Vettel-Nachfolger Fernando Alonso trifft mit Wechsel zu Aston Martin die richtige Entscheidung - Alpine verzockt sich

Fernando Alonso schlägt im kommenden Jahr ein neues Kapitel auf, welches sich wohl als sein letzter Tanz in der Formel 1 entpuppen könnte. Der zweimalige Weltmeister folgt im Aston Martin in die Fußstapfen von Sebastian Vettel und will seinen anhaltenden Siegeshunger endlich stillen. Doch sein Wechsel zum Vorletzten der Konstrukteurswertung birgt Gefahren - und eine große Chance.

Second placed qualifier Fernando Alonso of Spain and Alpine F1 celebrates in parc ferme during qualifying ahead of the F1 Grand Prix of Canada at Circuit Gilles Villeneuve on June 18, 2022 in Montreal, Quebec

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"Ich genieße es und verdammt, weißt du, ich habe so lange darauf gewartet. Ich freue mich."
Alonso strahlte. Nach sieben Jahren und einer Durststrecke von 105 Rennen stand der 41-Jährige endlich wieder auf dem Podium. Dort, wo ein ehemaliger Champion und ein Fahrer seiner Klasse hingehört.
"Wir waren ein paar Mal sehr nah dran und ich fragte mich, ob ich in meiner Karriere noch ein Podium schaffe oder nicht. Du weißt nie, was nächstes Jahr passiert", erklärte er nach seinem überraschenden dritten Platz beim Grand Prix von Katar 2021. In einem Jahr, in dem sich Mercedes und Red Bull unangefochten an der Spitze duellierten, schlich sich Alonso durch das Hintertürchen an die Spitze - und unterstrich seine hohen Ambitionen.
Nach einer zweijährigen Abstinenz wirkte das Comeback des Asturiers zunächst wie ein verzweifelter Versuch, noch einmal nach den süßen Früchten der Vergangenheit zu greifen. Alonso sollte aber seine Kritiker eines Besseren belehren. In einem Fahrerfeld der goldenen Zukunft wagte Alonso erneut den großen Sprung und bewies zwischen den Titelprophezeiungen eines Max Verstappen, Charles Leclerc oder Lando Norris seine unglaublichen Qualitäten.
Seinem Aufwind bei Alpine ist nun aber ein abruptes Ende gesetzt. Im kommenden Jahr steigt Alonso in den hinterherhinkenden Aston Martin (Vertrag über zwei Jahre plus Option) und scheint, seine letzte Chance auf einen Grand-Prix-Sieg weggeworfen zu haben. Doch beim britischen Rennstall eröffnen sich dem 41-Jährigen unerwartete Möglichkeiten - während sich Alpine im großen Stil verzockt hat.

Das Feuer ist immer noch da

"Sag Esteban, dass er wie ein Löwe verteidigen soll." So lautete Alonsos Motivation während des Grand Prix von Katar in Richtung seines Teamkollegen, der ihm möglichst den Rücken freihalten sollte. Letzten Endes trifft diese Beschreibung auch auf Alonso zu.
Wittert der Spanier auch nur den Hauch einer Chance, sein begnadetes Talent unter Beweis zu stellen, beißt er sich wie der König der Raubtiere an seiner Beute fest. Ob in jener unvergesslichen Nacht von Katar oder sein heroischer Akt von Ungarn 2021, als er Lewis Hamilton rundenlang hinter sich hielt und Teamkollege Ocon damit indirekt zu dessen Sensationstriumph am Hungaroring hievte - Alonsos Feuer brennt immer noch lichterloh.
Auf den ersten Blick verwundert daher sein Rückschritt zu Aston Martin. Immerhin steht Alpine auf Rang vier der Konstrukteurswertung, während Aston Martin nach wie vor kein Land sieht und den vorletzten Rang belegt. Doch im britischen Rennstall findet sich der Löwe unter seinen Artgenossen wieder. Das Team von Lawrence Stroll leckt seine Wunden und will sich endlich an die Spitze der Nahrungskette setzen.
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Fernando Alonso kehrte in Katar 2021 aufs Podium zurück

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Aston Martin macht alles richtig

