Sebastian Vettel zurück zu Red Bull? Was im Sommer 2020 von vielen als Hirngespinst abgetan wurde, entpuppt sich im Nachhinein durchaus als wahr. Denn Red Bull hat sich sehr wohl damit befasst, den Deutschen nach seinem Aus bei Ferrari zurück in das Team zu holen, mit dem er zwischen 2010 und 2013 vier WM-Titel geholt hat.
"Es gab ein paar Gespräche", bestätigte Teamchef Christian Horner gegenüber 'Channel 4'. "Aber es wäre, als ob man zurück zu seiner Ex-Freundin geht. Beim zweiten Mal wäre es wohl nicht mehr das Gleiche." Stattdessen holte man Sergio Perez als Nachfolger von Alexander Albon.
Vettel und Red Bull hatten zusammen eine der erfolgreichsten Ären der Formel-1-Geschichte geprägt. Der Deutsche wurde schon früh in seiner Karriere vom Red-Bull-Konzern gefördert und fuhr in der zweiten Saisonhälfte 2007 für Toro Rosso, nachdem er sein Debüt für BMW-Sauber gegeben hatte.
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Nur zwei Jahre später fuhr er mit Red Bull erstmals um den WM-Titel mit, ein Jahr später schnappte er sich diesen dann in einem spannenden Finale in Abu Dhabi und wiederholte seinen Erfolg noch weitere drei Mal. "Was wir zusammen erreicht haben, war bemerkenswert. Das war phänomenal und wird immer Teil unserer Geschichte sein", sagte Horner.

Vettel: Harter Arbeiter, beliebt bei Mitarbeitern

Auch wenn Vettel in den vergangenen drei Jahren nicht mehr um Spitzenplätze gefahren ist, betont der Teamchef, wie "unglaublich" der Deutsche in seiner Zeit beim Team war. "Als Junior hat er einen Brief an Red Bull geschrieben, um zu sehen, ob sie ihn unterstützen würden", erinnerte er sich. Es kam eins zum anderen und mündete schließlich im absoluten Erfolg.
Horner fiel schon von Beginn an an Vettel auf, wie zielstrebig er war. "Seine Arbeitsmoral war ganz und gar germanisch", sagte er. "Er arbeitete hart, er arbeitete lange und er hatte einen großartigen Sinn für Humor, sodass er in ein britisches Team passte und die Kultur sofort verinnerlichte", so Horner.

Sebastian Vettel (Red Bull) in Singapur

Fotocredit: Eurosport

"Er machte sich in allen Bereichen des Unternehmens beliebt, ob er nun mit Pralinen für die Sekretärinnen auftauchte oder in der Werkstatt den Jargon lernte - auf eine etwas andere Weise als Yuki", erzählte er weiter und meint, dass Vettel besonders gut darin war, "mit Menschen umzugehen und das Beste aus ihnen herauszuholen".

Höhepunkt: Vettels neun Siege in Folge 2013

Und vor allem war er in den damaligen von Adrian Newey produzierten Formel-1-Autos eine Macht. "Zu diesem Zeitpunkt war er sehr darauf bedacht, nicht nur Erfolg zu haben, sondern auch Rekorde zu erzielen und zu gewinnen. Sie bedeuteten ihm sehr viel", weis der Brite und sagte, dass Vettel in all den Jahren immer noch besser geworden sei.
Vettel habe sich seit 2009 stetig gesteigert, "und 2013 hat er einfach alles dominiert, und die neun Siege in Folge waren für mich der Höhepunkt. Er hat einfach alles zusammengebracht und war in dem Jahr einfach herausragend."

Ein gewohntes Bild aus früheren Tagen: Dauersieger Sebastian Vettel im Red Bull-Team

Fotocredit: Getty Images

Und der Deutsche habe auch großes Interesse an seinen Fans gezeigt: "Wir haben gesehen, wie er jedes Erinnerungsstück und jedes Geschenk in Japan unbedingt mit nach Hause nehmen wollte", sagte Horner. "Einige der Gegenstände waren etwas seltsam, aber er behielt alles. Er behielt absolut alles."
Nach einem durchwachsenen Jahr 2014 trennten sich die Wege dann und Vettel ging zu Ferrari, wo er zwar weiterhin an der Spitze fuhr, sich seinen Traum vom WM-Titel in Rot aber nicht erfüllen konnte. Und jetzt nach zwei Jahren bei Aston Martin mit zahlreichen Nebenprojekten ist für ihn die Zeit des Abschieds gekommen.

Karriereende die "richtige Entscheidung"

Den hat Horner nicht kommen sehen, auch wenn er gesehen hatte, wie frustriert sein alter Schützling das Fahrerlager in Frankreich verlassen hatte, nachdem er wieder einmal ohne Punkte geblieben war.
"Aber ich denke, das ist die richtige Entscheidung", sagte Horner. "Es ist nicht schön, ihn nur im Mittelfeld fahren zu sehen. Ich glaube nicht, dass er irgendeine Befriedigung daraus zieht, von daher ist es an der Zeit, den Vorhang über einer fantastischen Karriere zuzuziehen."

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"Ich habe gesehen, wie er von einem Jungen zu einem jungen Mann heranwuchs, und ich glaube, er ist ein sehr prinzipientreuer Typ. Er hat sehr starke Überzeugungen. Das haben wir in den letzten Phasen seiner Karriere gesehen, als er für Dinge eintrat, die ihm am Herzen lagen, und das zu Recht", sagte er. "Seine Familie ist ihm sehr wichtig. Er ist ein sehr privater Mensch."
Zwar ist Horner traurig, wenn er Vettel dann nicht mehr im Fahrerlager sehen wird, aber er ist überzeugt, dass der Deutsche danach noch eine Menge vorhabe, was er im Leben tun möchte. "Und ich bin mir sicher, dass er noch einige großartige Dinge tun wird", sagte er.
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