorbei und ließ ihm im Anschluss nicht den Hauch einer Chance.
Während der ersten zwanzig Runden hielt sich Leclercs Rückstand zwar in Grenzen, Pérez fuhr jedoch eine Bestzeit nach der anderen. Nach der letzten Safety-Car-Phase schien Leclerc auf trockenen Reifen endlich mit seinem Kontrahenten mithalten zu können. Doch auch hier riss die Verfolgungsjagd trotz DRS und ohne nennenswerte Manöver nach nur wenigen Runden ab.
Der Speed, der Ferrari gerade in der ersten Saisonhälfte ausgezeichnet hatte, war nicht mehr vorhanden. Eine Entwicklung, die seit dem Grand Prix von Frankreich zu erkennen ist. Das Chaos von Singapur verschleierte lediglich den aktuellen Zustand der Scuderia.
Die Zahlen sprechen nämlich eine eindeutige Sprache. Hatte Ferrari auf die Performance bezogen in sechs der ersten elf Rennen noch die Nase vor Red Bull, hechelten Leclerc und Sainz den Boliden von Verstappen und Pérez in den letzten sechs Rennen nahezu chancenlos hinterher. Ein Umstand, der einen simplen Grund hat - und die Entwicklungsabteilung bei Ferrari gehörig in Bedrängnis bringt.
Zu Saisonbeginn befand sich Ferrari nur knapp über dem Gewichtsminimum, Red Bull hatte indes mit einem zu schweren Auto zu kämpfen. Beim österreichischen Rennstall speckte man daher kontinuierlich ab - und holte dank dieser speziellen Diät im Vergleich zu Ferrari deutlich auf. Den Turnaround brachten schließlich die Unterboden-Updates der beiden Teams, die in Frankreich vollzogen wurden.
Red Bull fuhr der Konkurrenz im Anschluss davon. In Spa kam es zur absoluten Machtdemonstration, Verstappen dominierte dort nach Belieben. Und Ferrari? Die Italiener stellten sich selbst ein Bein und verspielten die letzte realistische Chance auf den WM-Titel. Hartnäckige Balanceprobleme des roten Boliden machen seit Frankreich nämlich der Lebensdauer der Reifen zu schaffen. Eine Problematik, die auch in Singapur zuschlug und Leclerc in der Schlussphase zum Rückzug zwang. Der große Vorsprung vom Saisonstart - leichtfertig verspielt.
Bei Red Bull weiß man das Ergebnis vom Wochenende zumindest richtig einzuschätzen. Auf die Frage, ob man über die vertagte WM-Entscheidung traurig sei, antwortete Pérez nur schulterzuckend: "Dann holt er es eben in Suzuka." Ein Geniestreich aus dem roten Lager in Mugello, der die Dominanz noch irgendwie ins Wanken bringen könnte? Diese Zeiten gehören wohl längst der Vergangenheit an.
2. McLaren nutzt Alpine-Fiasko und feiert Coup
Während sich Red Bull angesichts seiner 136 Punkte Vorsprung in der Konstrukteurswertung langsam aber sicher auf den Gewinn seines fünften WM-Titels vorbereiten kann, spitzte sich weiter hinten der Kampf um Platz vier weiter zu.
McLaren gelang nach dem gewonnenen Rechtsstreit um Nachwuchsfahrer Oscar Piastri nämlich der nächste Coup gegen das krisengebeutelte Alpine.
Lando Norris (4.) und Daniel Ricciardo (5.) profitierten vom Chaos in Singapurs Straßen und schoben sich auch dank beachtlicher Strategien an der Konkurrenz vorbei. Vor allem Ricciardo überzeugte mit einer starken Darbietung, ging der Australier doch als 17. ins Rennen. Die Entscheidung, beim Boxenstopp im Gegensatz zu seinen direkten Gegnern auf die Softs zu setzen, erwies sich darüber hinaus als goldrichtig.
