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"Bitterer Nachgeschmack" bei Vettel: Ferrari in Ungarn chancenlos

"Bitterer Nachgeschmack" bei Vettel: Ferrari in Ungarn chancenlos

04/08/2019 um 19:59Aktualisiert 04/08/2019 um 20:38

Sebastian Vettel landete zwar beim Großen Preis von Ungarn erneut auf dem Podium, allerdings lag der Deutsche mehr als eine Minute hinter Rennsieger Lewis Hamilton. Im Kampf um den Sieg spielte Ferrari am Hungaroring keine Rolle. Teamchef Mattia Binotto meinte: "Wir kennen unsere Schwächen und müssen daran arbeiten." Für Vettel blieb am Ende aber doch vor allem ein "bitterer Nachgeschmack".

Platz drei für Sebastian Vettel, Rang vier für Charles Leclerc: Diese Ergebnisse beim Grand Prix von Ungarn auf dem Hungaroring bei Budapest werden bei Ferrari nicht für eine entspannte Sommerpause der Formel 1 sorgen.

Dabei wird die Scuderia nicht so sehr die Tatsache ärgern, dass beide Fahrer von Rennsieger Lewis Hamilton (Mercedes) und Max Verstappen (Red Bull) geschlagen wurden. Die Art und Wiese wie dies geschah allerdings schon.

Ferrari schwächelt vor allem in den Kurven

Die Schwäche des Ferraris in den Kurven schlug auf dem Hungaroring voll durch, gegenüber Hamilton und Verstappen waren Vettel und Leclerc komplett chancenlos und fuhren über weite Strecken ein eigenes, einsames Rennen. Im Ziel hatte Vettel mehr als eine Minute Rückstand auf Hamilton, der wohlgemerkt einen Boxenstopp mehr absolviert hatte.

"Das Tempo der beiden konnten wir nicht mitgehen, das hat sich das ganze Wochenende gezeigt", gibt Vettel unumwunden zu:

"In 70 Runden 60 Sekunden zu verlieren, entspricht in etwa dem, wo wir stehen. Wir haben vielleicht nicht die insgesamt schnellste Strategie gewählt, aber insgesamt waren wir heute nicht schnell genug."

Ferrari-Teamchef: "Schwierige Strecke für uns"

Das sieht auch Teamchef Mattia Binotto so, für den die deutliche Niederlage in Ungarn nicht überraschend kam. "Wir wussten, dass dies eine schwierige Strecke für uns sein würde", sagt er:

"Uns fehlt es an maximalem Abtrieb, daher ist das keine Überraschung. Wir kennen unsere Schwächen und müssen daran arbeiten, denn wir müssen auf allen Strecken konkurrenzfähig sein."

Von den Plätzen vier (Leclerc) und fünf (Vettel) gestartet, sortierten sich die beiden Ferrari-Fahrer in der ersten Kurve auch auf diesen Rängen ein. In der Anfahrt zur Kurve vier ging Leclerc dann an Valtteri Bottas (Mercedes) vorbei, der durch eine Berührung im Zweikampf mit Hamilton Schwung verloren hatte.

Auch Leclerc streifte mit seinem linken Hinterrad den Frontflügel von Bottas, der spätestens dabei, vielleicht aber auch schon beim Kontakt mit Hamilton beschädigt wurde. So war der Finne kurz darauf auch gegen Vettel wehrlos. Es sollten für lange Zeit die letzten Positionskämpfe der Ferrari-Fahrer sein.

Verwirrung bei Ferrari: Plan A oder B?

Für Verwirrung sorgte dann der Kommandostand der Italiener. Kurz hintereinander erkundigten sich Leclerc und Vettel nach der Strategie. Während Leclerc zur Antwort bekam, beide Autos seien auf Plan A, hieß es wenige Sekunden später bei Vettel, mit beiden Autos würde Plan B verfolgt. Letztendlich sollte keine dieser Aussagen stimmen.

In Runde 28 von 70 kam Leclerc an die Box und wechselte von Medium auf gebrauchte harte Reifen. Vettel hingegen fuhr bis Runde 40 auf den Mediums, mit denen er gestartet war. Dann wechselte er auf neue Soft. Dabei klemmte es am rechten Vorderrad, wodurch der Stopp gut drei Sekunden länger dauerte.

"Ich war auf Platz vier und hatte nichts zu verlieren, deshalb sind wir im ersten Stint lange draußen geblieben", sagt er Deutsche. "Ich musste dann hoffen, dass die Reifen bis zum Ende durchhalten, und das haben sie gemacht." Nicht so die harten Reifen seines Teamkollegen Leclerc, die gegen Rennende einbrachen. Vettels Reifen hielten hingegen durch, und so konnte er einen Rückstand von deutlich über zehn Sekunden zufahren. Und nicht nur das.

Harter Zweikampf zwischen Vettel und Leclerc

In der drittletzten Runde setzte Vettel am Ende der Start- und Zielgeraden zu einem Überholmanöver an. Leclerc wehrte sich aber heftiger, als es unter Teamkollegen und im Wissen um die Reifensituation zu erwarten gewesen wäre, beinahe wäre es zur Berührung der beiden gekommen. "Ich bin die Lücke zugefahren und hatte genau eine Chance, die ich genutzt habe", sagt Vettel.

Der viermalige Weltmeister glaubt, dass sich die unterschiedlichen Strategien am Ende nicht viel genommen haben. "Es sah lange nicht so aus, als sei das die richtige Entscheidung gewesen. Am Schluss war es ziemlich eng, es hätte so oder so sein können", so Vettel:

"Im Endeffekt haben wir beide etwas anderes probiert und sind mehr oder weniger am gleichen Punkt ins Ziel gefahren."

Leclerc bestätigt nach dem Rennen, was im TV-Bild und anhand der Zeiten zu sehen war: "Die Reifen sind eingebrochen", sagt der Monegasse. "Wir sind recht früh an die Box gekommen, weil ich im ersten Stint Probleme mit den Reifen hatte. Und am Ende des zweiten Stints hatte ich erneut Probleme mit den Hinterreifen."

Was Leclerc von Vettel lernen will

Das Reifenmanagement ist nach Einschätzung von Leclerc etwas, was er sich von seinem erfahrenen Teamkollegen noch abschauen kann. "Irgendwas macht Seb bei den Longruns, wenn die Reifen abbauen, besser als ich. Ich muss verstehen, woher das kommt und versuchen, es besser zu machen."

Für Vettel, der sich bei sommerlichen Temperaturen bei der Interviewrunde der TV-Sender nach dem Rennen ein Eis gönnte, bleibt unter dem Strich von Ungarn ein "bitterer Nachgeschmack": "Entscheidend ist, dass die Lücke nach vorne viel zu groß ist. Insgesamt fehlt uns die Pace."

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