"Ich habe noch immer den Hunger und den Anspruch, zu kämpfen und an der Spitze zu fahren", erklärte Alonso hinsichtlich seines überraschenden Wechsels zu Aston Martin. "Ich will Teil eines Teams sein, dass sich dem Lernen, Entwickeln und dem Erfolg verschrieben hat."
"Niemand in der Formel 1 hat eine größere Vision und einen derartigen Siegeswillen - damit wird es zu einer einzigartigen Möglichkeit für mich", führte der 32-malige Grand-Prix-Sieger aus. "Ich will in diesem Sport wieder ganz oben stehen und muss daher jene Chancen wahrnehmen, die sich für mich richtig anfühlen."
Wenn Alonso über Visionen spricht, redet der Spanier auch von seinem künftigen Geldgeber Stroll. Der kanadische Multimilliardär hat sich seinem Verlangen verschrieben, sein Team zum WM-Titel zu führen. Bislang waren die erhofften Erfolge abgesehen von einem Sieg (Sakhir 2020, damals noch Racing Point F1) und einigen Podestplätzen jedoch rar gesät.
Dies war letztlich auch dem Umstand geschuldet, dass Aston Martin ein unnachgiebiger Anführer fehlte. Zwar brachte Sebastian Vettel als viermaliger Weltmeister zweifellos grenzenlose Erfahrung und Know-How mit, das Feuer schien beim gescheiterten Ferrari-Piloten aber allmählich erloschen zu sein.
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Fernando Alonso löst Sebastian Vettel im Aston Martin ab

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Und hier kommt Alonso ins Spiel. Der Spanier ergänzt das aufstrebende Aston Martin durch seinen jugendlichen Erfolgshunger nahezu perfekt und könnte den Karren nach dem verpatzten Start in die neue Formel-1-Ära tatsächlich aus dem Dreck ziehen.
"Ich kenne und bewundere Fernando seit vielen Jahren, und es war immer klar, dass er wie ich ein Sieger ist. Ich habe mir vorgenommen, die besten Leute zusammenzubringen und die richtigen Ressourcen und die richtige Organisation zu entwickeln, um in diesem hart umkämpften Sport erfolgreich zu sein, und diese Pläne nehmen nun in Silverstone Gestalt an", versprach sich Stroll in einer Pressemitteilung Erfolg von seiner jüngsten Verpflichtung.
"Daher war es nur logisch, Fernando einzuladen, an der Entwicklung eines erfolgreichen Teams mitzuwirken. Wir haben in unseren jüngsten Gesprächen sehr schnell festgestellt, dass wir dieselben Ambitionen und Werte haben, und es war einfach, unser Verlangen, miteinander zu arbeiten, in die Wirklichkeit umzusetzen", so Stroll.

Alonso oder Piastri? Alpine hat sich verzockt

Heirate in Eile bereut man in Weile - so lautet ein altes Sprichwort. Doch die anstehende Ehe zwischen Alonso und Aston Martin könnte sich letztlich als heiße Liebesgeschichte entpuppen. Jahrelange Erfahrung, Erfolgshunger und die Fähigkeit, mit den richtigen Ressourcen nach den Sternen zu greifen - Aston Martin hat alles richtig gemacht.
Und mit den richtigen Handgriffen am Auto wird Alonso am Ende seines mehrjährigen Vertrags für seinen Mut belohnt. Angesichts einer gesicherten finanziellen Zukunft durch den "Blankoscheck" von Investor Stroll, einer neuen Fabrik ab kommender Saison und der kurz darauffolgenden Installation eines teameigenen Windkanals erweist sich Alonsos Wette als weniger riskant, wie zunächst angenommen.
Der Asturier vertraut auf die Zukunft - ähnlich wie Alpine mit der festen Verpflichtung von Toptalent Oscar Piastri als Alonsos Nachfolger. Trotzdem geht der französische Rennstall als der große Verlierer aus dem überraschenden Deal.
Alpine fand sich hinsichtlich seiner zukünftigen Besetzung in einer Zwickmühle wieder. Teamchef Otmar Szafnauer wollte Alonso unbedingt halten, konnte dem Routinier jedoch nur einen Einjahresvertrag anbieten. Alpine hat sich gegenüber Nachwuchsfahrer Piastri verpflichtet, ihm 2023 einen Sitz in der Formel 1 anzubieten. Ein Jahr später sollte er schließlich möglichst in Alonsos Fußstapfen treten.
Da sich verständlicherweise kein Rennstall dazu bereiterklärt hat, einen Fahrer für ein konkurrierendes Team auszubilden, trat Alpine plötzlich auf der Stelle und musste eine Entscheidung treffen. Letztlich musste Alpine Alonso, der bei Aston Martin als langfristige Lösung angesehen wird, schweren Herzens ziehen lassen. Die Verpflichtung von Piastri scheint indes nur noch Formsache zu sein.
Was die fahrerische Perspektive angeht, stellt der australische Formel-2-Weltmeister zweifellos keine schlechte Wahl dar. Das Rennen um die Zukunft hat jedoch Alonso für sich entschieden - und steuert auf vielversprechende Gewässer zu.
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"Nicht da, wo wir sein wollten": Vettel glaubt an Trendwende

Quelle: Perform

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