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Lando Norris beim Grand Prix von Singapur
Fotocredit: Getty Images
Alpine kassierte hingegen aufgrund eines doppelten Ausfalls einen heftigen Nackenschlag. In der 21. Runde schied Fernando Alonso aufgrund eines defekten Motors aus, der Bolide seines französischen Teamkollegen Esteban Ocon rauchte wenig später am Heck und musste ebenso aus dem Verkehr gezogen werden. Zum zweiten Mal in Folge blieb das französische Team ohne Punkte - und musste für diesen weiteren Ausrutscher einen teuren Preis bezahlen.
McLaren zog an Alpine in der Konstrukteurswertung vorbei und will diesen Platz so schnell nicht mehr hergeben. "Wir haben das gebraucht", gab ein strahlender Ricciardo zu Protokoll. "So sehr ich mich auch auf Japan freue - ich will das hier jetzt genießen."
"Wir haben sehr vom Tsunoda-Unfall profitiert", gab Ricciardo an den TV-Mikrofonen zu. "Das war eine gute Situation für uns, um endlich wieder in die Punkteränge zu kommen, und natürlich ein großartiger Tag für das Team."
Norris pflichtete seinem Teamkollegen bei und bedankte sich auch bei seiner Crew: "Großartige Arbeit von allen, auch vom gesamten Strategieteam", schwärmte der 22-Jährige. "Wir haben heute das Maximum rausgeholt. Besonders als andere Probleme hatten", sandte Norris eine kleine Spitze in Richtung Alpine.
Fünf Rennen vor Schluss trennen McLaren und Alpine lediglich vier Punkte - der Trend spricht aber eindeutig für die Briten.
3. Rekordmann Alonso rechnet mit Alpine ab
Mit versteinerter Miene saß Alonso hinter der Streckenabsperrung. Sein Blick war kalt wie starr. Es hätte ein phänomenaler Abend werden sollen, die Voraussetzungen hätten für den zweimaligen Weltmeister kaum besser sein können. Platz fünf nach einem herausragenden Qualifying, nasse Bedingungen lagen Alonso ohnehin über seine gesamte Karriere hinweg. Doch am Ende ging der Altmeister leer aus.
"Das ist inakzeptabel und ich bin sehr verärgert", zitiert die spanische "Sport" Alonso nach seinem bitteren Aus. Nachdem sich der Spanier lange gegen Max Verstappen behaupten konnte und seinen sechsten Platz verteidigte, löste sich sein Traum von einem Top-Ergebnis in Luft auf. Mal wieder.
"60 Punkte in einer Meisterschaft zu verlieren ist inakzeptabel", kommentierte er sein frühes Aus. "Ich bin sehr verärgert darüber, denn ich denke, dass ich das ganze Wochenende über eine gute Leistung gezeigt habe, und wieder einmal wurde sie durch einen mechanischen Defekt zunichte gemacht", kritisierte er die Zuverlässigkeit seines Boliden.
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Fernando Alonso nach seinem Aus in Singapur
Fotocredit: Getty Images
Tatsächlich traten bei Alonso vor allem zu Beginn der Saison immer wieder technische Probleme auf, die ihn im Kampf um WM-Punkte weit zurückwarfen. "Für mich hat dieses Jahr alles verändert", blickte er auf eine schwieriges Jahr bei Alpine zurück.
Seine Sorgen könnten schon bald der Vergangenheit angehören. Nach dem WM-Finale in Abu Dhabi (20. November) steht sein Wechsel zu Aston Martin an - ein Projekt, von dem sich der Spanier viel erhofft. Immerhin gelang dem Rennstall aus Silverstone in Singapur ein beachtliches Ergebnis. Lance Stroll (6.) und Sebastian Vettel (8.) belohnten sich für einen starken Auftritt.
Während es für Alonso auf der Strecke nicht klappen sollte, ging er dafür in die Geschichtsbücher ein. Zum 350. Mal in seiner Karriere ging Alonso an den Start eines Grand Prix und stellte damit einen Rekord für die Ewigkeit auf. Darüber freuen konnte er sich angesichts seines bitteren Ausfalls aber nicht.
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Quelle: Perform
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